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06.04.2016

15:40 Uhr

Diversity 4.0

Fit für die Fremde und Vielfalt?

VonPeter Kinne

Vielfalt managen: Das ist nicht nur ein Erfolgshebel beim Erobern ausländischer Märkte. Aus einer Art Unternehmenskosmetik und einem schickem Buzzword ist eine echte Management-Aufgabe mit Chancen und Risiken geworden.

Eine Schlüsselqualifikation in der heutigen Arbeitswelt, die zunehmend internationaler wird: interkulturelle Kompetenz. Getty Images

Eine Schlüsselqualifikation in der heutigen Arbeitswelt, die zunehmend internationaler wird: interkulturelle Kompetenz.

DüsseldorfOb groß oder klein, national oder international tätig: alle Unternehmen leiden zunehmend unter dem Phänomen der Komplexität. Globalisierung und Digitalisierung fordern die Wandlungsfähigkeit von Organisationen heraus. Eine riesige Aufgabe, die sich nur mit einem guten Diversity-Management bewältigen lässt. Das glaubt Autor (Diversity 4.0 Zukunftsfähig durch intelligent genutzte Vielfalt), Dozent und Forscher Peter Kinne, der für unsere Serie zu globalen Wachstumsmärkten einen Gastbeitrag geschrieben hat. Wird Diversity, verstanden als Vielfalt von Menschen aus anderen Nationen und Kulturen, glaubhaft und unternehmensweit gelebt, steigert das nicht nur die Produktivität, sondern verbessert auch die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.

Diversity-Maßnahmen für Unternehmen: Was bis gestern noch als Ausdruck verantwortlichen Managements gelten konnte, ist unter den heutigen Bedingungen zu einer strategisch-operativen Notwendigkeit geworden. Im Angesicht der Globalisierung und weltweiter Verwerfungen, die Millionen von Menschen in Bewegung setzen, ist soziokulturelle Offenheit kein schickes Nice-to-have mehr. Aus einer Art Unternehmenskosmetik, die mitunter eher PR-Abteilungen als Führungskräfte beschäftigt hat, ist eine echte Management-Aufgabe mit Chancen und Risiken geworden – und ich will Ihnen erklären, warum.

Warum und wo Deutsche gern im Ausland arbeiten

Wegen der Arbeit ins Ausland

In der Studie „Decoding global talent“ dokumentiert die Boston Consulting Group (BCG), wo Menschen wegen der Arbeit hingehen würden und warum. Die Analyse basiert auf Angaben von mehr als 200.000 Arbeitnehmern aus 189 Ländern. (Quelle:CIO)

Beliebteste Länder

Einwanderungsziel Nummer Eins sind nach wie vor die USA. Es folgen Großbritannien und Kanada.

Beliebteste Städte

Richtet sich der Blick nicht auf die bevorzugten Einwanderungsländer, sondern Städte, führt London vor New York und Paris. Berlin rangiert immerhin auf Platz sechs.

Ziele der G20

Grundsätzlich gilt, dass Menschen aus den Industrienationen vor allem aus persönlichem Interesse ins Ausland gehen. Sie interessieren sich für eine andere Kultur oder wollen ihren Horizont erweitern. Menschen aus wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern versprechen sich dagegen vor allem einen höheren Lebensstandard.

Blick nach Deutschland

Nicht die USA, sondern die Schweiz ist das begehrteste Arbeitsland der Deutschen. In die Bundesrepublik kommen vor allem Arbeitnehmer aus dem vormaligen Jugoslawien.

Was Deutsche am Ausland fasziniert

Eine andere Kultur zu erleben und den eigenen Horizont zu erweitern, nennen Deutsche als wichtigste Motive für den Gang ins Ausland. Als Karrieresprung sehen das dagegen nur 27 Prozent – im Durchschnitt sind es 59.

Was deutsche Arbeitnehmer bindet

Wer seine deutschen Arbeitnehmer im Land und im Unternehmen halten will, muss für ein gutes Betriebsklima sorgen und ihre Leistung anerkennen. Das Gehalt spielt für Deutsche bereits die drittwichtigste Rolle. Im weltweiten Durchschnitt steht es nur auf Rang acht.

Unternehmen, die die Zeichen der Zeit erkennen und beherzt handeln, werden in ein paar Jahren nicht nur in Fragen des Recruitings und des Employer Brandings die Nase vorn haben. Genauso werden sie im In- und Ausland von der Vielfalt der Menschen profitieren, die ihre verschiedenen Stärken auf gemeinsame Ziele fokussieren. Keine Frage: damit stehen Europa und seine Unternehmen vor einer historischen Aufgabe.

Das Management aber schweigt dazu in der Öffentlichkeit. Stattdessen werden Prognosen aus der Hüfte geschossen – von Journalisten, Politikern, Theologen, Philosophen und Volkswirtschaftlern, die auf der Basis von Moralvorstellungen oder Modellrechnungen zu widersprüchlichen Voraussagen und Forderungen gelangen. Aktive Manager hingegen kommen viel zu selten zu Wort, obwohl ihnen eine zentrale Rolle in der Gestaltung unternehmerischer Zukunft zukommt.

Viele Herausforderungen, denen Inlandsunternehmen sich heute stellen müssen, haben andere schon angenommen: Unternehmer, die sich im Laufe der letzten Jahre im Ausland engagiert haben. Unter teils schwierigen Bedingungen mussten sie lernen, was es heißt, als Fremde in eine neue Kultur vorzustoßen. Denn auch als Erzeuger von Arbeitsplätzen im Zielland sind längst nicht alle deutschen Unternehmen überall willkommen.

Abgrenzung von Andersartigem ist eine evolutionäre Errungenschaft und erleichtert die Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt. Das bekommen auch Unternehmen zu spüren, die in neuen Ländern gute Geschäfte suchen und auf schnellere Erfolge hoffen, als die Umstände es zulassen wollen.

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