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04.09.2015

02:25 Uhr

Emerging Markets

Studien erhellen die Krise der Schwellenländer

VonFrank Wiebe

Die Preise von Papieren aus Schwellenländer verlocken zum Kauf. Doch zwei Studien zeigen die andere Seite der Medaille: Strukturelle Probleme bergen Risiken für Anleger – und eine Lektion in puncto Wachstum.

Schwellenländer stecken zwei Studien zufolge in einer strukturell bedingten Krise. dpa

Hongkong

Schwellenländer stecken zwei Studien zufolge in einer strukturell bedingten Krise.

New YorkDie Aktien der Schwellenländer sind seit den Höchstkursen im vergangenen April im Schnitt um rund 40 Prozent eingebrochen ¬ weit mehr als die Papiere entwickelter Länder. Wer jetzt Kaufkurse wittert, sollte sich aber intensiv mit den Risiken beschäftigen.

Nach Einschätzung der internationalen Großbanken-Organisation Institute of International Finance (IIF) hat die Krise der Schwellenländer tiefe, strukturelle Gründe. „Während die Sorgen wachsen, dass das alte, auf Rohstoff-Exporten basierende Geschäftsmodell der Emerging Markets zerbricht, hat das Wachstum dieser Regionen im Vergleich zu den entwickelten Ländern deutlich abgenommen“, heißt es in einer Analyse von IIF-Direktor Hung Tran und seinem Team. Dabei warnen die Experten: „Selbst wenn die US-Notenbank ihre Zinserhöhung noch einmal verschiebt, kann das nur kurzfristig helfen.“

Nach der Analyse des IIF hat die Börsenschwäche vieler Emerging Markets schon im Jahr 2011 begonnen, weil damals der „Super-Zyklus“ der Rohstoffe zu Ende ging. „Nach allen bisherigen Erfahrungen dauert ein solcher Abschwung im Rohstoff-Sektor 15 bis 20 Jahre“, heißt es weiter.

Ähnlich warnt der Internationale Währungsfonds vor wachsenden Risiken aus dem schwächeren Wachstum in China, niedrigen Rohstoffpreisen, möglicherweise überlasteten Unternehmensbilanzen und Finanzierungsproblemen im Zusammenhang mit Kapitalabflüssen und Kursverlusten. Die Möglichkeiten gegenzusteuern seien begrenzt heißt es, reiche Ölstaaten könnten allenfalls ihren finanzpolitischen Spielraum nutzen, andere Länder seien auf die Wechselkurse angewiesen, um Schocks abzufedern.

Das IIF hatte schon vor den jüngsten Marktturbulenzen gewarnt, dass die Schwellenregionen unter starken Abzügen von Kapital leiden, auch hervorgerufen durch die anstehende Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed), mit der die Aussichten auf bessere Renditen in den USA wachsen sollten. In den letzten vier Quartalen sind 300 Milliarden Dollar an privaten Geldern aus den Regionen abgeflossen, was in etwa der Größenordnung während der Finanzkrise 2008 entspricht. Hinzu kommt der Rückgang des Welthandels, der eng mit der Entwicklung der Emerging Markets korreliert ist.

Das IIF warnt, dass die Anleihen der Schwellenländer, die sich bisher recht gut halten haben, bald auch in diesen Sog geraten könnten. Die Experten rechnen mit wachsenden Zahlungsausfällen bei Unternehmen und warnen, dass viele ihre Fremdwährungskredite nicht gegen Verschiebungen der Wechselkurse abgesichert haben.

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