Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2014

10:06 Uhr

Beruflich im Ausland

Wie sich Kulturschocks vermeiden lassen

VonMaxim Kireev

Viele Unternehmen entsenden ihre Mitarbeiter in Regionen außerhalb des vertrauten europäischen Kulturkreises. Firmen müssen ihre Leute auf diesen Schritt gut vorbereiten. Sonst droht nicht nur ein Reputationsschaden.

Eine gute Vorbereitung auf den Auslandseinsatz ist eine Bedingung für den Erfolg. Getty Images

Eine gute Vorbereitung auf den Auslandseinsatz ist eine Bedingung für den Erfolg.

MoskauDie Szene soll bewusst in die Irre führen: Ein Mann sitzt locker auf einem Stuhl, während die Frau neben ihm auf dem Boden hockt. In der Hand hält sie eine Schale Erdnüsse. Bevor sie selbst davon essen darf, nimmt sich der Mann und kaut demonstrativ. Er fasst die Frau an der Schulter, während sie sich dreimal tief verneigt.

Die beiden Schauspieler erzielen den gewünschten Effekt bei ihren Zuschauern - Teilnehmer eines Seminars des Bunds der Auslandserwerbstätigen (BDAE). Fast alle verorten das Gesehene während der anschließenden Diskussion in einem Land, in dem die Männer das Sagen haben und Frauen unterdrückt werden. „Tatsächlich aber stellt die Szene die Überlegenheit der Frau dar“, erläutert BDAE-Sprecherin Anne-Katrin Schulz: eine Kultur, in der die Erde eine Gottheit und die Nähe zu ihr ein Privileg der Frauen ist. Männer sind dazu verpflichtet, die Speisen der Frauen vorzukosten, um sie vor Vergiftungen zu schützen.

Im Seminar-Jargon „Albatros-Kultur“ heißt die fiktive Welt, die zu Fehleinschätzungen verleitet. Eine Erfahrung, die später in der Realität vorschnelle und möglicherweise falsche Urteile verhindern soll - und die Bereitschaft erzeugen, sich auf Neues und Fremdes mit unverstelltem Blick einzulassen. „Bei unseren Seminaren geht es darum, den Blick für kulturelle Unterschiede zu öffnen“, sagt Schulz. Dort werden Teilnehmer auf die Arbeit in fernen Ländern vorbereitet.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

China, Indien oder Russland - die Entsendung von Mitarbeitern in Regionen außerhalb des vertrauten europäischen Kulturkreises ist für eine wachsende Zahl von Unternehmen unverzichtbar. Ob im eigenen Werk am Auslandsstandort oder beim Service für die Abnehmer von Maschinen - die Präsenz von Technikern oder Managern aus der Heimat des expandierenden Unternehmens soll den Erfolg in neuen Märkten sichern. Wichtig dabei ist, dass Firmen ihre Mitarbeiter auf diesen Schritt gut vorbereiten. Wer ahnungslos jedes Fettnäpfchen mitnimmt, verspielt Vertrauen oder bringt Geschäftspartner gegen sich auf. Zudem drohen bei steuerlichen oder arbeitsrechtlichen Vergehen empfindliche Strafen.

Rasch steigt die Zahl der sogenannten Expats. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Cartus Corporation gab weit mehr als die Hälfte der multinationalen Konzerne an, dass die Zahl der Auslandsentsendungen weiter steigen wird. Kleinere Firmen ziehen nach. „Mittelständler zählen immer häufiger zu unseren Kunden“, sagt Kai Mütze, Geschäftsführer von International Assignment Consulting (IAC), das Arbeitgeber bei Entsendungen unterstützt. Mittelständler können sich dafür oft keine eigenen Experten leisten.

Die Vorbereitung in Seminaren allein reicht nicht. Das Unternehmen muss steuerliche und arbeitsrechtliche Fragen klären. Kann der Mitarbeiter im deutschen Versicherungssystem verbleiben? Ist er im Gastland steuerpflichtig? Unternehmen drohen bei Verstößen geschäftliche Probleme. „Wer gegen Einreisebestimmungen verstößt, dessen Unternehmen kann etwa in Indien schnell auf einer schwarzen Liste landen, die für ausländische Partner einsehbar ist“, erläutert Mütze.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.05.2014, 12:47 Uhr

Bildung-Benehmen
Eine sehr gute und laengst ueberfaellige Initiative. Es ist an der Zeit, dass Umgangsformen i.Deutschland gelernt, respektiert werden. Anzufangen, bei Kindern (Schule), der derzeitigen Elterngeneration sind Worte wie "bitte, danke, guten Tag" usw. nicht mehr bekannt, von den Kindern kann es nicht erwartet werden. Im dt. Fernsehen wird eine Sprache gesprochen, vor der es jedem grausen muss, obszoen, zotig, beleidigend.
Deutsche (nicht alle) sind inzwischen weltweit fuer ungehoeriges Benehmen bekannt.
Jeder Strassenbahn-,Busfahrer, der nichts weiss, was ein "Gast" ist meint die, was er als Fahrgaeste bezeichnet seien so etwas wie eine Herde, der man ordentlich Bescheid geben muss. Auch so manche Polizisten, ohne eigene Erziehung, fuehlen sich berufen, Buerger "zu erziehen".
Von den Touristen auf Mallorca, Domik.Rep. schweigt man besser! Jeder Auslaender in Deutschland, d. sich nur 1/8 dessen, was sich Deutsche genehmigen erlauben wuerde, waere sofort in einer gewissen Presse bekannt, und das Schreien nach Ausweisung riesig!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×