Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2015

19:52 Uhr

Gegen alle Widerstände

Wie deutsche Mittelständler Myanmar aufbauen

VonPhilipp Mattheis
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Myanmar ist ein Land der Pioniere: Während Konzerne die Region wegen hoher Risiken meiden, bauen Gründer und Mittelständler – auch aus Deutschland – trotz immenser Hindernisse die Wirtschaft des früheren Burma auf.

Wie Mittelständler aus Deutschland die Wirtschaft, des ehemals vom Bürgerkrieg erschütterten Land, aufbauen. Getty Images

Wie Mittelständler aus Deutschland die Wirtschaft, des ehemals vom Bürgerkrieg erschütterten Land, aufbauen.

DüsseldorfIn Yangon gibt es zwei Arten von Stromausfällen: Die einen dauern maximal drei Stunden, die anderen einen halben Tag und länger. Die größte Stadt Myanmars ist also nicht gerade ein perfekter Ort, um sich als App-Entwickler selbstständig zu machen. Myo Myint Kyaw hat es trotzdem getan und dafür ein Internet-Survival-Kit entwickelt, aus Diesel-Generator, Spannungsregler und Speicherbatterie. Letztere hilft bei kurzen Blackouts: „Damit kommen unsere Laptops etwa drei Stunden aus“, sagt der Burmese. Bei Stromausfall Typ zwei springt der Generator ein.

Die Energieversorgung ist nur eines von vielen Hindernissen für Unternehmen in der ehemaligen britischen Kolonie. Der Zustand der Infrastruktur ist erbärmlich: Erst 30 Prozent der Burmesen haben einen Strom- und Wasseranschluss. Im Sommer, wenn die Temperaturen auf 37, 38, 39 Grad klettern, gibt es täglich Ausfälle. Das Mobilfunknetz ist im Aufbau, deckt bisher aber nur die Städte ab. Außerhalb von Yangon, Mandalay und dem Regierungssitz Naypyidaw sind die Straßen meist staubige Buckelpisten, die in der Regenzeit von reißenden Bächen unterbrochen werden. Hinzukommen Korruption, eine ausufernde Bürokratie, ein kaum entwickeltes Bankwesen, fehlende Rechtssicherheit, Bürgerkriege in einzelnen Regionen und Spannungen mit China.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Und dennoch: Im früheren Burma herrscht Aufbruchsstimmung. „Einige deutsche Mittelständler haben den Sprung gewagt“, sagt Daniel Müller, Regionalmanager für die Asean-Staaten beim Ostasien-Verein der deutschen Wirtschaft (OAV). „Konzerne halten sich eher zurück.“ Ihnen ist die politische Lage noch zu instabil, sind die Rahmenbedingungen zu schlecht.

Zu den Ausnahmen zählt seit 2013 der Düsseldorfer Konsumgüterriese Henkel. Dessen Waschmittel produziert ein burmesischer Subunternehmer, in eine eigene Fabrik wollen die Deutschen bisher nicht investieren. „Dafür fehlen noch ein paar Grundvoraussetzungen“, sagt Jens Knoke, der Henkels Myanmar-Geschäft leitet. Er nennt die schlechte Infrastruktur und vor allem die unzuverlässige Energieversorgung. Zudem mangele es bei vielen Gesetzen an der Umsetzung. Beamte wissen oft nicht, wer für was zuständig sei.

„Wir trauen dem Markt aber sehr viel Potenzial zu“, sagt Knoke. Myanmar hat rund 51 Millionen Einwohner. Aber noch sind 1,80 Dollar für ein Kilo Dixan oder Xtra, wie Persil und Spee hier heißen, zu viel bei einem Monatseinkommen von oft weniger als 100 Dollar pro Familie. Knoke hofft auf die steigende Kaufkraft der Burmesen: „Langfristig ist es unser Ziel, mit einer eigenen Produktion hier vertreten zu sein.“ So sind vor allem Gründer und Mittelständler die Burma-Pioniere. Wir haben vier von ihnen besucht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×