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03.10.2015

12:22 Uhr

VEB Robotron

Vom Kombinat zum Familienunternehmen

VonAnja Müller

Vor 25 Jahren gründeten zehn Physiker und Ingenieure aus einem Teil des VEB Robotron in Dresden ihr eigene Firma. Heute ist SMT & Hybrid ein erfolgreiches Familienunternehmen. Eine deutsch-deutsche Geschichte.

Das Dresdner Unternehmen ist aus dem früheren VEB Robotron hervorgegangen. Smt & Hybrid

Produktion bei SMT & Hybrid

Das Dresdner Unternehmen ist aus dem früheren VEB Robotron hervorgegangen.

DresdenWenn Unternehmen geboren werden, ist es immer etwas holprig. Anfangs fehlen oft Geldgeber, Vertrauen und gute Mitarbeiter. Doch Günter Pasold und seine neun Mitstreiter hatten all das. Was sie nicht hatten war eine wirkliche Alternative, erzählt Pasold heute. Zuvor waren alle zehn Firmengründer Mitarbeiter des Zentrums für Wissenschaft und Technik beim VEB Kombinat Robotron in Dresden. Der Name ist Legende und setzt sich aus dem Worten Roboter und Elektronik zusammen. Das 1969 gegründete Kombinat war beim Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik der DDR angesiedelt. Es entwickelte und produzierte vor allem Datenverarbeitungsanlagen, Personal Computer, Prozessrechner und Software.

1989 beschäftigte das VEB Kombinat 68.000 Mitarbeiter in 21 Betrieben und setzte 12,8 Milliarden Ostmark um. Es war technisch auf der Höhe der Zeit und lieferte auch Bauteile für Drucker und die Computerlegende Commodore nach Westdeutschland und in die USA.

Dann kam die Wende, auch für das Kombinat. Am 1. Juli 1990 wurde es aufgelöst und die bestehenden Betriebe in Kapitalgesellschaften umgewandelt. Der Eigentümer war zunächst die Treuhandanstalt. Einige Betriebe wurden allerdings auch ausgegründet. Pasold und seine Kollegen opferten all ihr Erspartes – insgesamt 86.000 DM – und gründeten in einem Management-Buy-Out die SMT & Hybrid GmbH. Das Geschäftsfeld: Die Bestückung von Leiterplatten für Sensortechnik, Entwicklung elektronischer Baugruppen und Technologietransfer. Einfach gesagt: Wenn man zum Beispiel ein Radio auseinanderschraubt, dann sieht man diese grünen Platten mit den Lötstellen und verschiedenen Bauteilen darauf. Solche Platten baut das Unternehmen.

Mit einem Mal waren die Zehn Unternehmer. Doch um überhaupt an Kredite zu gelangen brauchten sie noch einen weiteren Gesellschafter. Die Treuhand-Nachfolgegesellschaft von Robotron stieg mit 80 Prozent ein und bürgte für Kredite von der Raiffeisenbank. „Doch wir waren keine Tochter von Robotron“, betont Pasold.

Kaum zwei Jahre später stellte die Bank fest, dass beim Bürgschaftsvertrag Nachbesserungen fällig waren, doch das war nicht möglich. Der Grund: Auch der Bürge selbst wurde gerade liquidiert. Und dann, erzählt Pasold: „Hatte die Bank vorsorglich unseren ganzen Kredit gestrichen.“ Er sagt das ruhig, doch es war eine bedrohliche Zeit für die Neu-Unternehmer.

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Es begab sich aber zu dieser Zeit, dass Beraterfirmen Investoren für Ostfirmen vermittelten. Pasold und Kollegen schalteten eine Art „Heiratsanzeige“ in einer Zeitschrift, deren Namen Pasold nicht mehr weiß. Tatsächlich meldeten sich zehn Interessenten. Einer davon war Lothar Potz, der damals in der Geschäftsführung des Leiterplatten-Herstellers Rothkegel arbeitete.

Gemeinsam mit dem Firmeninhaber und einem Steuerberater kauften die Investoren die 80 Prozent von Robotron, und zwar nicht für die obligatorische eine Mark, wie es der heutige Chef und Sohn von Poetz senior, Christian Poetz, gerne betont. Für wie viel, will er aber nicht verraten. Doch es gab noch mehr Auflagen für die neuen Miteigentümer: Keine Mitarbeiter entlassen und Millionen investieren. Eine Investition mit Risiko war es in jedem Fall.

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