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20.04.2015

17:16 Uhr

Asian Infrastructure Investment Bank

Die Macht des Geldes

VonFrederic Spohr

China will mit der eigenen Entwicklungsbank AIIB das internationale System zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte umkrempeln und Schwellenländer unterstützen. Skeptiker bangen um soziale und ökologische Standards.

China will das internationale System zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte umkrempeln. AFP

China will das internationale System zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte umkrempeln.

BangkokDie Warnung ging ins Leere. Die Europäer sollten genau prüfen, was für einer Institution sie sich da anschließen wollten, gab der amerikanische Finanzminister Jack Lew zu bedenken. Vergebens: Kurz nach Großbritannien kündigten im März auch Deutschland, Frankreich und Italien den Beitritt zur Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) an, der neuen Entwicklungsbank der Chinesen. Anschließend wagten sich auch kleinere Staaten wie Österreich aus der Deckung.

Nicht nur mit der AIIB will China das internationale System zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte umkrempeln. Schon im vergangenen Jahr vereinbarte die Volksrepublik mit den anderen BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien und Südafrika die Gründung der New Development Bank (NDB), besser bekannt als BRICS-Bank. „Die Chinesen wollen Parallelstrukturen zu bestehenden Entwicklungsbanken schaffen“, sagt Mikko Huotari, Programmleiter Außenpolitik und Außenwirtschaft beim Mercator Institute for China Studies in Berlin. Mit Erfolg, wie die Unterstützung der Europäer und weiterer Staaten belegt.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Neben der von den USA dominierten Weltbank und der immer von einem Japaner angeführten Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) könnten Schwellenländer schon ab 2016 den neuen multilateralen Kreditgeber ansteuern – dann jedoch unter weitreichender Kontrolle von China. Es geht dem Land um mehr als nur um Aufträge für heimische Infrastrukturfirmen. AIIB und NDB taugen auch als Machtinstrumente. „China kann über die Institutionen Einfluss auf die Wirtschaft anderer Länder nehmen und sie von sich abhängiger machen“, sagt Huotari. Das versuche China zwar mit bilateralen Krediten schon jetzt – doch internationale Institutionen sollen mehr Akzeptanz und Vertrauen bringen.
Lange versuchten die Amerikaner, die neuen Konkurrenz-Institutionen klein zu halten. Doch der Reiz einer Beteiligung ist groß. Infrastrukturprojekte versprechen lukrative Geschäfte. „Auch deutsche Firmen könnten darüber leichter an Aufträge kommen“, sagt Experte Huotari. Besonders attraktiv aber ist die Bank für Schwellenländer. Sie erhoffen sich von einer Beteiligung Kredite für ihre eigenen Vorhaben.
Bisher sind solche Darlehen knapp – das gibt selbst die vermeintliche Konkurrenzorganisation ADB zu. „Der Bedarf an Krediten für Infrastrukturprojekte in Schwellenländern ist deutlich größer als das Angebot“, sagt Shang-Jin Wei, Chefökonom der ADB. Seine Bank rechnet damit, dass Asien jedes Jahr rund 750 Milliarden Dollar in Vorhaben wie Straßen, Telekommunikationsnetze und Häfen investieren müsste. Die Bank selbst bewilligt jährlich aber nur Kredite in Höhe von rund 20Milliarden Dollar.

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