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18.05.2016

10:49 Uhr

Chinesen wollen Kuka

Ein allzu verlockendes Angebot

VonStephan Scheuer

Mit gut gefüllten Geldbörsen sind chinesische Käufer in Europa auf Einkaufstour. Jüngstes Ziel ist der Roboterbauer Kuka. Aber müssen sich deutsche Firmen kaufen lassen, um in China Erfolg zu haben? Ein Kommentar.

Technik von Kuka ist in China sehr beliebt. AP

Kuka-Roboter

Technik von Kuka ist in China sehr beliebt.

PekingDas Angebot klingt gut. Mit einer üppigen Prämie macht der chinesische Haushaltsgeräte-Primus Midea ein Übernahmeangebot für den Roboterbauer Kuka. 115 Euro je Kuka-Aktie bieten die Chinesen. Anfang Februar, bevor Midea seine erste Beteiligung an dem Augsburger Unternehmen bekanntgegeben hatte, rangierten die Kuka-Aktien noch bei rund 72 Euro. Nach Spekulationen über ein großzügiges Übernahmeangebot waren die Papiere am Dienstag im nachbörslichen Handel um zwölf Prozent auf 97 Euro nach oben geschossen.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Sitzt das Geld bei den Chinesen zu locker? Wohl kaum. Die Technik von Kuka ist in China sehr begehrt. Roboter werden in der zweitgrößten Volkswirtschaft dringend gebraucht. Die Löhne steigend kontinuierlich an. Das erhöht den Wettbewerbsdruck.

Automatisierung soll die Antwort darauf sein. Laut dem Weltbranchenverband International Federation of Robotics kommen in China bisher erst 36 Roboter auf 10.000 Beschäftigte. In Südkorea sind es 478, in Deutschland 292. Der Nachholbedarf ist enorm. Der Verband geht davon aus, dass 2018 jeder dritte neue Roboter in China installiert wird.

Nicht nur das. Die Regierung hat die Automatisierung zu einer Schlüsselbranche erklärt. Im Strategieplan „China 2025“ hat Peking ausformuliert, wie die Volksrepublik zu Industrieländern aufschließen soll. Dazu braucht China viele neue Roboter.

Das bietet gute Voraussetzungen für Kuka. Die Frage ist nur, ob sich die Augsburger von einer chinesischen Firma übernehmen lassen müssen, um auf dem verlockenden Markt Erfolg zu haben.

Heimische Roboterhersteller können in China leichter in den Genuss von staatlichen Fördergeldern kommen. Mit einem exzellent vernetzten Unternehmen wie Midea im Rücken, hätte ein europäischer Hersteller wie Kuka dann vielleicht auch bessere Chancen bei Ausschreibungen von chinesischen Staatsunternehmen.

Trotzdem könnte Deutschland damit langfristig ein technologischer Vorteil auf einem Zukunftsmarkt verloren gehen. Auch wenn Midea noch betont, im Falle einer Übernahme Kuka viele Freiheiten zu lassen, muss so ein Schritt gut überlegt sein.

Die Automatisierung steht in China noch am Anfang. In vielen Unternehmen sind fast gar keine Roboter im Einsatz. Von „Industrie 4.0“ sind viele Branchen in China noch sehr weit entfernt. Die Hochphase für die High-Tech-Roboter „Made in Germany“ hat in China noch gar nicht begonnen. Wenn jetzt jedoch bereits die Technik für künftige Wachstumsmärkte die Eigentümer wechselt, könnten deutsche Firmen das später bitter bereuen.

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Kommentare (11)

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18.05.2016, 10:53 Uhr

Hoffen wir mal, dass die Jungs von Renell als Xetra-Spezialist für den Mist keine Spitzen gestern offen hatten nach Xetra-Schluss. Murphys-Law besagt ja, dass wenn dann meistens die falsche Seite im Handelsbuch betroffen ist.

Account gelöscht!

18.05.2016, 10:57 Uhr

Der Laden sollte schnellst möglich verkauft werden, schließlich haben wir in Europa und vor allem in Deutschland hoch motivierte arabische Facharbeiter zu Verfügung.

Herr Ciller Gurcae

18.05.2016, 11:22 Uhr

Chinesische Firmen dürfen mehrheitlich nicht von Ausländern erworben werden.
Allerdings gibt es in China auch eine Regierung. Bei uns nicht.
So können die Kuka-Mitarbeiter künftig im China-Modus arbeiten. Mal sehen, ob sie durchhalten. Und die zugewanderten Fachkräfte müssen ja auch noch versorgt werden.
Danke, merkel.

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