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29.08.2015

17:41 Uhr

Expatriates

Diese Ziele stehen bei Auswanderern hoch im Kurs

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Jedes Jahr zieht es zigtausend Auswanderer ins Ausland, um neu anzufangen. Doch bevor die Fachkräfte nach Deutschland kommen, gehen sie lieber nach Ecuador – weil das Wetter besser und die Menschen freundlicher sind.

61 Prozent der im Ausland wohnhaften Deutschen haben bereits in mindestens zwei weiteren Ländern gelebt. Der weltweite Durchschnitt beträgt hingegen weniger als 50 Prozent. dpa

Deutsche sind viel unterwegs

61 Prozent der im Ausland wohnhaften Deutschen haben bereits in mindestens zwei weiteren Ländern gelebt. Der weltweite Durchschnitt beträgt hingegen weniger als 50 Prozent.

„Ich wollte schon immer in Europa leben und als ich einen spannenden Studienplatz in Bremen gefunden habe, ist meine Entscheidung für den Umzug schnell gefallen“, sagt Patricia Torrico. Die gebürtige Bolivianerin lebt seit 2009 in Deutschland. Auswanderer loben Deutschland in den höchsten Tönen: Die Lebensqualität ist gut, die Karrierechancen fantastisch, Sicherheit, Infrastruktur und Bildung werden großgeschrieben. Nur: Bevor jemand nach Deutschland zieht, um hier zu leben und zu arbeiten, geht er lieber nach Ecuador.

So lautet jedenfalls das Ergebnis der Studie „Expat Insider 2015“ des Münchner Unternehmens InterNations, einem Netzwerk und Informationsportal für alle, die im Ausland leben und arbeiten. Die aus der Studie resultierende Rangliste bewertet die verglichenen Länder basierend auf unterschiedlichen Faktoren wie Lebensqualität, finanzielle Situation der Befragten, Karriere und Freundschaften im Ausland.

Für die Studie wurden 14.300 im Ausland lebende und arbeitende Personen aus 195 Ländern und mit 170 Nationalitäten befragt: Woher kommen sie, warum sind sie in ein anderes Land gezogen, in welcher Branche sind sie tätig, was verdienen sie und wie zufrieden sind sie mit ihrem Gastland. Unter ihnen sind sowohl Menschen, die ihren Partner ins Ausland begleiteten, ehemalige Studenten, die sich während eines Auslandssemesters in Land und Leute verliebt haben, als auch Abenteurer, die einfach beschlossen haben, im Ausland ihr berufliches und privates Glück zu suchen, wie Malte Zeeck, Geschäftsführer von InterNations, sagt.

„Der Anteil derer, die von ihrem Arbeitgeber ins Ausland entsandt werden, ist unter allen Expats sicher nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren – was aber nicht zwingend heißt, dass weniger Expats entsandt werden, sondern dass einfach mehr Menschen auch aus anderen Beweggründen ins Ausland gehen.“ In Zahlen: Nur noch 13 Prozent der Expats werden für ein bestimmtes Projekt von ihrem Arbeitgeber ins Ausland geschickt, der Rest geht mehr oder weniger freiwillig. Mit Flüchtlingen haben die von InterNations befragten Expats jedoch nichts zu tun: Niemand der Befragten ist aus der Not nach Deutschland gekommen. Es handelt sich um qualifizierte Jobnomanden. „83 Prozent haben einen Universitätsabschluss“, so Zeeck.

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Von den Ausländern, die nach Deutschland gekommen sind, lobten 67 Prozent die sehr gute Infrastruktur – im globalen Vergleich sind es nur 33 Prozent. 93 Prozent der Expats hierzulande empfinden es als positiv, von Flensburg bis nach Bayern problemlos das Land bereisen zu können. Entsprechend steht Deutschland in der Subkategorie „Reisen und Transport“ auf Platz sechs von 64. Was die Karrierechancen angeht, belegt Deutschland im Ranking Platz vier, bei der Gesundheitsversorgung sogar den dritten Platz. 85 Prozent der Befragten nannten das deutsche Gesundheitssystem vorbildlich. Außerdem lobten 72 Prozent, dass man sich hierzulande die ärztliche Versorgung und Medikamente problemlos leisten könne.

Wenn es um sichere Arbeitsplätze geht, hat Deutschland nach Luxemburg die zweitbeste Bewertung weltweit: 96 Prozent der befragten Ausländer in Deutschland äußern sich positiv über das Wirtschaftsklima, und 73 Prozent halten den eigenen Arbeitsplatz für sicher. Außerdem sind fast zwei Drittel optimistisch in Bezug auf die eigene Karriere. Dafür ist die Work-Life-Balance in Deutschland nur mittelmäßig. Trotzdem sind fast sieben von zehn Expats mit ihrer 40-Stunden-Woche zufrieden.

Und auch wer es ruhig und friedlich mag, sei in Deutschland am richtigen Ort, so das Fazit der hier lebenden Expats. Weniger als ein Prozent der Befragten äußerten sich negativ über die persönliche Sicherheit oder die politische Stabilität hierzulande. Im internationalen Vergleich machten sich elf Prozent der Expats in ihrem Gastland Sorgen um ihre Sicherheit, 16 Prozent fürchteten um die politische Lage. Deutschland gehört jedoch trotz all der Lobhudelei nicht zu den beliebtesten Ländern – insgesamt belegt es Platz 16 von 64.

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