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06.05.2015

15:53 Uhr

Asean-Märkte

Zusammen Stärke zeigen

VonMathias Peer

Südostasien ist auf dem Weg zur neuen globalen Wirtschaftsmacht. Mit einem gemeinsamen Binnenmarkt wollen die Asean-Staaten auch mehr ausländische Investoren anlocken. Eine spannende Entwicklung.

Der Asean-Markt ist äußerst heterogen – vom armen Laos bis zum reichen Singapur, vom kleinen Brunei bis zum riesigen Indonesien; alles Länder mit eigenen Gesetzen, Sprachen und oft sogar Schriftzeichen. dpa

Der Asean-Markt ist äußerst heterogen – vom armen Laos bis zum reichen Singapur, vom kleinen Brunei bis zum riesigen Indonesien; alles Länder mit eigenen Gesetzen, Sprachen und oft sogar Schriftzeichen.

BangkokEnde März, Hochsaison in der thailändischen Strandmetropole Pattaya. Andreas Schick, Asien-Pazifik-Chef des Automobilzulieferers Schaeffler, ist auch angereist – allerdings nicht, um in der Sonne zu liegen. Drei Tage lang hat er sich mit anderen Konzernmanagern in einem Hotel am Rande des Ferienorts eingemietet, um eine drängende Frage zu erörtern: Wie kann sein Unternehmen Südostasien erschließen?

Schick gerät ins Schwärmen. Er spricht von einem „riesigen Wachstumsmarkt“, guten Absatzchancen durch die „extreme Bevölkerungsgröße“ und den nach China höchsten Zuwächsen der Automobilbranche. Rund 600 Millionen Menschen leben hier. Doch die Präsenz des Unternehmens aus Herzogenaurach ist bisher gering: Ein Distributorennetz und eine kleine, angemietete Fabrik gibt es. Die meisten Produkte für die Region importiert Schaeffler – unter anderem aus Osteuropa. Transportdauer mit dem Schiff: sieben bis acht Wochen.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

„Eine schnelle Reaktionsfähigkeit kann so nicht gewährleistet werden“, sagt Schick. Die Konkurrenz, vor allem aus Japan, droht davonzuziehen. Schick will das nicht hinnehmen: Vor wenigen Wochen begann der Bau des ersten Schaeffler-Werks in der Region: „Wir haben erkannt, dass es ein wichtiger Markt ist. Und den wollen wir auch besetzen.“

Südostasien entwickelt sich zum wirtschaftlichen Gegengewicht zu den BRIC-Staaten – und lockt so internationale Unternehmen an. Bei den ausländischen Direktinvestitionen übertrumpfte die südostasiatische Staatengemeinschaft Asean, der zehn Länder angehören, zuletzt zweimal in Folge China. Auch bei der jährlichen Wirtschaftsleistung strebt die Region nach vorne – und hat mit 2,5 Billionen Dollar inzwischen Brasilien sowie Russland und Indien hinter sich gelassen. Asean steht für drei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

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