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22.01.2009

16:19 Uhr

Unternehmer im Gespräch

„Die Börse bewahrt uns vor Torheiten“

VonSönke Iwersen und Mark C. Schneider

Von der langfristigen Vision seines Unternehmens ist Stefan Dräger vollends überzeugt. Der Vorstandschef des Drägerwerks besitzt hundert Prozent der stimmberechtigten Aktien seines Unternehmens - und sieht die Börse auch als Selbstschutz. Im Interview erklärt er, warum er das für nötig hält.

Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk AG, im Handelsblatt-Interview. Foto: dpa dpa

Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk AG, im Handelsblatt-Interview. Foto: dpa

Herr Dräger, andere Unternehmerfamilien scheuen das Licht der Börse - Sie nicht?

Manchmal wäre es auch mir sicher lieber, Entscheidungen ohne den öffentlichen Scheinwerfer zu treffen. Dräger ist 1979 an die Börse gegangen, um das für Familienunternehmen besonders kritische Thema der Beschaffung von Kapital zu lösen. Manchmal braucht man für Wachstum eben mehr Kapital, als man aus dem laufenden Geschäft oder über Banken finanzieren kann.

Ohne dieses Argument wären Sie also nicht an der Börse?

Doch, denn es gibt weitere Vorteile: Die Börse stellt zum Beispiel für uns sicher, dass wir vor Torheiten bewahrt werden, auch meinen eigenen. Ich verfüge über 100 Prozent der stimmberechtigten Aktien. Ich setze also mit jeder Entscheidung immer auch mein eigenes Vermögen ein. Diese Übereinstimmung von übernommener Verantwortung und eigener Betroffenheit führt zu einer großen natürlichen Autorität. Mir ist diese Machtfülle sehr bewusst, und ich habe schon oft darüber nachgedacht, was das Unternehmen schützt.

Die Börse auch als Selbstschutz?

Das ist nicht so komisch, wie es jetzt vielleicht klingt. Ein Unternehmen besteht ja nicht nur aus seinem Chef, sondern auch aus seinen Mitarbeitern - bei uns mehr als zehntausend weltweit. Außerdem gibt es die Geschäftspartner und die Kunden. Die haben doch alle ein Anrecht darauf, dass gerade Entscheidungen an der Spitze irgendwie kontrolliert werden.

Sind börsennotierte Unternehmen also Familienunternehmen überlegen?

Nicht generell. Wir selbst sind ja beides: ein Familienunternehmen, das börsennotiert ist. Als Familie denken wir in langen Zeiträumen, an künftige Generationen. Das ist bei Vorständen, die für drei oder fünf Jahre angestellt sind, nicht immer so. Und als börsennotiertes Unternehmen haben wir unsere Aktionäre als Korrektiv und können über die Ausgabe von Aktien flexibel Kapital für unser Wachstum beschaffen.

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