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05.04.2016

12:54 Uhr

Unternehmerinnen-Umfrage

Kinder, Karriere, eigener Chef!

VonAnja Müller

Ist die Selbstständigkeit eine Chance für mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Viele Unternehmerinnen sind davon laut einer Umfrage überzeugt. 14 Prozent haben sogar aus diesem Grund gegründet.

Viele Unternehmerinnen sind überzeugt, dass sich Karriere und Familie vereinbaren lässt. Imago

Kinder und Beruf

Viele Unternehmerinnen sind überzeugt, dass sich Karriere und Familie vereinbaren lässt.

DüsseldorfDie Gründerin des Mütterportals Netmoms, Tanja zu Waldeck, war gerade schwanger, als sie 2007 die Idee für das eigene Unternehmen hatte. Verena Pausder gründete ihr drittes Unternehmen, Fox & Sheep, das Spiele-Apps für kleine Kinder anbietet, als sie gerade alleinerziehend mit zwei Kindern war. Beide arbeiten noch als Geschäftsführerinnen, auch wenn sie ihre Unternehmen inzwischen an die Tomorrow Focus AG und den Spielzeughersteller Haba verkauft haben. Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Knapp 40 Prozent der Arbeitgeberinnen sehen in der Familiengründung kein Handicap, ein Unternehmen zu lenken.

Das ergibt die Unternehmerinnen-Umfrage 2016, eine jährliche Erhebung des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) und der Deutschen Bank. Wie bei zu Waldeck war laut Umfrage für weitere 14 Prozent die Familiengründung sogar der Auslöser für die Selbstständigkeit. Nur elf Prozent der Befragten gaben an, die Selbstständigkeit habe sie von der Familiengründung abgehalten. Statistisch ist es zwar nur schwer zu belegen, aber Nachfolgerinnen, die möglicherweise ein Familienunternehmen übernehmen können, verzichten offenbar eher auf Kinder. So wie Maria Kurz* (Namen geändert). Sie hatte jahrelang gehofft, das elterliche Unternehmen übernehmen zu können, hatte auf Partner und Familie zunächst verzichtet, und dann verkauften die Eltern das Unternehmen.

Die vom VdU und der Deutschen Bank befragten Unternehmerinnen wissen, wovon sie sprechen: Zwei Drittel von ihnen sind Mütter, jede zehnte hat sogar drei oder mehr Kinder. Dabei ist auch in den Familien der Unternehmerinnen die Elternzeit überwiegend eine Angelegenheit der Frauen. 57 Prozent übernehmen die Kinderbetreuung größtenteils selbst, in nur jeder zwanzigsten Familie übernimmt der Partner komplett diese Aufgabe.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Dass Unternehmerinnen auch immer Vorbild sind, wissen sie. Und das kommt auch bei potenziellen Mitarbeitern gut an. So wie bei Laura Anderson. Die Industriedesignerin hat sich bewusst für das mittelständische Pharmaunternehmen Syntrion entschieden, das auch von einer Geschäftsführerin geleitet wird, die selbst Kinder hat. Um auch ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, setzen laut Umfrage knapp 80 Prozent der Unternehmerinnen auf flexible Arbeitszeiten. Im vergangenen Jahr waren es noch knapp über 70 Prozent. Knapp drei Viertel bieten ihren Mitarbeitern Heimarbeit an – rund ein Viertel bietet sie generell an, die restlichen zumindest für bestimmte Mitarbeiter oder besondere Situationen.

Flexibilität ist den Unternehmerinnen wichtig, doch eine generelle Regelarbeitszeit von wöchentlich 32 Stunden hält die große Mehrheit der Befragten allerdings nicht für dringlich. „Unternehmerinnen finden jetzt bereits maßgeschneiderte Lösungen für flexible Arbeitszeiten und Home Office in ihren Betrieben. Eine gesetzlich geregelte Familienarbeitszeit widerspricht dem Gedanken der Flexibilität und wäre eine staatliche Bevormundung“, sagt VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr.

Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn hat ermittelt, dass 2015 insgesamt knapp 29 Prozent der Unternehmen im gewerblichen Bereich von Frauen gegründet wurden – ,it ganz leicht steigender Tendenz. Interessant ist darüber hinaus, dass zwischen 2011 und 2014 die Zahl der weiblichen Gründer im Nebenerwerb um mehr als zehn Prozent gestiegen ist. Das Portal für kreative Ideen und Geschenke, Dawanda, kann diesen Trend nur bestätigen: So sind 80 Prozent der 340.000 Verkäufer auf dem Portal weiblich, die meisten arbeiten von Daheim, heißt es bei Dawanda. Aber es gebe auch professionelle Hersteller und Designer, die sogar Mitarbeiter beschäftigen.

Mit Kindern auf dem Chefposten


Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Unternehmerinnen, deren Verband sich als einziger Unternehmerverband für die Frauenquote ausgesprochen hat, reihen sich bei der Frage nach dem Entgeltgleichheitsgesetz aber wieder ins Lager der anderen Unternehmerverbände ein. Auch wenn 80 Prozent von ihnen Handlungsbedarf bei dem Thema sehen, lehnen sie das Gesetz mehrheitlich ab.

Sie fürchten bei einer vollkommenen Offenlegung der Gehaltsstrukturen um den Betriebsfrieden und sehen sich in ihrer unternehmerischen Freiheit beeinträchtigt. Fast ebenso viele schreckt der bürokratische Aufwand. An der Umfrage nahmen knapp 300 Unternehmerinnen teil. Die Mitglieder des Verbands erwirtschaften einen Jahresumsatz von 85 Milliarden Euro und beschäftigen rund 500.000 Mitarbeiter.

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