Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2015

16:38 Uhr

Bruce Cheng

„Roboter könnten ein großer Markt werden“

VonStephan Scheuer

Die taiwanische Delta Electronics ist als Weltmarktführer für Netzteile von Laptops groß geworden. Jetzt will Firmengründer Cheng mit günstigen Androiden Chinas Fabrikhallen erobern.

Delta Gründer Bruce Cheng im Gespräch.

Bruce Cheng

Delta Gründer Bruce Cheng im Gespräch.

Der Taiwanese Bruce Cheng ist ein Bastler. Die Eingangshalle seines Unternehmens Delta Electronics steht voll mit Schaltnetzen, Monitoren und Ladegeräten. Als Weltmarktführer für Netzteile von Laptops ist Delta groß geworden. Jetzt setzt Cheng auf Roboter.

Herr Cheng, gerade in Japan gibt es schon viele etablierte Hersteller von Robotern. Wie wollen Sie gegen die erfahrenen Firmen bestehen?
Die Löhne in China steigen. Längerfristig könnte es eine gewaltige Nachfrage nach Industrierobotern in der Volksrepublik geben. Darauf wollen wir vorbereitet sein. Wir stehen noch am Anfang unserer Entwicklungen. Aber schon unser Name Delta steht als mathematische Variable für unsere Veränderungsbereitschaft. Wir testen den Markt für Roboter. Mit jeder Generation werden unsere Maschinen besser. Wenn wir genug Kunden dafür finden, setzen wir diesen Weg fort. Wenn nicht, setzen wir auf andere Produkte.

Die Verlierer der Weltwirtschaft

Großbritannien

2014: 2,435 ; 2030: 3,586 ; 2050: 5,744 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Zwar wird Großbritannien auch 2030 noch im Ranking der Top-Volkswirtschaften mit Platz zehn in der Top Ten sein. Doch 2050 sieht das anders aus: Rang elf.

Italien

2014: 2,066 ; 2030: 2,591 ; 2050: 3,617 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Italien wird in 35 Jahren auf Rang 18 zurückfallen. Die Prognose zeigt deutlich, dass Europa im weltweiten Vergleich weiter an wirtschaftlichem Gewicht verliert.

Frankreich

2014: 2,587; 2030: 3,418; 2050: 5,207 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Frankreich kommt schafft es bereits 2030 auf Rang elf und rutscht bis 2050 auf Platz 13.

Russland

2014: 3,559 ; 2030: 4,854 ; 2050: 7,575 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Russland wird bis 2050 auf Platz acht verdrängt.

Deutschland

2014: 3,621 ; 2030: 4,590 ; 2050: 6,338 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Drei europäische Staaten gehören derzeit zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. 2050 wird nur noch die Bundesrepublik in den Top Ten der wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten vertreten sein. Deutschland wird bereits 2030 auf Rang acht zurückfallen.

Japan

2014: 4,788 ; 2030: 6,006 ; 2050: 7,914 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Während Japan auch 2030 den vierten Platz verteidigt, wird das Land bis 2050 drei Ränge abrutschen und auf Rang sieben landen.

USA

2014: 17,416 ; 2030: 25,451 ; 2050: 41,384 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Auch wenn die USA 2020 den zweiten Platz noch verteidigen können, werden sie 2050 von Indien auf Platz drei verdrängt. Dann wird drittstärkste Volkswirtschaft USA fast zweieinhalbmal so groß sein wie Indonesien (2050: Rang vier).

Haben Sie Angst vor Produktpiraten in China?
Wir setzen auf technisch sehr hochwertige Produkte. Die lassen sich nicht leicht fälschen. Nehmen Sie zum Beispiel unsere neu entwickelten Roboter. Sie sind in der Lage, Schrauben in höchster Priorität einzudrehen. Schon die leichteste Neigung kann große Probleme verursachen. Aber unser Maß an Perfektion können Nachahmer nicht gewährleisten.

Sie machen viele Geschäfte mit China. Doch die Konjunktur schwächelt. Wird es eine harte Landung geben?
Die Krise in den USA und die Weltfinanzkrise 2008 haben gezeigt, wie stark die Weltwirtschaft von China abhängt. Das langsamere Wachstum in der Volksrepublik hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Für uns ist Festlandchina bislang vor allem ein Produktionsstandort. Aber auch wir merken schon, dass weltweit die Nachfrage nachlässt. Zudem ändert sich für uns das Marktumfeld. Wir sind Marktführer für Netzteile etwa von Laptops. Aber heute kaufen weniger Leute Notebooks. Das spüren wir natürlich. Deshalb setzen wir auf die Entwicklung neuer Produkte. Roboter könnten für uns künftig ein großer Markt werden.

Die Gewinner der Weltwirtschaft

Volkswirtschaft 2050

Welche Staaten werden in 35 Jahren noch zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt gehören? Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentliche in ihrer Studie „The World in 2050“ unter anderem eine Top Ten der Volkswirtschaften. Für die Prognose gehen die PwC-Volkswirtschaftler von einem durchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent pro Jahr aus. Die Gewinner der Volkswirtschaften:

Quellen: dpa/ots

Nigeria

2014: 1,058 ; 2030: 2,566; 2050: 7,345 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Erstaunlich optimistisch bewerten die Volkswirtschaftler die Aussichten unter anderem Krisenstaaten in Afrika. So werde Nigeria bis 2050 Deutschland überholen und auf Platz neun der stärksten Volkswirtschaften klettern. Nigeria, Vietnam und die Philippinen werden demnach mit durchschnittlich 4,5 bis 5 Prozent Wachstum die dynamischsten Wachstumsregionen der Welt sein.

Mexiko

2014: 2,143 ; 2030: 3,985 ; 2050: 8,014 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Mexikos Wirtschaft ist derzeit im Wandel. 2020 wird das Land auf Platz neun klettern und 2050 Frankreich aus der Spitzengruppe verdrängen.

Indonesien

2014: 2,554 ; 2030: 5,486 ; 2050: 12,210 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Indonesien dürfte bis 2050 von dauerhaft hohen Wachstumsraten und einer jungen Bevölkerung profitieren. 2030 wird die indonesische Wirtschaftsleistung doppelt so groß sein und schafft es 2050 laut der Studie auf Rang vier.

Brasilien

2014: 3,073 ; 2030: 4,996 ; 2050: 9,154 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Brasiliens Wirtschaft wächst in den kommenden Jahren noch mehr. 2030 klettert das Land auf Rang sechs und bleibt auch 2050 in der Top Ten (Platz fünf).

Indien

2014: 7,277 ; 2030: 17,138 ; 2050: 42,205 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Schon heute ist Indien als drittstärkste Volkswirtschaft etwa 50 Prozent leistungsstärker als das viertplatzierte Japan. Mit dauerhaft hohen Wachstumsraten und einer jungen Bevölkerung wird Indien bis 2050 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Die Wirtschaftsleistung soll dann fast zweieinhalbmal so stark sein wie die Indonesiens.

Wie verlässlich sind Chinas Wachstumszahlen?
Das lässt sich schwer sagen. Nach der Finanzkrise sind Chinas Exporte eingebrochen. Mit gewaltigen Ausgaben für Infrastruktur der Regierung wurde das Wachstum gestützt. Das war anfangs sehr nützlich. Dann wurden jedoch unnötige Projekte umgesetzt. Die Ausgaben für Straßen, Autobahnen und Flughäfen wurden zurückgefahren. Aber auf dem Immobilienmarkt kündigt sich die nächste Blase an. Es gibt sehr viele Herausforderungen in China, und es ist noch nicht klar, ob sie gelöst werden.

Hat Präsident Xi Jinping die Lage im Griff?
Mit seiner Antikorruptionskampagne hat Xi viele Veränderungen angestoßen. Er trimmt die größte Partei der Welt auf Kurs. Wirklich wichtig ist für mich jedoch das Verhältnis zwischen China und den USA. Xi Jinping und Barack Obama sind bereits bei einigen Themen aneinandergeraten. Wir können nur alle hoffen, dass es nicht zu einem offenen Konflikt kommt.

Vielen Dank für das Interview.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×