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16.03.2006

16:45 Uhr

Unternehmensinsolvenzen

Österreich liegt im Pleitenranking vorn

Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Europäischen Union verzeichnete 2005 erstmals seit vier Jahren eine rückläufige Entwicklung. Die Zahlen liegen nur knapp über dem Wert des Jahres 2002. Am deutlichsten ist der Rückgang in Irland. Deutlich schlechter trifft es die Unternehmen in Österreich.

HB DÜSSELDORF. Die Unternehmensinsolvenzen der 17 EU-Staaten verzeichnen einen Rückgang um zwei Prozent auf insgesamt 147 239 betroffene Betriebe. Im Jahr zuvor waren noch knapp über 150 000 Insolvenzen zu beklagen. Sechs der betrachteten 17 westeuropäischen Länder weisen jedoch nach wie vor einen Anstieg der Insolvenzen auf. Am stärksten nahmen die Unternehmenskonkurse in Österreich zu. Um 15,3 Prozent auf insgesamt 7299 Fälle stieg das Insolvenzaufkommen in der Alpenrepublik. Betroffen davon sind rund 25 000 Arbeitnehmer.

Insolvenzzuwächse im zweistelligen Bereich meldet auch Griechenland: Um 10,9 Prozent auf insgesamt 640 Fälle stieg das Konkursaufkommen im Jahresverlauf. Steigende Unternehmensinsolvenzen verzeichnen weiter die Länder Portugal (plus 5,7 Prozent auf insgesamt 3300 Konkurse), Frankreich (plus 5,1 Prozent auf 42 874 Konkurse) sowie Italien (plus 2,8 Prozent auf 11 000 Konkurse) und Luxemburg (plus 0,5 Prozent auf 668 Konkurse).

Den deutlichsten Rückgang meldet Irland: Die grüne Insel konnte ihr Insolvenzaufkommen um 21,5 Prozent auf aktuell 252 Fälle reduzieren - das sind nur knapp mehr als die Stadt Mülheim an der Ruhr aufzuweisen hat (240 Insolvenzen in 2005). Auf Platz zwei und drei der Länder mit den höchsten Rückgängen liegen Großbritannien (minus 19,3 Prozent auf 10.344 Insolvenzen) und Norwegen minus (14,5 Prozent auf 2293 Insolvenzen).

Das größte Aufkommen an Unternehmensinsolvenzen absolut betrachtet weist - bereits das zweite Jahr in Folge - Frankreich auf: 42 874 Konkurse wurden im Jahr 2005 gezählt, was einer Zunahme von 5,1 Prozent entspricht. Die größte relative Insolvenzbetroffenheit (die man erhält, setzt man die Zahl der Insolvenzen in Bezug zur Zahl der existierenden Betriebe eines Landes) weist ebenfalls Österreich auf: Im Jahr 2005 mussten 288 von 10 000 Unternehmen den Gang zum Konkursrichter antreten. Im gesamteuropäischen Schnitt sind es 77 pro zehntausend Unternehmen. Deutschland liegt mit 130 Insolvenzen pro 10 000 Unternehmen im unteren Mittelfeld.

Die Zahl der Privatinsolvenzen, die für die Länder Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Norwegen, Österreich, die Schweiz und Schweden erhoben wurde, stieg im Jahresverlauf kräftig um 25,8 Prozent auf 180 000 betroffene Personen an (Vorjahr: 143 067). Zuwächse verzeichnen insbesondere die Länder Großbritannien (um 34,2 Prozent auf 64 556 Anträge, die Niederlande (um 26,8 Prozent auf 3311 Anträge) und Deutschland (um 24,6 Prozent auf 98 400 Anträge). Eine rückläufige Insolvenzentwicklung bei den Privatpersonen zeigen lediglich die Länder Norwegen (minus 4,6 Prozent auf 1540 Anträge) und die Schweiz (minus 4,3 Prozent auf 5469 Anträge).

In Deutschland sind die Unternehmensinsolvenzen bereits das zweite Jahr in Folge zurückgegangen: 37.900 Betriebe mussten im Jahr 2005 Insolvenz anmelden - das sind 3,5 Prozent oder 1370 Unternehmen weniger als noch im Jahr zuvor. Insgesamt allerdings steigen die Insolvenzen auf ein All-time-high von 136 300 Fällen von Unternehmens- und Privatpleiten sowie überschuldeter Nachlässe an. 66 400 Verbraucher sind betroffen, was einem Anstieg von 35,2 Prozent im Jahresverlauf entspricht. Die Zuwächse bei den sonstigen Insolvenzen - also ehemals selbstständig Tätige, überschuldete Nachlässe sowie Vereine und Stiftungen - fallen dagegen mit 7,1 Prozent auf 32 000 Konkurse vergleichsweise moderat aus.

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