Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2007

15:22 Uhr

Vertrauen in Markennamen

Wildwest aus Künzelsau, Pariser Chic aus Schwarzach

VonMarkus Scheele

Immer mehr deutsche Textilhersteller geben sich französische oder italienische Namen und gestalten ihre Markenauftritte entsprechend um – schließlich bürgt der gute Ruf eines Landes für Qualität.

KÖLN. „Klein Italien“ nennen die Mitarbeiter liebevoll ihre Zentrale. An den Wänden hängen Bilder von Botticelli, Sandsteinarkaden schwingen sich durch einen Rosengarten. Der Firmensitz des Modehauses Carlo Colucci erinnert an die Toskana. Tatsächlich ist das Unternehmen ein urdeutsches und liegt im fränkischen Herrieden.

Der deutsche Textilhersteller ist nicht die einzige Firma mit fremdem Namen und entsprechendem Markenauftritt. Mittlerweile gibt es so viele, dass sogar ein etablierter Begriff dafür entstanden ist: die Kuckucksmarke. Wie der Vogel setzen sich die Unternehmen in ein gemachtes Nest. Und profitieren von dem Image des anderen Landes.

Die Filialen von Carlo Colucci sind deshalb in warmen Farben gestrichen, die Pullover liegen in Holzregalen, und im Hintergrund läuft leise italienische Musik. Der Aufenthalt wird stilecht mit einer Tasse Cappuccino versüßt. „Hochwertige und teure Ware ist mit einem italienischen Design besser zu vermitteln“, sagt Robert Heinz, Verkaufschef von Carlo Colucci. Mode ist eben Mailand: Armani, Prada und Versace stehen für teure und begehrenswerte Marken.

Mit dem früheren Namen Nägelein Strickmoden sah der Sohn des Firmengründers wenig Chancen auf dem Textilmarkt. Also schlug er ein italienisches Telefonbuch auf und fand dort den Namen Colucci.

Aber auch französische Titel funktionieren, wie René Lezard beweist. Nicht etwa die Champs-Élysées in Paris sind die Heimat dieses Labels. Die Anschrift klingt weit weniger nach Haute Couture: Industriestraße 2 im unterfränkischen Schwarzach.

„Nicht die wirkliche Herkunft ist entscheidend für den Kauf eines Produktes. Wichtig ist nur, woher es nach dem Glauben des Kunden stammt“, sagt Carsten Mohr, Berater bei der Kölner Markenagentur Endmark. In seiner Diplomarbeit hat er die Wirkung von Kuckucksmarken untersucht: Die Herkunft einer Marke kann über den Kauf eines Produktes entscheiden. „Das Image ist ein wichtiger Aspekt bei austauschbaren Gütern“, sagt Mohr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×