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29.10.2013

10:41 Uhr

Ungerechte Verteilung

Jeder Zweite bekommt Weihnachtsgeld

Beim Weihnachtsgeld geht es nicht unbedingt gerecht zu: Männer sind gegenüber Frauen im Vorteil, im Westen ist die Zusatzzahlung weiter verbreitet als im Osten. Eine Rolle spielt auch die Art der Beschäftigung.

Optikerin betrachtet eine Linse: Frauen bekommen seltener Weihnachtsgeld als Männer. dpa

Optikerin betrachtet eine Linse: Frauen bekommen seltener Weihnachtsgeld als Männer.

DüsseldorfEtwa 54 Prozent der Beschäftigen bekommen einer Umfrage zufolge Weihnachtsgeld. Dabei hängt es nicht zuletzt vom Geschlecht und vom Wohnort des Arbeitnehmers ab, ob sich das Weihnachtsfest auch auf dem Konto bemerkbar macht. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Online-Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Generell gilt demnach: Frauen bekommen seltener Weihnachtsgeld als Männer. Rund 57 Prozent der Männer, aber nur 51 Prozent der Frauen können sich anlässlich des Festes über mehr Gehalt freuen. Große Unterschiede bestehen nach wie vor zwischen Ost und West: Im Westen bekommen 58 Prozent, im Osten nur 39 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld. Auch die Art des Beschäftigungsverhältnisses spielt eine wichtige Rolle. Denn 56 Prozent der Beschäftigten mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen Weihnachtsgeld, aber nur 45 Prozent der befristet Beschäftigten.

Fragen und Antworten zum Weihnachtsgeld

Wer bekommt es?

55 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erhalten laut dem WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in diesem Jahr Weihnachtsgeld. Die Regelung zum Weihnachtsgeld steht oft im Arbeitsvertrag, der Anspruch darauf kann aber auch im Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt sein.

Muss das Unternehmen zahlen?

Wenn die Zahlung des Weihnachtsgelds vertraglich vereinbart ist, so darf das Unternehmen sie nicht kürzen oder sogar ganz streichen. Anders ist die Lage im Krankheitsfall. Manche Arbeitsverträge sehen vor, dass sich die Sonderzahlung bei längeren Fehlzeiten verkleinert.

Was passiert, wenn freiwillig gezahlt wird?

Auch hier lohnt sich ein Blick in den Arbeitsvertrag. Stehen dort Formulierungen wie „freiwillig“ oder „ohne jeden Rechtsanspruch“ ist die Sache klar. Der Arbeitgeber ist nicht zur Zahlung verpflichtet – auch wenn er in den Vorjahren ein Weihnachtsgeld gezahlt hat. Steht allerdings im Vertrag, das Weihnachtsgeld sei eine „freiwillige, stets widerrufliche“ Leistung, kann sich die Firma nicht darauf beziehen. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist diese Formulierung ungültig.

Und was ist, wenn es keine Regelung gibt?

Selbst ohne vertragliche Regelung kann ein Anspruch auf Weihnachtsgeld bestehen. Wegen „betrieblicher Übung“ haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, wenn es bereits dreimal in gleicher Höhe und ohne Vorbehalt überwiesen wurde.

Was ist im Falle einer Kündigung?

Wenn es um eine Summe geht, die höher als 100 Euro ist, aber geringer als ein Monatsverdienst, kann eine Bindungsfrist bis zum 31. März des Folgejahres vorgeschrieben werden. Dann besteht die Pflicht zur Rückzahlung, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen vorher verlässt. Scheidet er später im Jahr aus der Firma aus, darf er das Weihnachtsgeld allerdings behalten.

Bekommen auch Teilzeitkräfte die Zahlung?

Wenn das Weihnachtsgeld ohne Bedingungen gezahlt wird, haben alle Mitarbeiter einen Anspruch darauf. Das Unternehmen darf niemanden davon ausschließen. Auch Minijobber oder Teilzeitkräfte bekommen dann die Zahlung – allerdings mit Abzügen.

Grundsätzlich sehen die geltenden Tarifverträge in den meisten Wirtschaftszweigen ein Weihnachtsgeld vor. Dabei gibt es nach Angaben des WSI jedoch je nach Branche erhebliche Unterschiede: So erhalten etwa die Beschäftigen im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der westdeutschen Chemieindustrie und in der Druckindustrie 95 Prozent bis 100 Prozent eines Monatseinkommens.

Die Beschäftigen im Versicherungsgewerbe können mit 80 Prozent eines Monatsgehalts rechnen. In der ostdeutschen Chemieindustrie sind es 65 Prozent und in der ostdeutschen Metallindustrie 50 Prozent des Monatseinkommens. Gar kein Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe Ost und im Gebäudereiniger-Handwerk.

An der Online-Umfrage hatten sich laut WSI insgesamt rund 15.000 Beschäftigte beteiligt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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norbert

29.10.2013, 12:45 Uhr

Nun ja, wenn man das Weihnachtsgeld komplett abschafft, dann ist es wieder gerecht.

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