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04.04.2016

11:46 Uhr

Größtes Exportland

Maschinenbauer rechnen mit Absatzplus in USA

Kurz vor der Hannover Messe sind Deutschlands Maschinenbauer zuversichtlich. Sie erwarten mehr Geschäfte in den USA - dem diesjährigen Partnerland des Branchentreffens.

Die Stellung der deutschen Maschinenbauer in den Vereinigten Staaten ist allerdings nicht unangefochten. dpa

Siemens-Generatoren

Die Stellung der deutschen Maschinenbauer in den Vereinigten Staaten ist allerdings nicht unangefochten.

FrankfurtDie Hoffnungen des exportorientierten deutschen Maschinenbaus ruhen angesichts der Wachstumsschwäche Chinas in diesem Jahr vor allem auf den USA. Drei von vier Unternehmen sind zuversichtlich, mehr Geschäfte jenseits des Atlantiks zu machen, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Branchenverbandes VDMA hervorgeht. Im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten China als größtes Exportland für Maschinen „Made in Germany“ vom ersten Platz verdrängt.

Die Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon, „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts“)

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen – und profitieren von – Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung – in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management. Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: „Um die Chancen zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen.“

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität – keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: „Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen.“

Gelegenheit zur Vertiefung der Geschäftskontakte hat die Branche Ende April (25. bis 29.4.) auf der Hannover Messe, Partnerland sind diesmal die USA. Allerdings rechnet der VDMA wegen der schwächelnden Weltwirtschaft und des Rückgangs der Investitionen im Fracking-Bereich allenfalls mit einem leichten Anstieg der Exporte in die Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr gab es dort ein kräftiges Plus von 11,2 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro. Hinzu kommt: In diesem Jahr dürfte der mittelständisch geprägten Schlüsselindustrie der Rückenwind durch den sinkenden Eurokurs fehlen, der Maschinen aus Deutschland auf dem Weltmarkt billiger macht. Die Gemeinschaftswährung hatte zuletzt wieder zugelegt.

„Aber das Engagement des deutschen Maschinenbaus in Amerika ist nicht von Kurzfristigkeit geprägt, sondern zeichnet sich in aller Regel durch eine Jahrzehnte währende Verbundenheit aus“, erklärte VDMA-Präsident Reinhold Festge. „Made in Germany“ habe in den USA nach wie vor einen guten Ruf. Nur 17 Prozent der befragten Unternehmen glauben, dass sich die Reputation der deutschen Industrie wegen der VW-Abgasaffäre verschlechtert hat.

Die Stellung der deutschen Maschinenbauer in den Vereinigten Staaten ist allerdings nicht unangefochten. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen erwartet einen zunehmenden Wettbewerb aus China. Das Land war 2013 zum wichtigsten ausländischen Maschinenlieferanten aufgestiegen. In Asien insgesamt laufen die Geschäfte Festge zufolge nicht schlecht. Hoffnungen mache nach dem Ende der Sanktionen zudem der Iran. Das Inlandsgeschäft ist nach Angaben des Verbandes stabil.

Die Branche mit gut einer Million Arbeitsplätzen rechnet weiterhin mit einer Stagnation der preisbereinigten Produktion in diesem Jahr. Der nominale Produktionswert wird auf 201 Milliarden Euro geschätzt nach 199 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. 2015 hatten die Maschinenbauer bereits das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft sowie die Sanktionen gegen Russland und die Probleme vieler Schwellenländer zu spüren bekommen.

Von

dpa

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