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26.03.2016

13:33 Uhr

Anlagen in Schwellenländern

Eine Wette auf Pekings Masterplan

VonGian Hessami

Viele Anleger kehren Schwellenländern den Rücken, denn trotz des im Vergleich zu den Industrieländern dynamischen Wachstums bergen sie gewisse Risiken. Dabei bieten Investments in China oder Indien noch immer Chancen.

Das Riesenreich befindet sich im Wandel. dpa

Nationaler Volkskongress in China

Das Riesenreich befindet sich im Wandel.

Vor zehn Jahren waren sie bei den Anlegern heiß begehrt: die Schwellenländer. Auf dem Weg vom Entwicklungs- zum Industriestaat erzielen sie hohe Wachstumsraten. Eine hohe Arbeitsproduktivität, ein niedriges Lohnniveau, schneller Ausbau der Infrastruktur und ein stark steigender Konsum zeichnen sie aus.

Die Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon, „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts“)

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen – und profitieren von – Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung – in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management. Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: „Um die Chancen zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen.“

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität – keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: „Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen.“

Investmenthäuser verschafften vor allem den BRIC-Ländern große Bekanntheit. Der Begriff steht für Brasilien, Russland, Indien und China. Experten sprachen ihren Aktienmärkten großes Potenzial zu. Die Erwartungen wurden zunächst erfüllt. So marschierte der S&P BRIC 40, der die 40 führenden börsennotierten Unternehmen der vier Länder umfasst, von 2005 bis 2007 sowie 2009 schnurstracks nach oben.

Doch die Euphorie ist verpufft. Der BRIC-Index hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Die Erkenntnis: Die globale Krise macht auch vor den Schwellenländern nicht halt. Investoren verabschiedeten sich in großem Stil aus den Emerging Markets. Nach Angaben von JP Morgan zogen Anleger 2015 allein aus Aktienfonds mit Schwerpunkt Schwellenländer rund 68 Milliarden Euro ab.

Die Wachstumsdynamik hat an Schwung verloren. Brasilien und Russland sind sogar in die Rezession gerutscht- nicht zuletzt wegen des Preisverfalls auf den Ölmärkten. Dennoch betrachten nicht wenige Experten das Ausmaß der Kurstalfahrt als ungerechtfertigt und überzogen. Sie sehen Chancen für risikobereite Anleger.

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