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21.05.2015

15:15 Uhr

Vorwerk freut sich

Thermomix überholt den Kobold

VonKatrin Terpitz

Vorwerk boomt. Für den Thermomix gibt es Wartezeiten von drei Monaten. Die digitale Küchenmaschine löst nun sogar den Staubsauger Kobold als wichtigste Erlösquelle ab. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

In der Versuchsküche von Vorwerk in Wuppertal werden Rezepte für den Thermomix kreiert. Die Nachfrage nach der digitalen Küchenmaschine boomt. dpa

Der digitale Thermomix

In der Versuchsküche von Vorwerk in Wuppertal werden Rezepte für den Thermomix kreiert. Die Nachfrage nach der digitalen Küchenmaschine boomt.

DüsseldorfClaudia Schneider* hat einen stressigen Job und wenig Zeit zu kochen. Tiefkühlpizza und Fertiggerichte aber kann sie nicht mehr sehen. Eine Freundin erzählte ihr von der Küchenmaschine Thermomix von Vorwerk: ein Topf, ein Messer und zwölf Funktionen vom Schneiden, Wiegen, Mixen bis zum Dampfgaren – digital gesteuert per Rezeptchip. Doch im Düsseldorfer Vorwerk-Laden fand Schneider nur Staubsauger. Sie musste eine der weltweit 34.500 „Thermomix-Feen“ zu sich nach Hause bestellen.

Die Beraterin veranstaltete für die Angestellte und drei Freundinnen ein „Erlebniskochen“. „Ratzfatz hat sie ein Vier-Gänge-Menü zubereitet: Hefezopfteig, Tomatensuppe, Brokkolisalat und Eis – alles aus einer Maschine“, war Schneider beeindruckt. Der Wermutstropfen: Mehr als drei Monate dauert es, bis ihr Thermomix geliefert wird. Das ärgert die Kundin gewaltig: „Aber bis dahin habe ich vielleicht den stolzen Preis von 1109 Euro zusammengespart.“

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„Mit dem neuen digitalen Thermomix trifft Vorwerk den Zeitgeist“, ist Jörg Funder, Professor für Handels- und Distributionsmanagement in Worms, überzeugt. „Convenience wird immer wichtiger. Kochen muss heute gesund, lecker und vor allem easy sein.“ Das „iPhone unter den Küchenmaschinen“ ist zum Statussymbol in der Küche avanciert. Kenner fachsimpeln über den Motor mit 10.700 Umdrehungen pro Minute. Dass die Maschine einen Höllenlärm macht, scheint die wenigsten zu stören. Alle 30 Sekunden wird auf der Welt ein Thermomix verkauft, einzig per Direktvertrieb über Kochpartys. „Die Neukundenquote beim Thermomix ist extrem hoch“, freut sich Reiner Strecker, persönlich haftender Gesellschafter von Vorwerk. In Portugal haben sogar schon 40 Prozent aller Haushalte einen „Bimby“, wie er dort heißt.

Die sechs Sparten von Vorwerk

Thermomix

Die kultige Küchenmaschine ist seit 2014 der Hauptumsatzbringer von Vorwerk. Mit einem Wachstum von 49,4 Prozent erreichte der Thermomix 2015 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Das Gerät ist damit der Hauptumsatzbringer von Vorwerk. Die Gruppe machte einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro, ein Plus von 24 Prozent. Der Thermomix wird seit 1961 produziert. Das neue digitale Modell TM5, das im September 2014 überraschend auf den Markt kam, hat eine unerwartet hohe Nachfrage. Die Wartezeit in Deutschland betrug anfangs 13 Wochen. Der Thermomix wird nur über Beraterinnen auf Partys vertrieben.

Kobold

Der Kult-Staubsauger wurde 2014 erstmals vom Thermomix überholt, obwohl auch der Umsatz des Kobold kräftig wächst. 2015 kletterte er um 16 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Seit 2011 wird der Kobold in Deutschland nicht mehr nur über Vertreter, sondern auch über die mehr als 30 Läden und einen Online-Shop vertrieben.

Jafra Kosmetik

Seit 2004 gehört Jafra zur Vorwerk Gruppe. Der Stammsitz ist in Kalifornien. Die Kosmetika werden hauptsächlich in Mexiko, den USA und Brasilien vertrieben. Der Umsatz, der 2014 um sieben Prozent gesunken war, erholte sich 2015 wieder um 6,9 Prozent. Die Kosmetiksparte erzielte 2015 einen Umsatz von 457 Millionen Euro.

Akf-Gruppe

Der Finanzierer für den Mittelstand bietet Leasing, Kredite und andere Finanzdienstleistungen für diverse Branchen wie Automobil, Yachten und Agrartechnik. Die Grupper erreichte im Neugeschäft einen neuen Höchstwert von 1,1 Milliarden Euro (plus 16 Prozent). Der Umsatz ist um 9,6 Prozent auf 443 Millionen Euro gestiegen.

Vorwerk Teppiche

Bodenbeläge sind die Keimzelle des Traditionsunternehmen, das 1883 unter dem Namen Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co in Wuppertal gegründet wurde. 2014 hatte Vorwerk die Werke der insolventen Marke „Nordpfeil“ übernommen. Der Umsatz blieb 2015 mit 88 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

 

Lux Asia Pacific

In Südostasien vertreibt Vorwerk Wasserfilter, Luftreiniger und Staubsauger. Der Umsatz stagnierte 2015 bei 28 Millionen Euro. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf Filter- und Reinigungstechnik fokussieren.

Im September hatte Vorwerk völlig überraschend nach zehn Jahren den runderneuerten digitalen Thermomix TM5 auf den Markt gebracht – ganz ohne Vorankündigung. In der Fangemeinde brach ein Shitstorm los. Viele, die gerade ein Gerät gekauft hatten, fühlten sich hinters Licht geführt, zumal Vorwerk selbst das Modell als „Revolution in der Küche“ anpreist. Die Vorwerk-Versuchsküche erfindet Rezepte, die sich im Gerät speichern lassen. Beim „Guided Cooking“ sind Zeit und Temperatur für jeden Arbeitsschritt automatisch eingestellt. Per App kommt bereits eine Einkaufsliste aufs Handy. Und irgendwann soll sich der Thermomix mit dem Kühlschrank und anderen Haushaltsgeräten vernetzen und fernsteuern lassen.

Die langen Wartezeiten auf das Kultobjekt resultieren nicht etwa aus künstlicher Verknappung. Trotz 24-Stunden-Schichten kommt Vorwerk mit der Produktion einfach nicht hinterher. „Die Nachfrage ist riesig und hat uns ziemlich überrascht“, räumt Vorwerk ein. Dabei hat das Familienunternehmen, 1883 als Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co. gegründet, erst kürzlich die Kapazitäten am Stammsitz Wuppertal und in Frankreich erweitert. Dort wird weiter ausgebaut. In einem halben Jahr, so verspricht Strecker, soll es hierzulande kaum noch Wartezeiten geben. In zwei Jahren soll die Produktion gar auf zwei Millionen Thermomix im Jahr verdoppelt werden.

Die Küchenmaschine ist mittlerweile das wichtigste Produkt von Vorwerk. dpa

Thermomix-Produktion in Wuppertal

Die Küchenmaschine ist mittlerweile das wichtigste Produkt von Vorwerk.

Dank des Thermomix-Booms hat Vorwerk seine Umsatzkrise endgültig überwunden. 2014 wurden weltweit so viele Thermomixe verkauft wie nie zuvor, ein Plus von 15 Prozent auf 920 Millionen Euro. Das gab Vorwerk am Donnerstag bekannt. Damit überholte die Küchenmaschine erstmals den Staubsauger Kobold als Haupterlösquelle von Vorwerk. Der Umsatz mit dem Kobold wuchs ebenfalls, aber „nur“ um knapp fünf Prozent auf 898 Millionen Euro. Beide Kultprodukte erwirtschaften rund ein Drittel des Umsatzes. Vorwerk fuhr 2014 einen Rekordumsatz von 2,8 Milliarden Euro ein, ein Plus von 5,8 Prozent zum Vorjahr. 2015 hat noch besser begonnen.

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