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16.06.2014

15:39 Uhr

Duale Ausbildung im Ausland

Bildung als Exportschlager

VonManuel Heckel

Unternehmen bilden Fachkräfte an Auslandsstandorten aus, um so den Facharbeitermangel auf eigene Faust zu lösen. Die Verbindung von Theorie und Praxis gilt dabei als große Stärke der dualen Berufsausbildung.

Ein Arbeiter n einem Werk des deutschen Technologieunternehmens Bosch in Suzhou, China. Manche Unternehmen bilden die Fachkräfte im Ausland aus, damit sie zum Start der Eröffnung direkt eingesetzt werden können. dpa

Ein Arbeiter n einem Werk des deutschen Technologieunternehmens Bosch in Suzhou, China. Manche Unternehmen bilden die Fachkräfte im Ausland aus, damit sie zum Start der Eröffnung direkt eingesetzt werden können.

KölnAls 2013 das Werk im chinesischen Nanjing eröffnet wurde, waren die Arbeiter längst bereit. Mit einem Jahr Vorlauf hatte der Automobilzulieferer Schaeffler damit begonnen, hier Fachkräfte auszubilden. „Direkt zum Start konnten sie dann eingesetzt werden“, sagt Bernhard Schwab, Ausbildungsleiter bei Schaeffler. Konsequent setzt das Unternehmen an ausländischen Standorten auf eine Ausbildung, die eng an das deutsche Modell angelehnt ist. „Wir wollen überall auf der Welt die gleiche Qualität wie in Deutschland haben“, sagt Schwab, „deshalb setzen wir auch überall auf die entsprechenden Strukturen.“

Die enge Verbindung von Theorie und Praxis, sie gilt als große Stärke der dualen Berufsausbildung. Wie Schaeffler geht eine ganze Reihe von deutschen Unternehmen besonders in Schwellenländern vor. Sie bringen die Bildungskonzepte für die Beschäftigten gleich mit. Denn veraltete Inhalte und nur geringe Anteile an praktischen Übungen bei der Ausbildung in den Zielländern führen dazu, dass vor allem hoch technisierte Industriebetriebe dort kaum passende Fachkräfte finden.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Die Anforderungen sind hoch: „Man will auch im Ausland bei Facharbeitern den Standard erreichen, den man zu Hause schätzt“, sagt Volker Ihle, Professor und Auslandsbeauftragter der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. „Die Auszubildenden sollen fachlich gut ausgebildet werden, aber auch nach links und rechts über den Tellerrand gucken können.“

Schaeffler ist bereits in allen BRIC-Staaten aktiv. Neue Ziele für die Internationalisierung finden sich nun in Osteuropa. Auch hier offenbart das Bildungssystem Schwächen. „Ich hatte letztens ein Fachbuch aus den 70er-Jahren in der Hand“, berichtet Schwab von einem Besuch in der Slowakei. „Da ist natürlich von Techniken wie CNC noch nichts zu lesen.“ Eine solche moderne Steuerungstechnik ist aber bei Maschinen in Schaeffler-Fabriken Standard.

Vor Ort zeigen sich die Unternehmen bei der Umsetzung des dualen Systems hoch flexibel. Sie kooperieren mit existierenden Ausbildungsstätten oder schließen sich mit anderen deutschen Unternehmen zusammen. Teilweise bauen sie sogar eigene Schulen nur für ihre Auszubildenden auf.

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