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11.06.2012

14:01 Uhr

Unternehmensgründung

Start-ups scheitern oft an der Finanzierung

VonSilke Kersting

Die Erockit GmbH in Berlin entwickelt ein innovatives Zweirad - 600 Bestellungen gibt es bereits weltweit. Aber die Finanzierung ist schwierig und rechtliche Hürden hoch - Probleme, mit denen viele Start-ups kämpfen.

Stefan Gulas mit einem eRockit. eRockit

Stefan Gulas mit einem eRockit.

Berlin„Das ist die Kiste“, sagt Stefan Gulas und lacht. Die "Kiste" sieht aus wie irgendein Gefährt zwischen Fahrrad und Motorrad - 81 Stundenkilometer schnell und mit einer enormen Beschleunigung. An Ampeln fährt Gulas damit jedem Auto davon, "Autos abzählen" ist sein großer Spaß, Tag für Tag.

Gulas' ernsthaftes Hobby ist die Weiterentwicklung dieses Gefährts namens Erockit. Seit 2005 treibt ihn die Idee an, eine völlig neue Fahrzeugkategorie zu entwickeln. Das Erockit kombiniert ein Elektromotorrad mit der Bedienung eines Fahrrads. Je schneller der Fahrer in die Pedalen tritt, desto schneller fährt das Erockit, Motorradführerschein ist Pflicht. Die Reichweite liegt bei 60 Kilometern. "Der Einsitzer ist fertig entwickelt", erzählt der 41-Jährige in seiner Halle in einem Industriegebiet in Berlin-Marzahn. "Wir könnten die Serienfertigung aufnehmen. Aber die vollständige Finanzierung steht noch nicht."

Die Finanzierung plagt viele Start-ups in Berlin. Die Hauptstadt verzeichnet einen Gründerboom - nirgendwo in Europa wird so viel in Start-ups investiert wie hier. Dennoch liegen auch in Berlin die Finanzierungshürden für Gründer hoch, zeigt eine Studie, die die Investitionsbank Berlin und Creditreform Berlin vorige Woche vorgestellt hat. Für jeden zweiten neu gegründeten Betrieb sind Kredite zur Finanzierung des Unternehmens wichtig bis sehr wichtig. Knapp 29 Prozent geben in der Studie einen Finanzierungsbedarf bis 25 000 Euro an, jede siebte Neugründung braucht mehr als 100 000 Euro.

Auch Gulas. Der gebürtige Österreicher, der ursprünglich Bergbau studierte und später als Berater arbeitete, benötigt gar eine weitere Million Euro für sein mittlerweile sieben Mann starkes Unternehmen, die Erockit GmbH. Die allerdings will er nicht über einen Kredit finanzieren, sondern über zusätzliche Gesellschafter. Derzeit besitzt die Familie Gulas 90 Prozent der Anteile, den Rest halten einige Mittelständler. Seit März bietet Erockit Investoren auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) genehmigte Genussrechte an.

Mittlerweile gibt es zehn verschiedene Erockits, allesamt vom Tüv abgenommen und beim Kraftfahrzeugbundesamt eingetragen. Gulas, der seit nunmehr zwölf Jahren in Deutschland lebt, ist der kreative Kopf des Unternehmens, sein Handlungsbevollmächtiger Andy zur Wehme managt den kaufmännischen Part. Das Selbstbewusstsein der beiden ist enorm. Erockit habe 1 400 Vertriebsanfragen in 38 Ländern, sagt Gulas. Mehr als 600 Maschinen seien bestellt. "Der Markt ist aufnahmefähig für das Produkt."

Allerdings hat das Gerät auch einen stolzen Preis: 12 460 Euro kostet das Elektromotorrad mit Pedalantrieb. Aber: "Es ist hochwertig verarbeitet - und wird sicherlich seine Liebhaber finden", sagt Manuela Dannenberg, Geschäftsführerin des Berliner Elektromobilitätsdienstleisters Lautlos durch Deutschland GmbH.

Kommentare (1)

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13.11.2012, 17:53 Uhr

Gescheiterte Unternehmer werden in Deutschland beargwöhnt: Der hat es halt nicht geschafft. Dabei liegt im Scheitern ein großes Potenzial des Lernens. Einen interessanten Artikel zum Scheitern gibt es hier http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/5463-potenzial-des-scheiterns

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