Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2013

11:26 Uhr

Unternehmergespräch Rügenwalder Mühle

„Wir essen zu viel Fleisch“

VonMartin Dowideit

ExklusivIm Kühlregal ist die Rügenwalder Mühle eine Größe. Doch der schrumpfende Fleischmarkt bringt den Chef auf andere Gedanken: Christian Rauffus denkt an Soja-Schnitzel und kann fleischfreien Kantinentagen etwas abgewinnen.

Christian Rauffus, Chef der Rügenwalder Mühle. Tristan Vankann für Handelsblatt

Christian Rauffus, Chef der Rügenwalder Mühle.

Bad ZwischenahnDer Satz am Heck von Christian Rauffus’ Geländewagen ist ein Zungenbrecher: „Anaal natrach uttwaas petatt dooch yell diähn weeh.“ Mit diesen Worten beschwört der Zauberer Merlin in einem Fantasy-Film der achtziger Jahre einen Nebel herauf. Das würde Rauffus, wenn er auf der Jagd ist, auch gern können: sich auf der Pirsch in Dampfschwaden unsichtbar machen.

Aber dieser Wunsch gilt nur für sein Hobby. Im Betrieb hat sich der Chef der Rügenwalder Mühle gerade für das Gegenteil entschieden. Den Moderator Jörg Pilawa, der als Werbebotschafter engagiert war, hat Rauffus weggeschickt. Stattdessen preist der 60-Jährige, flankiert von Mitarbeitern, nun selbst Teewurst und Schinken an: „Wurstmachen ist Charaktersache.“

Der Auftritt des Chefs soll Vertrauen schaffen für Fleischprodukte – gerade jetzt, in einer Zeit, da Massentierhaltung in der Kritik steht und Vegetarismus in Mode ist. „Ich musste meinen inneren Schweinehund überwinden“, sagt Rauffus im Gespräch mit Handelsblatt Online über die Idee für den Werbespot – natürlich meint er nicht sein Faible für die Wurst, sondern den persönlichen Auftritt im Fernsehen (Volltext zum Download und für Abonnenten der iPad-App Handelsblatt Live).

In sechster Generation führt er das Familienunternehmen in Bad Zwischenahn nahe Oldenburg. Idyllisch ist es dort allerdings nicht, darauf deutet schon die Anschrift hin: Industriestraße 5. Es ist eine Fabrik mit 400 Mitarbeitern, der Betrieb verkauft Fleischprodukte für mehr als 170 Millionen Euro im Jahr. Allein Zigtausende Schweinelebern werden dort jede Woche zu Leberwurst verarbeitet.

Christian Rauffus im Originalton

Mein unentdecktes Talent ist, dass …

… ich eine Prise Faulheit habe und meine Leute arbeiten lassen kann.

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich an …

… der Zufriedenheit, in einer gesunden Firma zu arbeiten.

Niemals outsourcen würde ich …

… das Wurstmachen.

Schwach werde ich, wenn …

… es jemandem schlecht geht.

Die wichtigste Lehre aus meinem Geschäftsleben, ist …

… zum Äußersten zu greifen und darüber zu reden.

Zur Markenbildung beitragen soll auch die 17 Meter hohe Windmühle, die Rauffus hat bauen lassen. Sie ist ein Abbild jener Mühle, die jede Wurstpackung als Firmenlogo ziert, aber gar nicht existierte. Im Bewährungskampf auf einem schrumpfenden Markt hilft die Mühle allein aber nicht. „Wir müssen uns sehr schnell bewegen“, sagt Rauffus. „Der Markt schrumpft – und das mit einer gewissen Berechtigung.“

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Andreas_R._J._Schnee-Gronauer

27.08.2013, 12:19 Uhr

Damit hat Herr Rauffus ja die "Königslösung" der Unternehmensnachfolge gefunden - das Glück hat nicht jeder
[...]
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Tabu

27.08.2013, 12:59 Uhr

Aber es gebe in Deutschland weniger als 5 000 Bioschweine pro Woche – zu wenige. „Selbst wenn wir die alle bekämen und fingen morgen um fünf Uhr an, dann hätten wir um 6.30 Uhr kein Fleisch mehr.“
-----------
Töten im sekundentakt.
Und dann noch die Jagd als Hobby.
Wer mit dem Töten,wehrlosem Leben sein Geld verdient,
ist für mich kein Unternehmer.
Dazu ist das Produkt zu hilflos ausgeliefert.

Earthling

27.08.2013, 13:19 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×