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03.01.2007

15:22 Uhr

Verhandlungspraxis Niederlande

Prahlende Deutsche kommen schlecht an

Im Fußball sind die Beziehungen schwierig, in der Wirtschaft funktionieren sie dafür umso besser. Der Handel zwischen den Niederlanden und Deutschland floriert. Auch die Dienstleistungsbereiche sind stark aufeinander ausgerichtet. Doch wer mit unseren Nachbarn dauerhaft ins Geschäft kommen will, sollte einige typische deutsche Fehler vermeiden.

Niederländische Fußballfans: Viele teilen das Klischee vom arroganten und humorlosen Deutschen. Foto: dpa dpa

Niederländische Fußballfans: Viele teilen das Klischee vom arroganten und humorlosen Deutschen. Foto: dpa

bfai AMSTERDAM. Die staatlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden sind freundschaftlich und eng. Die Vergangenheit ist zwar nicht vergessen, wurde jedoch durch die enge Zusammenarbeit im Grenzgebiet wesentlich abgebaut. Zudem bemühen sich beide Länder um gegenseitiges Verständnis. Deutschland ist für die Niederlande politisch wie wirtschaftlich einer der wichtigsten Partner.

In den fünf so genannten Euregios wird seit vielen Jahren erfolgreich grenzüberschreitend zusammengearbeitet. In den Kooperationen schließen sich öffentlich-rechtliche Organe der deutsch-niederländischen Grenzregion freiwillig zusammen. Folgende Euregios bestehen:

  • Maas-Rhein mit Sitz in Maastricht;
  • Rhein-Maas-Nord mit Sitz in Mönchengladbach;
  • Rhein-Waal mit Sitz in Kleve;
  • Euregio mit Sitz in Gronau;
  • Ems-Dollart-Region mit Sitz in Nieuweschans sowie den
  • Kooperationsverbund Neue Hanse Interregio mit Sitz in Oldenburg.

Deutschland gehört zu den so genannten "Prioritätsländern" innerhalb der niederländischen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Schwerpunktländer sind dabei Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Zudem bestehen Verbindungen nach Bremen. Auch zu Brandenburg gibt es aus historischen Gründen (Verflechtungen mit dem Hause Oranien-Nassau) gute Kontakte. Obwohl Nachbarländer gibt es doch wichtige Unterschiede zwischen den Menschen beider Staaten. Werden diese respektiert, können sich daraus erfolgversprechende Geschäftsbeziehungen ergeben.

Niederländer haben das Vorurteil, dass Deutsche stets erwarten, dass Deutsch gesprochen wird. Um diesem entgegenzutreten, sollten Gespräche gleich auf Englisch begonnen werden. Nicht alle jüngeren Niederländer sprechen noch Deutsch. Sympathien bringt es, wie in jedem anderen Land auch, mit einigen Worten der Landessprache zu beginnen.

Das Klischee vom "normalen Deutschen" ist, dass dieser arrogant, unfreundlich und humorlos ist. Dies und ein starker Konsum von Bier und Bratwurst erscheint augenzwinkernd in Karikaturen und Witzen, führt aber seltenst zu antideutschen Tendenzen. Niederländer beobachten die soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklung ihres großen Nachbarn sehr genau. Kritikfreudig, wie sie sind, kommentieren sie diese auch.

Allerdings schätzen unsere Nachbarn uns auch als pragmatisch ein und finden die Zusammenarbeit generell problemlos. Sie halten uns für förmlicher, weniger flexibel und hierarchischer als sich selbst. Des Weiteren billigen sie uns Vertrauenswürdigkeit, Effizienz und Einsatz in Forschung und Entwicklung zu. Auf der Strecke bleiben allerdings Charme und Kreativität.

Die niederländische Gesellschaft ist egalitär und modern. Die Menschen sind tolerant, unabhängig und haben Unternehmergeist. Sie schätzen Understatement, eine gute Ausbildung, harte Arbeit, Ehrgeiz und Können. Es gefällt ihnen, Geld zu verdienen, jedoch das Ausgeben hat den Ruch des Lasters. Das Volk ist sehr stolz auf sein kulturelles Erbe, die reiche Geschichte in Kunst und Musik und auf seine Beteiligung in internationalen Angelegenheiten.

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