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23.07.2012

12:53 Uhr

Veltins

„Patriarchen sterben aus“

VonAnja Müller, Christoph Kapalschinski

Michael Huber vertritt bei Veltins die Interessen der Eigentümer. Im Handelsblatt-Interview spricht er über Bierpreise, Managertests und Morddrohungen.

Michael Huber ist auch Finanzvorstand bei Veltins. Frank Beer für Handelsblatt

Michael Huber ist auch Finanzvorstand bei Veltins.

Handelsblatt: Herr Huber, Sie sind Generalbevollmächtigter von zwei Familienunternehmen im Sauerland: Veltins und Trilux. Wie wird man das?

Huber: Bei Veltins war ich zunächst Aufsichtsrat, das war vor 17 Jahren, da hatte ich noch mein eigenes Unternehmen, die Spedition Interspe. Mich reizte seinerzeit, mich mit einer Marke zu beschäftigen, weil Brauereien wie Veltins als Logistiker ja meine Kunden waren. Dann kam die erste Aufsichtsratssitzung. Ich als Zahlenfreak stellte nur eine Frage: Was kostet eine Flasche Bier?

Und was kostet eine Flasche Bier?

Das sage ich Ihnen nicht. Aber es hat zwei Jahre gedauert bis ich eine Antwort hatte. Weil die Geschäftsführung damals diese Frage aber nicht beantworten konnte, war rasch zu erkennen, dass man damals an eine dauerhaft heile Welt der Brauer glaubte. Brauereien hatten früher im Vergleich zur Dienstleistungsbranche sehr auskömmliche Renditen. Nach der zweiten Aufsichtsratssitzung habe ich dann gesagt: Die verstehen mich hier alle gar nicht. Wenn wir etwas ändern wollen, muss das vielleicht ein anderer machen.

Ging es Veltins denn damals schon schlecht?

Nein, soweit war es sicher noch nicht. Es war aber zu erkennen, dass es in der Brauindustrie bald schwieriger werden könnte. Ich habe damals nicht verstanden, wie man das Geld so einsetzen konnte. In der Branche war es gängige Praxis, sich im Markt Sympathien und Absätze zu kaufen. Ich kam hingegen aus einer Welt, in der es um Pfennigbeträge ging. Wenn sie einmal fast einen Laden an die Wand gefahren haben, dann achten sie auf jedes kleine Detail. Obwohl ich anfangs eigentlich nicht mehr wollte, hat mich Frau Veltins dann gefragt, ob ich das Unternehmen in ihrem Namen führen will. Wenn ich die Zeit aufbringen würde – zwei Tage die Woche.

 

Und das nur, weil Sie gefragt haben, was eine Flasche Bier kostet?

Ich wollte ja nur helfen und bemerkte, dass es anfangs nicht ging. Als Aufsichtsrat können sie zwar anmahnen, aber nicht handeln. Es sei denn, Sie tauschen das ganze Team aus.

 

Und dann wurden Sie vom normalen Aufsichtsrat zum Generalbevollmächtigten?

Ja, das war die Voraussetzung.

 

Was macht eigentlich ein Generalbevollmächtigter?

Ich vertrete den Unternehmer, die Inhaber. Dabei werden operativ deren Rechte vollumfänglich wahrgenommen als wäre ich ein aktiver Inhaber. Die rechtliche Funktion nach außen wird jeweils durch Geschäftsführer wahrgenommen. Der Generalbevollmächtigte fällt alle Grundsatzentscheidungen, führt das Unternehmen durch einen leitenden Kreis von Leuten, deren disziplinarischer Vorgesetzter er ist. Der Generalbevollmächtigte hat bei allen Entscheidungen das Vermögen des Eigentümers zu mehren und zu wahren.

Und dann haben Sie bei Veltins aufgeräumt?

Naja. Die ersten Monate bei Veltins waren für mich persönlich unangenehmer als erwartet, ich habe die ein oder andere unverhohlene Drohung bekommen.

 

Weil sie denen Dienstwagen weggenommen haben?

Nicht nur, sondern wegen des grundsätzlichen Prozesses der Veränderung. Sie nehmen Menschen Rechte weg, an die alle gewöhnt waren. Ich habe gefragt: Könnt ihr mir mal sagen, warum ihr alle große BMW fahrt?

 

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