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05.12.2012

14:41 Uhr

Unsichere Perspektive

Mittelständler planen nur von Monat zu Monat

Der Mittelstand in Deutschland blickt pessimistisch in die Zukunft. Der Hauptgrund hierfür ist die Euro-Krise. Doch auch die Bundestagswahl im nächsten Jahr sorgt für zusätzliche Unsicherheit.

Der Mittelstand schielt immer stärker auf die Absatzmärkte in großen Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien. dpa

Der Mittelstand schielt immer stärker auf die Absatzmärkte in großen Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien.

Berlin Die Schuldenkrise trübt die Geschäftsaussichten der mittelständischen Industrie in Deutschland immer mehr. "Die Perspektiven sind sehr unsicher. Viele Unternehmen fahren auf Sicht und planen von Monat zu Monat", sagte Mittelstandsexperte Arndt Kirchhoff vom Industrieverband BDI am Mittwoch. Insgesamt sei die Grundstimmung der Firmen aber noch gut. Rund 46 Prozent der im BDI-Mittelstandspanel befragten knapp 940 Betriebe beurteilen ihre Situation positiv, im Juni waren dies noch 53 Prozent. Der Anteil der Pessimisten verdoppelte sich fast von neun auf 17 Prozent. Konjunkturflaute und Schuldenkrise machen den Firmen zu schaffen. "Das hinterlässt Spuren in den Auftragsbüchern", sagte Kirchhoff, der Chef des BDA/BDI-Mittelstandsausschusses ist.

Bei den Erwartungen der Firmen zeige sich eine Bodenbildung. Allerdings würden sich Unternehmen auch wegen der bevorstehenden Landtags- und Bundestagswahlen zurückhalten. "Das bedeutet wirtschaftspolitischen Stillstand", sagte Kirchhoff. Das im Zuge der Eurokrise verloren gegangene Vertrauen müsse die Politik dringend wieder zurückgewinnen. "Dann fassen wir auch neue Investitionspläne an", betonte der BDI-Fachmann, der zugleich Chef des Iserlohner Autozulieferers Kirchhoff ist. Die gesamte deutsche Wirtschaft senkt seit vier Quartalen in Folge ihre Ausgaben in Maschinen und Anlagen.

Der Mittelstand schielt immer stärker auf die Absatzmärkte in großen Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien. Dabei werde es zunehmend wichtiger, nicht nur mit dem Vertrieb, sondern auch mit der Fertigung vor Ort zu sein, sagte Chefvolkswirt Kurt Demmer von der IKB-Bank. "Ein Stück weit wird in Zukunft Export durch Auslandsproduktion ersetzt." Arbeitsplätze in Deutschland seien dadurch aber nicht gefährdet. "Es geht hier vorrangig um Erschließung neuer, zusätzlicher Absatzpotenziale - und nicht um Verlagerung aus Kostengründen", fügte Demmer hinzu.



Von

rtr

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