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19.04.2015

16:44 Uhr

Afrika – Das neue Asien?

Lockruf der Moderne

VonWolfgang Drechsler

Ostafrika bereitet sich mit Investitionen in die Infrastruktur auf einen anhaltenden Aufschwung vor. Allen voran haben zuletzt Äthiopien und Ruanda eine Wende zum Besseren eingeleitet.

Äthiopiens Wirtschaftsleistung ist seit der Jahrtausendwende gewachsen. Das Land ist zur fünftgrößten Volkswirtschaft im Afrika südlich der Sahara aufgestiegen.´ obs

Äthiopiens Wirtschaftsleistung ist seit der Jahrtausendwende gewachsen. Das Land ist zur fünftgrößten Volkswirtschaft im Afrika südlich der Sahara aufgestiegen.´

KapstadtHungernde Menschen, ein Völkermord, dem 1994 innerhalb von nur drei Monaten 800.000 Menschen zum Opfer fielen – es sind schreckliche Geschehnisse, die das Bild von Äthiopien und Ruanda vielerorts bis heute prägen. Selbst auf lange Sicht, so schien es damals, würden gerade diese beiden Staaten kaum Chancen auf eine positive ökonomische Entwicklung haben. Von vielen unbemerkt ist jedoch genau das gelungen.

Um rund sieben Prozent pro Jahr ist Äthiopiens Wirtschaftsleistung seit der Jahrtausendwende gewachsen. Das Land ist hinter Nigeria, Südafrika, Angola und Kenia zur fünftgrößten Volkswirtschaft im Afrika südlich der Sahara aufgestiegen. In der Hauptstadt Addis Abeba belegen neue Hotels zwischen Stadtzentrum und Flughafen den Aufschwung. Doch die Infrastruktur stößt an Grenzen: Straßen sind völlig überlastet, eine neue S-Bahn ist erst im Bau – die Arbeiten verstärken das Chaos.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Noch Erstaunlicheres hat sich in Ruanda getan. Mit Wachstumsraten von im Schnitt acht Prozent seit 2005 ist der Zwergstaat im Herzen Afrikas besser vorangekommen als fast alle anderen Länder des Kontinents. Unter der Führung des asketischen Präsidenten Paul Kagame hat sich das Sozialprodukt binnen knapp zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im globalen „Doing Business“-Report der Weltbank wird das Land Jahr für Jahr für seine Fortschritte gelobt und liegt nun auf Rang 46. Schon in fünf Jahren will die ruandische Regierung ihre„Vision 2020“ umgesetzt und den Sprung des Landes vom Agrar- zum High-Tech-Land geschafft haben. Doch der Weg dahin ist weit.

Noch immer bezieht Ruanda über zwei Drittel seiner Einkünfte aus dem Export von Kaffee und Tee. Die Regierung hat erkannt: Ökonomischer Erfolg ist vor allem eine Frage der Infrastruktur. Für mehrere Milliarden Dollar will sie nun ein Schienennetz aus dem Boden stampfen. Äthiopien hat eine ganze Reihe von Projekten in Arbeit: darunter ein elektrifiziertes Eisenbahnnetz sowie Tausende Kilometer neuer Straßen. Herzstück ist ein riesiges Wasserkraftwerk am Blauen Nil mit 6 000 Megawatt Leistung. Ab 2018 soll es entscheidend dazu beitragen, den einstigen Agrarstaat in die Moderne zu führen.

Ein wohlhabendes Land ist Äthiopien trotz einzelner Entwicklungsoasen aber längst nicht. In Addis Abeba finden sich auch in der boomenden City noch zahllose Wellblechhütten. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von jährlich 1.300 Dollar rangiert Äthiopien weiter unter den zehn ärmsten Ländern der Welt. Drei Viertel der fast 90 Millionen Einwohner müssen von weniger als zwei Dollar am Tag leben.

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