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01.06.2016

09:37 Uhr

Anlegen in Schwellenländern

„Die Stimmung kann nur besser werden“

VonAnke Rezmer

Zu Jahresbeginn gab es ein Massaker an den Schwellenländer-Märkten. Fondsmanager Wolfgang Fickus erklärt, womit Anleger jetzt rechnen sollten – und was es mit Schnaps aus der Champagne Chinas auf sich hat.

Chinesische Unternehmer nutzen ihr Handy in einer Einkaufsstraße in Qingdao City, im Osten des Landes. dpa

Chinesen gehen mit Handy online

Chinesische Unternehmer nutzen ihr Handy in einer Einkaufsstraße in Qingdao City, im Osten des Landes.

FrankfurtDer Rheinländer kommt kurz aus seiner Wahlheimat Paris in Frankfurt vorbei und spricht über verkannte Aktien aus Schwellenländern. Der 49jährige Kölner und Mitglied des Investmentkomitees beim französischen Fondshaus Comgest ist ein typischer Antizykliker: Wenn kaum jemand Emerging Markets mag, findet er besonders viele spannende Werte. In diesen Zeiten, in denen Investoren über Verlustrisiken aus diversen Richtungen und Quellen wähnen und deshalb besonders vorsichtig gegenüber als riskant geltenden Schwellenländertiteln sind, fühlt sich Fickus ganz in seinem Element.

Herr Fickus, was reizt Sie an Schwellenländern?
Wir setzen auf den Konsumenten und zielen auf seine Kaufkraft und sein Sparvolumen. Die Bevölkerung wächst stark mit Ausnahme Chinas, die Kaufkraft nimmt in vielen Ländern deutlich zu. In China zum Beispiel nehmen die Einkommen im hohen einstelligen Prozentbereich im Jahr zu, da verhandelt man nicht wie hier um ein bis zwei Prozent Erhöhung. Indien ist noch eine Stufe davor: Die demografischen Trends sind stark, es gibt viel mobile Kommunikation. In die Infrastruktur muss jedoch noch investiert werden. Wir mögen generell dienstleistungsgebundene Themen, setzen auf lokale Marken. Aus klassischen Konsumwerten gehen wir eher raus, diese sind nicht mehr günstig: Ende der 90er Jahre gab es solche Aktien zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von sieben bis acht, heute liegen sie bei 25.

Brics - die wichtigsten Fakten

Wirtschaftsmacht

Die fünf führenden Schwellenländer, das sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, stehen für 21 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Dynamik ist enorm: Sie haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht.

Bevölkerung

43 Prozent der Weltbevölkerung leben in den Brics-Staaten. Allein in China und Indien leben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

Währungsreserven

Zusammen kommen die Staaten auf die gigantische Summe von 4,4 Billionen Dollar. China sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt.

Handel

Der Handel zwischen den Brics-Staaten erreichte 2012 einen Wert von 282 Milliarden Dollar. Bis 2015 dürfte er auf 500 Milliarden Dollar steigen, sagen Experten voraus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 27,3 Milliarden Dollar.

Wohlstandsgefälle

Obwohl alle Brics-Staaten kräftig wachsen, sind die Unterschiede sehr groß. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr in China 6094 Dollar, in Brasilien 12.340 Dollar, in Russland 13.765, in Indien 1592 Dollar und in Südafrika 7.636 Dollar.

Warum halten Sie Rohstoff- oder Industrieunternehmen für weniger interessant?
Die Firmen machen doch einen gewichtigen Teil der Wirtschaftskraft von Schwellenländern aus. Schon, aber der Rohstoffsektor hängt sehr an der Weltkonjunktur, das macht die Gewinnentwicklung der Firmen wenig einschätzbar. Und in der Industrie suchen wir weltweite Marktführer. Vieles wird in China herstellt, aber das Entwicklungspotenzial sitzt eher im Westen. Eine Ausnahme ist einer der weltweit bedeutendsten Halbleiterhersteller, Taiwan Semiconductor, in den investieren wir.
Welche Sektoren mögen Sie am meisten?
Unser Portfolio ist das Ergebnis reiner Einzeltitelsuche, dem Stockpicking. Wir finden aktuell viele gute Finanz- und IT-Firmen.
Welche Finanzwerte kaufen Sie?
Lebensversicherungen. Das Segment ist im Gegensatz zur westlichen Welt ein Wachstumsmarkt in Schwellenländern, weil viele Menschen noch unterversorgt sind, was ihre spätere Rente angeht. Sie müssen für ihre Altersvorsorge selbst aufkommen. Und beispielsweise Chinas Regulierer fördert das.

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