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15.04.2016

08:34 Uhr

Chinas Konjunktur

Weniger Wachstum, trotzdem Erleichterung in Peking

VonStephan Scheuer

Die zweitgrößte Volkswirtschaft ist so langsam gewachsen wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt aber: Nach dem schweren Jahr 2015 deutet vieles auf eine Stabilisierung.

Schwächstes Wachstum seit Jahren

So schlecht steht es um Chinas Wirtschaft

Schwächstes Wachstum seit Jahren: So schlecht steht es um Chinas Wirtschaft

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PekingDie schlechte Nachricht zuerst: Chinas Wirtschaft ist im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Das teilte das Statistikamt in Peking am Freitag mit. So gering war der Zuwachs seit den Ausläufern der globalen Finanzkrise 2009 nicht mehr ausgefallen.

Die gute Nachricht ist jedoch: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt scheint sich wieder zu stabilisieren. Immobiliensektor, Industrieproduktion und Infrastrukturausgaben entwickelten sich im März deutlich besser als befürchtet. „Die Daten für März bestätigen, dass es ein Wachstums-Moment gibt“, analysierte Yang Zhao von der größten japanische Investmentbank Nomura.

Zudem zeigt der Umbau zu einem nachhaltigeren Wirtschaftsmodell erste Erfolge. Der Energieverbrauch stieg im ersten Quartal um rund drei Prozent an, allerdings ging der Anteil fossiler Energieträger um zwei Prozent zurück.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

„Die heutigen Daten zeigen, dass sich Chinas Wirtschaft von seiner Abhängigkeit zur Kohle befreit“, sagte Lauri Myllyvirta von Greenpeace. „Saubere Energie boomt. Die Ökonomie wendet sich von der Industrie der rauchenden Schlote ab.“ Trotzdem seien in China noch viele neue Kohlekraftwerke in Bau, obwohl es bereits massive Überkapazitäten im Kohlesektor gebe. Es dürften keine neuen Kraftwerke genehmigt werden, forderte Greenpeace.

Auch der Außenhandel hatte sich im März besser entwickelt als befürchtet. Gemessen in der chinesischen Währung Renminbi, auch Yuan genannt, lag der Anstieg im März bei 18,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Noch im Januar und Februar hatte die Zollverwaltung einen Einbruch bekanntgeben müssen. Auch die Importe stabilisierten sich. Zwar blieb bei den Einfuhren letztlich ein Minus von 1,7 Prozent zu verzeichnen. Im Vergleich zum Minus von acht Prozent im Februar ist das jedoch auch ein Hinweis auf eine Erholung.

Wo der Kommunismus noch lebt

Kommunistische Regime der Gegenwart

Vor dem Fall der Sowjetunion gab es zahlreiche Länder mit kommunistischen Regierungen. 2016 verbleiben noch vier, oder - je nach Lesart des nordkoreanischen Regimes - fünf.

Quelle: dpa

China

Mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land der Welt. Es hat den Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seiner Abkehr vom kommunistischen Wirtschaftsmodell zu verdanken. Seit den 1980er Jahren verfolgt China eine Politik der Reformen und der Öffnung. Die sozialistische Marktwirtschaft funktioniert nach kapitalistischen Methoden. Die kommunistische Ideologie wird gepflegt, dient aber nur dem Erhalt der Diktatur der Kommunistischen Partei.

Vietnam

Nachbarland Chinas, etwa so groß wie Deutschland ohne Hessen, mit mehr als 3000 Kilometern Küste am Südchinesischen Meer. Rund 94 Millionen Einwohner. Ho Chi Minh gründete die Kommunistische Partei in den 1930er Jahren im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich. Nach der Niederlage Frankreichs besiegten die Kommunisten auch das US-gestützte Regime in Südvietnam. Seit 1975 regieren sie das vereinigte Land. Seit 1986 gibt es marktwirtschaftliche Reformen.

Kuba

Gut elf Millionen Einwohner, etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte Revolutionsführer Fidel Castro (89). Unter Fidels jüngerem Bruder Raúl (84) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Laos

Armes Nachbarland Vietnams ohne Küstenzugang, etwas kleiner als die Bundesrepublik ohne die neuen Bundesländer. Knapp sieben Millionen Einwohner. Laos war Teil des französischen Kolonialgebiets Indochina. Im Vietnamkrieg wurde es zum meist bombardierten Land der Welt. US-Bomber legten weite Teile in Schutt und Asche, weil vietnamesische Kommunisten sich im Grenzgebiet versteckten. Bis heute sind die Böden verseucht. Nach dem Ende des Vietnamkriegs marschierte Vietnam ein und installierte 1975 die kommunistische Regierung.

Nordkorea

Nachbarland Chinas, etwa ein Drittel so groß wie Deutschland, 24 Millionen Einwohner. Die UN werfen der Diktatur gröbste Menschenrechtsverletzungen vor. Nordkorea hat zwar 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus seiner Verfassung gestrichen. Aber die Arbeiterpartei wurde 1945 als Zweig der ehemaligen Kommunistischen Partei gegründet. An der Spitze von Staat, Partei und Armee steht der Machthaber Kim Jong Un; er „erbte“ die Machtposition von seinem Vater. Bereits sein Großvater Kim Il Sung war mit Hilfe Moskaus an die Spitze der Partei gelangt und wird als Staatsgründer verehrt.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stellt ihr Wirtschaftssystem um. Peking strebt eine Transformation weg vom Export und Investitionen zu mehr Binnenkonsum mit einer höherwertigen Produktion an. Im vergangenen Jahr war das Wachstum mit einem Plus von 6,9 Prozent so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr ausgefallen.

Das zeigen auch die Daten zum Energieverbrauch. Während der Energiekonsum im verarbeitenden Gewerbe im März im Jahresvergleich nahezu gleich blieb, stieg die Nachfrage im Dienstleistungssektor und von Privathaushalten um rund elf Prozent an.

Im ersten Quartal dieses Jahres könnte das Wachstum noch darunter gelegen haben. Der Internationale Währungsfonds korrigierte seine Prognose für die Volkswirtschaft für dieses Jahr von 6,3 Prozent auf 6,5 Prozent nach oben. Trotzdem warnte der IWF vor Risiken: „China durchläuft gerade einen wichtigen und komplexen Transformationsprozess hin zu einem nachhaltigeren Wachstum.“

Was vom Volkskongress bleibt: Das Reich der Reformen

Was vom Volkskongress bleibt

Premium Das Reich der Reformen

Zu Beginn hat Chinas Ministerpräsident harte Reformen und den Umbau der Wirtschaft gefordert. Zum Abschluss wird klar: Die alten Garden wollen ihre Macht nicht einfach abgeben. Dabei würde China profitieren. Eine Analyse.

Das sei zwar ein wichtiger Prozess, der sowohl die Volksrepublik als auch für die Weltwirtschaft richtig. „Doch wegen der wichtigen Rolle, die China im Welthandel spielt, können schwierige Abschnitte auf diesem Weg schnell starke Auswirkungen für Schwellen- und Entwicklungsländer haben“, hieß es in der Analyse des Währungsfonds weiter.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Immobilienblase

Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

Schattenbanken

Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

Faule Kredite

Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

Überkapazitäten

Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

Internationale Krisen

Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Kommentare (6)

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Herr Peter Noack

15.04.2016, 08:56 Uhr

Will Herr Scheuer ernsthaft behaupten, dass 6,7 Prozent Wachstum 2016 weniger sind als 13 Prozent 1993????? Ist der Unterschied zwischen relativen und absuluten Zahlen im Gymnasium nicht behandelt worden?

Was passiert auf der Seite der Einfuhren, wenn der Ölpreis sich innerhalb eines Jahres halbiert? Sinkt der Wert der Einfuhren oder steigt er? Wie haben sich die Preise für Industriemetalle verändert?
Wenn in China weniger gebaut wird, braucht man dann mehr oder weniger Stahl und Zement?
Ist weniger Bauboom gut oder schlecht für die Wirtschaft Chinas
Wann ist in den USA oder in Europa die Wirtschaft der rauchenden Schlote beendet worden? Wie viele Menschen beschäftigen Kohle und Stahl in Europa?

Der Wert der Einfuhren sinkt. Sinken auch die Einfuhrmengen? Es gibt keinen Hinweis.
Diese tendenzielle Berichterstattung ist doch nicht etwa beabsichtig?

Frau Pia Paff

15.04.2016, 09:23 Uhr

Immer schön locker bleiben.
So wie Öl ist auch Wachstum endlich. Der wahre Meister fährt auch gute Renditen ohne Wachstum. Das werden unsere Starökonomen allerdings nicht verstehen.

Frau Pia Paff

15.04.2016, 09:27 Uhr

Diese tendenzielle Berichterstattung der MERKEL Presse ist sehr wohl gewollt.
Es soll der allgemeinen Verunsicherung des Wahlvolks dienen.
Fazit: Nur MUTTI kanns!!! Trörö, trörö ... ein Seibert Tusch!

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