Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.07.2016

13:00 Uhr

Verkauf an Midea

Friedhelm Loh trennt sich von Kuka-Paket

VonAnja Müller

Nach dem Voith-Konzern hat nun auch der Unternehmer Friedhelm Loh seine Anteile am Roboterhersteller Kuka verkauft. Dem chinesischen Käufer fehlen nun nur noch wenige Aktien zur Mehrheit.

Der Unternehmer hat seine Kuka-Anteile verkauft. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Friedhelm Loh

Der Unternehmer hat seine Kuka-Anteile verkauft.

Gleichzeitig mit Voith hat auch der Unternehmer Friedhelm Loh sein Aktienpaket von zehn Prozent am Roboterhersteller Kuka am vergangenen Wochenende an den chinesischen Midea-Konzern verkauft. „Ich habe am Donnerstag die Entscheidung zum Verkauf des Aktienpakets gefällt und am Freitag umgesetzt“, sagte Loh dem Handelsblatt. Als Gründe für die schnelle Andienung nannte Loh auch das Inkrafttreten der europäischen Marktmissbrauchsverordnung zu Monatsbeginn. Diese sieht unter anderem eine Verschärfung der Insiderregeln für Organmitglieder vor. Loh sitzt im Aufsichtsrat von Kuka.

Loh versicherte, er habe sich mit Voith nicht abgestimmt. „Absprachen machen keinen Sinn, denn letztlich muss jeder Aktionär für sich selbst aufgrund der eigenen Interessenlage entscheiden“, sagte Loh. Der Heidenheimer Maschinen- und Anlagenbauer hatte sich ebenfalls am Freitag von seinen Kuka-Anteilen (25,1 Prozent) getrennt.

Voith-Chef Hubert Lienhard: „Wir sehen uns als Gewinner“

Voith-Chef Hubert Lienhard

Premium „Wir sehen uns als Gewinner“

Der Maschinenbauer Voith verkauft seine Anteile an der Roboterfirma Kuka nach China. Im Interview erklärt Unternehmenschef Hubert Lienhard, warum der Verkauf nötig war und was das Unternehmen mit dem Geld vorhat.

Loh hatte die Trennung von den Anteilen bereits in einem Handelsblatt-Interview vor zwei Wochen angedeutet. „Wenn im Aufsichtsrat und im Strategieausschuss die Vertreter eines anderen Aktionärs die Mehrheit stellen, dann können Sie zwar mitreden, aber wenig bewegen“, sagte Loh damals.

Die Auseinandersetzung um den Roboterhersteller Kuka hatte in den vergangenen Wochen auch politisch für Unruhe gesorgt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) befürchtet ein Abwandern zukunftsträchtiger Industrie nach Asien. Das geschieht jetzt, nachdem Voith und Loh bei Kuka Kasse gemacht haben. Loh fließt fast eine halbe Milliarde Euro zu, Voith kassiert 1,2 Milliarden Euro.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Midea hält jetzt bereits 48,5 Prozent, damit fehlen den Chinesen nur noch 1,5 Prozent bis zur Mehrheit. Auch Kuka-Chef Till Reuter hatte einen Teil seiner Aktien bereits angedient und dafür gut eine Millionen Euro erlöst. Die Übernahmeofferte der Chinesen über 115 Euro je Aktie läuft noch bis zum 15. Juli. Sie war an die Bedingung geknüpft, dass die Chinesen auf mindestens 30 Prozent kommen.

Ursprünglich hatte auch Voith Interesse an einer Kuka-Übernahme. Diese Pläne wurden aber durch die Chinesen durchkreuzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×