Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.11.2013

09:46 Uhr

Unternehmergespräch Claus Hipp

„Der Ton ist rauer geworden“

VonChristoph Kapalschinski

Claus Hipp hat auf ökologischen Landbau gesetzt, als das noch nicht en vogue war. Mittlerweile hat er den Babynahrungsmarkt in Deutschland fest im Griff. Dennoch fällt das Feilschen mit Händlern nicht leicht.

Claus Hipp, einer der bekanntesten Familienunternehmer Deutschlands: Der 75-Jährige mischt noch im Betrieb mit – und hält sich mit Turnen und Skifahren fit. Thomas Einberger für Handelsblatt

Claus Hipp, einer der bekanntesten Familienunternehmer Deutschlands: Der 75-Jährige mischt noch im Betrieb mit – und hält sich mit Turnen und Skifahren fit.

PfaffenhofenFehlt nur noch, dass er anfängt zu singen. Claus Hipp ist ein Multitalent: Als Gesellschafter regelt er noch immer täglich wichtige Fragen seines deutschen Babygläschen-Marktführers Hipp. Außerdem malt er abstrakte, ausdrucksstarke Kunst, über die er sich eine Professur in Tiflis gesichert hat. Sonntags ministriert er in der Münchener Frauenkirche. Seiner Tochter assistiert er auf dem Bauernhof. Eben ist sein neuestes Buch erschienen, das er den Studenten empfiehlt, denen er in Deutschland Vorlesungen gibt. Geradezu unwahrscheinlich mutet da an, dass Hipp gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert hat.

„Ich bin der Austragsbauer. Meine Kinder führen das Geschäft hervorragend. Wo sie mich brauchen, bin ich noch da“, beschreibt er seine Rolle im Unternehmen. Konkret heißt das: Er ist jeden morgen um halb acht im Büro, nimmt an den täglichen Besprechungen teil, repräsentiert das Unternehmen nach außen. Dabei kommt ihm zugute, dass er sich schon vor Jahrzehnten persönlich für ein Thema engagiert hat, dass heute populär wie nie ist: ökologischer Landbau.

Ihn erfüllt mit Stolz, dass schon seine Eltern auf dem eigenen Hof damit begonnen haben (siehe: „Worauf ich stolz bin“). Ziel damals wie heute: möglichst unbelastete Babynahrung produzieren zu können. Dazu kommt heute der Artenschutz. Aus dem Stand kann Hipp über Regenwürmer, Trockenholzhecken und alte Tierrassen referieren.

Herr Hipp, vervollständigen Sie ...

Mein unerkanntes Talent ist ...

...ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe. Ich kann von meinen Mitarbeitern nichts verlangen, was ich nicht auch von mir selbst erwarte. Sonst ist es unfair.

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich ...

...seiner Bereitschaft, sich mit seinen Ideen und auch seiner Kritik im Unternehmen einzubringen. Jemand, der nur da sitzt und von dem nie etwas kommt, bringt unser Haus nicht weiter.

Schwach werde ich ...

...es Walnusseis mit Eierlikör gibt. Göttlich.

Die wichtigste Lehre aus meinem bisherigen Geschäftsleben ist ...

...authentisch und berechenbar rüber zu kommen. Das überzeugt die Familienmitglieder, die Mitgesellschafter, die Mitarbeiter und natürlich auch die Kunden.

Es lief mir neulich kalt den Rücken runter, als ...

...ich in der Küche stand und einen Hexenschuss hatte. Das war, als würden hunderte Eiswürfel über mich gekippt werden.

Fit gehalten habe ich mich zuletzt mit...

...meiner Hündin Lizzy. Wir gehen jeden Tag in der Mittagspause drei bis vier Kilometer am Rhein entlang spazieren.

Ich freue mich, wenn in meiner Familie ...

...alles glatt läuft. Wenn meine Kinder ihr Studium erfolgreich auf die Reihe kriegen und gut abschließen, ist das für mich einfach wunderbar.

Ich würde gerne einmal Abendessen mit ...

...Angela Merkel und Sigmar Gabriel gleichzeitig. Das würde bestimmt ein sehr spannender Abend werden.

Sein aktuelles Thema aber lautet „Anstand“. Dazu hat er sein Buch veröffentlicht, dazu geht er in Talkshows. Er sieht das Thema auch als Frage für seine Branche – gerade im Verhältnis zum Handel. „Es trifft zu, dass der Ton rauer geworden ist“, sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Das Buch ist ein Appell, dass wir uns darauf besinnen, dass wir langfristig erfolgreich sein wollen. Das geht nur, wenn wir Verständnis füreinander haben.“

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ich_liebe_Reichtum

05.11.2013, 10:02 Uhr

Also wenn ein Unternehmer sich wie ein grosser Herrscher in einen solchen Umgebung ablichten laesst, braucht man sonst nichts mehr zu schreiben - ausser man moechte eine Werbeplattform fuer ihn sein ;-)

Andreas

05.11.2013, 10:14 Uhr

Manche habeb halt immer was zu meckern.

hermann.12

05.11.2013, 11:31 Uhr

@Ich_liebe_reichtum,

manche Unternehmer haben sich ihre Selbstdarstellung eben auch verdient, ebenso wie der gleiche Prozentsatz Arbeitgeber, wie Arbeitnehmer es nicht verdienen.
Diese, "die das oben, wir hier unten" Haltung entspricht in ihrer Ignoranz und Arroganz und ihrem Mangel mehr Wertschätzung zu verdienen, der Haltung des Anteils der Unternehmer, die skrupelos agieren.
Es sind zwei Seiten eine und der selben Medaille.

Zu welcher Sorte Hipp gehört, kann man aus der Ferne kaum beurteilen. Er scheint aber sehr um Fairness bemüht.
Etwas, das man von Ihnen mit diesem Kommentar nicht behaupten kann.

H.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×