Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2016

19:44 Uhr

Vorwerk in der Kritik

„Thermoburn“ in Australien

VonKatrin Terpitz

In Australien kochen Beschwerden von Thermomix-Kunden hoch. Sie hätten sich mit der Küchenmaschine verbrüht. Die Frage ist, ob es an Bedienfehlern oder am Gerät lag. Vorwerk hatte vorsorglich Dichtungsringe ausgetauscht.

Vorwerk, Hersteller der Kult-Küchenmaschine, steht in Australien in der Kritik. Es geht um das Vorgängermodell TM31.

Produktion des Thermomix

Vorwerk, Hersteller der Kult-Küchenmaschine, steht in Australien in der Kritik. Es geht um das Vorgängermodell TM31.

DüsseldorfDie Australierin Danika Jones hatte im März schockierende Bilder ins Internet gestellt: üble Verbrühungen an Armen und Oberkörper, die sie sich beim Kochen von Pastasauce mit ihrem Thermomix zugezogen hatte. Im Hintergrund zu sehen: ihre mit Tomatenbrei völlig bespritzte Küche. Die Küchenmaschine sei regelrecht „explodiert“, der Deckel weggeflogen, behauptet die Frau aus Perth in mehreren australischen Medien.

Die Frage ist, ob Danika Jones das Gerät falsch bedient hat oder ein Fehler an der Maschine vorlag. Bislang konnte Vorwerk dieses Thermomix-Gerät nicht untersuchen. „Die Kundin hat uns das Gerät trotz Aufforderung weiterhin nicht zur Verfügung gestellt“, sagte Vorwerk-Sprecher Michael Weber gegenüber dem Handelsblatt. „Der Thermomix ist ein sicheres Produkt, solange die Sicherheitshinweise in der Bedienungsanleitung beachtet werden.“

In Australien kocht der Fall derzeit hoch. Denn inzwischen hat die dortige Verbraucherschutzorganisation Choice weitere Fälle gesammelt und unter dem Stichwort „Thermoburn“ gegen den Thermomix-Hersteller Vorwerk aus Deutschland mobil gemacht. Choice hat auch Beschwerde bei der australischen Kommission für Wettbewerb und Verbraucher (ACCC) eingereicht.

Das sind ungewohnte Töne für die Wuppertaler, die vom Hype um ihre Luxus-Küchenmaschine verwöhnt sind. Der Thermomix mit dem stolzen Preis von 1199 Euro genießt bei seiner Fangemeinde ansonsten Kultstatus.

Nach einer Kunden-Umfrage von Choice berichteten 83 australische Thermomix-Besitzer von Problemen mit dem TM31 und vier mit dem aktuellen Modell TM5. 45 Nutzer gaben an, sich verletzt zu haben, 18 mussten nach eigenen Angaben medizinisch behandelt werden. Die Betroffenen kritisieren vor allem, dass der Kundenservice von Vorwerk Beschwerden verschleppt und abgeblockt habe. Vorwerk hat in Australien keine eigene Landesgesellschaft, sondern arbeitet mit einem sogenannten Distributor.

Das Wuppertaler Familienunternehmen verteidigt sich gegen diese Vorwürfe: „Vorwerk hat im Jahr 2015 einen vorsorglichen Warnhinweis veröffentlicht, alle Kunden einer bestimmten Produktionscharge angeschrieben und den Dichtring der Geräte kostenlos ausgetauscht. Dies sei zu jeder Zeit in Abstimmung mit den zuständigen Produktsicherheitsbehörden geschehen“, so der Vorwerk-Sprecher.

Vorwerk stellte damals folgende Mitteilung auf seine Homepage: „Bei unseren intensiven regelmäßigen Sicherheitstests hat sich gezeigt, dass bei einigen wenigen Thermomix TM31 der Dichtungsring im Deckel nicht einwandfrei funktioniert. Wenn Sie einen solchen TM31 mit hoher Drehzahl betreiben, zum Beispiel beim Pürieren, und den Deckel anschließend direkt und/oder schnell öffnen, kann unter Umständen heißes Mixgut aus dem Topf herausspritzen. Das könnte zu Verbrühungen und/oder Verbrennungen führen.“

Die sechs Sparten von Vorwerk

Thermomix

Die kultige Küchenmaschine ist seit 2014 der Hauptumsatzbringer von Vorwerk. Mit einem Wachstum von 49,4 Prozent erreichte der Thermomix 2015 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Das Gerät ist damit der Hauptumsatzbringer von Vorwerk. Die Gruppe machte einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro, ein Plus von 24 Prozent. Der Thermomix wird seit 1961 produziert. Das neue digitale Modell TM5, das im September 2014 überraschend auf den Markt kam, hat eine unerwartet hohe Nachfrage. Die Wartezeit in Deutschland betrug anfangs 13 Wochen. Der Thermomix wird nur über Beraterinnen auf Partys vertrieben.

Kobold

Der Kult-Staubsauger wurde 2014 erstmals vom Thermomix überholt, obwohl auch der Umsatz des Kobold kräftig wächst. 2015 kletterte er um 16 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Seit 2011 wird der Kobold in Deutschland nicht mehr nur über Vertreter, sondern auch über die mehr als 30 Läden und einen Online-Shop vertrieben.

Jafra Kosmetik

Seit 2004 gehört Jafra zur Vorwerk Gruppe. Der Stammsitz ist in Kalifornien. Die Kosmetika werden hauptsächlich in Mexiko, den USA und Brasilien vertrieben. Der Umsatz, der 2014 um sieben Prozent gesunken war, erholte sich 2015 wieder um 6,9 Prozent. Die Kosmetiksparte erzielte 2015 einen Umsatz von 457 Millionen Euro.

Akf-Gruppe

Der Finanzierer für den Mittelstand bietet Leasing, Kredite und andere Finanzdienstleistungen für diverse Branchen wie Automobil, Yachten und Agrartechnik. Die Grupper erreichte im Neugeschäft einen neuen Höchstwert von 1,1 Milliarden Euro (plus 16 Prozent). Der Umsatz ist um 9,6 Prozent auf 443 Millionen Euro gestiegen.

Vorwerk Teppiche

Bodenbeläge sind die Keimzelle des Traditionsunternehmen, das 1883 unter dem Namen Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co in Wuppertal gegründet wurde. 2014 hatte Vorwerk die Werke der insolventen Marke „Nordpfeil“ übernommen. Der Umsatz blieb 2015 mit 88 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

 

Lux Asia Pacific

In Südostasien vertreibt Vorwerk Wasserfilter, Luftreiniger und Staubsauger. Der Umsatz stagnierte 2015 bei 28 Millionen Euro. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf Filter- und Reinigungstechnik fokussieren.

Sofort als das Problem erkannt wurde, habe man den relevanten Produktionszeitraum bestimmt (Oktober 2012 bis Mai 2014) und anschließend alle potenziell betroffenen Kunden mit einem neuen grünen Dichtungsring ausgestattet. „Wir haben sie gebeten, diesen gegen den grauen Dichtungsring vorsorglich auszutauschen“, so das Unternehmen. Ob Danika Jones einen neuen Dichtungsring benutzte, ist unklar. „Wir kooperieren einschränkungslos und transparent mit allen relevanten Behörden in Australien“, betont Vorwerk.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×