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11.12.2012

17:50 Uhr

Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn

„Da werden zig Millionen verbrannt“

ExklusivDer weltgrößte Tunnelbauer Herrenknecht wirft der Deutschen Bahn vor, teure Verfahren bei Ausschreibungen zu bevorzugen. Das Familienunternehmen sieht sich benachteiligt und will sich das "nicht mehr bieten lassen".

Aufnahme, die während des Baus des Gotthard-Tunnels in der Schweiz entstand. Das Unternehmen Herrenknecht war an der Konstruktion beteiligt. Reuters

Aufnahme, die während des Baus des Gotthard-Tunnels in der Schweiz entstand. Das Unternehmen Herrenknecht war an der Konstruktion beteiligt.

Der weltgrößte Tunnelbauer, das Familienunternehmen Herrenknecht, wirft der Bahn Geldverschwendung bei Ausschreibungen vor. "Das ist schon ziemlich daneben, wie die Tunnelausschreibungen generell und bei Stuttgart 21 im Besonderen laufen. Da werden zig Millionen verbrannt", sagte der Unternehmer Martin Herrenknecht dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Auch bei der neuesten Ausschreibung für die sechs Kilometer langen Tunnel beim Albabstieg sei wieder nur das konventionelle Tunnelbauverfahren vorgesehen, nicht aber der deutlich kostgünstigere durchindustrialisierte Tunnelvortrieb. Herrenknecht bezeichnete diese Ausschreibungsmethoden als "diskriminierend".

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Herrenknecht fühlt sich nicht zum ersten Mal benachteiligt. Mit Gegengutachten musste Herrenknecht bereits bei den Ausschreibungen für den Boßler- und den Fildertunnel im Rahmen des Stuttgart21-Projektes um die Zulassung des von Herrenknecht beherrschten Verfahrens kämpfen. Am Ende gewann das österreichische Bauunternehmen Porr, das Herrenknechts Maschinen verwendet, die Ausschreibung. Die Einsparungen durch sein Verfahren bei den beiden Tunneln bezifferte Herrenknecht mit 80 bis 100 Millionen Euro.

Herrenknecht kündigte an, notfalls juristische Schritte gegen die Bahn einzuleiten, falls seine Technologie weiterhin bei den Tunnelausschreibungen außen vor bleibe. "Dann werde ich klagen. Ich lasse mir das nicht mehr bieten", sagte der Unternehmer.

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Herrenknecht forderte zudem von der Bahn bei Stuttgart 21 ein professionelleres Management für die operativen Aufgaben und die Finanzen. Die Zeit laufe weg, und bei Großprojekten sei Zeit Geld.
So sei die Tunnelbaumaschine für den Fildertunnel vom Flughafen zum Hauptbahnhof fertig, aber bei der Baustelle fehle es "an allen Ecken und Enden". Der Baubeginn im kommenden Sommer sei kaum zu schaffen. "Die Bahn ist immer noch wie eine Behörde", sagte Herrenknecht.

Martin Herrenknecht hat den Weltmarktführer für maschinellen Tunnelbau aufgebaut. Sein größtes Projekt war der längste Tunnel der Welt durch den Gotthard.

Von

mwb

Kommentare (7)

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Sepp

11.12.2012, 20:16 Uhr

Amüsant wie sich nun nach und nach all die großen S21-Fans gegenseitig an die Gurgel gehen.
Ich bin gespannnt wieviele Unternehmer bei S21 noch ihr blaues Wunder erleben werden.
Die Gier nach dem großen Geld macht eben auch blind.

Gast

11.12.2012, 20:26 Uhr

Kann er(Herrenknecht) die Tunnelbohrmaschine nicht in China einsetzen, da darf doch alles gebaut werden da spielen Einwände der Büger doch keine Rolle. Wortlaut Herrenknecht.

RolandAdam

11.12.2012, 20:39 Uhr

was jammert er denn so ? Zu Zeiten der Schlichtung wollte er noch nach China gehen wenn nicht gebaut wird -also wozu klagen --? Oder hat er keinen Reisepass

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