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08.02.2012

07:01 Uhr

Unternehmensberater Hermann Simon

„Deutsche müssen Chinesen mit eigenen Waffen schlagen“

VonKatrin Terpitz

Deutsche Mittelständler sind nicht selten Weltmarktführer in ihrer Branche. Damit das auch so bleibt, müssen für das Ausland neue Geschäftsmodelle her. Management-Vordenker Hermann Simon weiß, wie das funktionieren kann.

Eine Baumaschine von Sany: Das chinesische Unternehmen ist der neue Putzmeister-Eigner. picture alliance/dpa

Eine Baumaschine von Sany: Das chinesische Unternehmen ist der neue Putzmeister-Eigner.

Handelsblatt: Herr Simon, Sie beobachten seit einem Vierteljahrhundert die deutschen „Hidden Champions“. Ein solcher heimlicher Weltmarktführer war der Betonpumpenhersteller Putzmeister. Nun hat der Gründer seine Firma an den chinesischen Konkurrenten Sany verkauft. Hat Sie das überrascht?

Hermann Simon: Vor wenigen Jahren wäre das noch unvorstellbar gewesen. Aber bereits 2009 verdrängte Sany Putzmeister als Weltmarktführer. Putzmeister ist jedoch nicht an der damaligen Krise gescheitert, sondern in China, dem heute mit Abstand wichtigsten Markt für Betonpumpen. Hier spielt Putzmeister inzwischen nur noch eine marginale Rolle.

Das klingt nach einem Managementfehler.

Wer auf dem wichtigsten Schlachtfeld unterliegt – welches Land das für ein Produkt auch sein mag –, der verliert auf Dauer die Weltmarktführerschaft. Dasselbe passiert gerade in der Photovoltaik.

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Neben den großen Themen rund um den Besuch von Kanzlerin Merkel ist ein anderes nicht zu vernachlässigen: Der Mittelstand und seine Bedeutung für beide Länder. Denn gerade für kleine Firmen bieten sich große Chancen.

Auch andere Branchen sollten sich also vor der Konkurrenz aus China hüten?

Unsere Maschinen- und Anlagenbauer und Zulieferer unterschätzen die Chinesen. Immer mehr chinesische Produkte stehen „Made in Germany“ in nichts nach. Die neuen Stars am Industriehimmel, die Telekomausrüster ZTE und Huawei, wurden vor Jahren noch belächelt. Beide liegen mit ihren Patentanmeldungen mittlerweile weltweit auf Platz eins und drei – weit vor Bosch oder Siemens.

Wie können sich deutsche Unternehmen gegen die chinesische Konkurrenz behaupten?

Ganz einfach: Wir müssen zu Chinesen werden! Deutsche müssen im Reich der Mitte Chinesen bei den Kosten angreifen, sie mit eigenen Waffen schlagen. Karl Mayer, Spezialist für Kettenwirkmaschinen, eroberte die Weltmarktführerschaft von den Chinesen zurück. Weil er verstärkt in China produziert – auch im Niedrigpreissegment.

Unternehmensberater Hermann Simon. PR

Unternehmensberater Hermann Simon.

Worauf müssen Unternehmen achten, die nach China und weltweit expandieren?

Nischenanbieter müssen irgendwann globalisieren, um weiter zu wachsen. Sie sollten sich nicht darauf fokussieren, deutsche Kunden ins Ausland zu begleiten, sondern dort von vornherein neue Kunden finden. Beginnen sollten sie immer im wichtigsten Markt.

Kommentare (14)

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wie_es_aussieht

08.02.2012, 09:11 Uhr

"Karl Mayer, Spezialist für Kettenwirkmaschinen, eroberte die Weltmarktführerschaft von den Chinesen zurück. Weil er verstärkt in China produziert"

Ja klar, eine super Idee! Verlangern wir doch die komplette Produktion und sämtliche Beschäftigung nach China!

China kann mittelfristig mit seinen vielen Hundert Millionen un/unterbeschäftigten Menschen locker die 40 Millionen Deutschen Arbeitsplätze übernehmen.

Unternehmensberater wie Herr Simon werden sicher gern bei der Organisation dieser Maßnahme mithelfen. Herzlichen Dank.

tobi

08.02.2012, 09:59 Uhr

Was ich dem Artikel entnehme ist, dass wir bei den Kosten ansetzen müssen - wieder!
Das hat Firmen wie Aldi, Ford, Warren Buffet's Berkshire, Craigslist etc. gross gemacht. Kontinuierliche Kostenreduzierung ist ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil, der viele Mitbwerber abschreckt.
Und es macht das Leben preiswerter!

Ein gutes Produkt zum anständigen Preis + einen Schuss Aufmerksamkeit, und man kann am Markt erfolgreich sein.

Was mir noch fehlte war der Megatrend Entrepreneurship bzw. der negativ Trend "Arbeitslosigkeit". Wir solltn selber am Markt teilnehmen - es war noch nie so einfach, so aufregend und so intellktuell hrausfordernd.

weltenbrand

08.02.2012, 10:25 Uhr

Was nehmen Sie denn für Drogen??? Etwa die "Chinesische-Löhne-für-alle-Pille"??? Über Ihr begriffsloses "Angebots-Nachgeplapper" (nicht vergessen: Autos kaufen keine Autos.) hat sich schon ein gewisser Karl Marx genussvoll-hämisch ausgelassen, wonach es "nicht mehr kontinental-europäische Löhne sein sollten, sondern (eben) chinesiche." Damals übrigens mit dem gleichen kolossalen "Erfolg": unmittelbar bevorstehende Bürgerkriege.

Mit aufrichtiger Schadenfreude und
Endzeitgigatodgruß

weltenbrand

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