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07.10.2015

08:27 Uhr

Immobilienmarkt Kambodscha, Laos und Myanmar

Ein Hauch von Abenteuer

VonUrs Wälterlin

Risikofreudige Immobilieninvestoren, die den Nervenkitzel suchen, sind in Südostasien richtig. Anders als in Deutschland wird spekulativ gebaut – und der Einsatz mit überdurchschnittlichen Gewinnen belohnt.

Kambodschas erster Wolkenkratzer in Phnom Penh ist zugleich Bürogebäude, Luxus-Einkaufszentrum und Hotel. action press

Skyline mit Canadia Bank- und Vatannac Capital Tower

Kambodschas erster Wolkenkratzer in Phnom Penh ist zugleich Bürogebäude, Luxus-Einkaufszentrum und Hotel.

Phnom PenhWenn Reno Müller durch die mehrfach verglasten Scheiben seines klimaneutralen Büros in Phnom Penh schaut, blickt er in eine andere Welt. Weit unten, im Schatten des Vattanac-Turms, schleppt ein Arbeiter auf einer Baustelle von Hand Eimer mit frischem Zement und gießt ihn in eine Form. Der Mann trägt nichts als ein zerfetztes T-Shirt und eine Hose. Die Diskrepanz zwischen dem alten und neuen Phnom Penh könnte nicht größer sein. „Wir haben hier Leute, die noch nie auf einer Rolltreppe gefahren sind“, erklärt der deutschstämmige Müller, Geschäftsleiter von Vattanac Capital.

Die Probleme der Schwellenländer

Brasilien

Präsidentin Dilma Rousseff genießt nur noch acht Prozent Zustimmung, vor allem wegen eines Korruptionsskandals. Der Autoabsatz ist im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent eingebrochen. Die deutschen Autobauer müssen ihre Produktion spürbar drosseln. Die Inflation kletterte im Juli auf satte 9,56 Prozent – der Konsum bricht ein. Hinzu kommen externe Faktoren wie der schwache Ölpreis und die teils marode Infrastruktur.

Russland

Die Wirtschaft Russlands ist von April bis Juni um fast fünf Prozent geschrumpft. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Land schwer zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen und ein schwacher Rubel. Die Inflation beträgt aktuell mehr als 15 Prozent.

Indien

Laut eigenen Angaben ist die Wirtschaft Indiens aktuell um 7,3 Prozent gewachsen. Das überaus gute Ergebnis beruht allerdings auf einem Berechnungstrick der Regierung. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend, die Bürokratie enorm. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen.

China

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kämpft mit einer unerwartet schlechten Konjunktur, hohen Schuldenbergen, dem Platzen einer Aktienblase und schwachen Außenhandelszahlen. Die Zeiten des Turbo-Wachstums sind nach Meinung von Experten vorbei. Aktuell ist es so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Die überraschende Abwertung der Währung ließ ebenfalls Sorgen aufkommen, dass es um die Wirtschaft schlecht bestellt sei.

Südafrika

Präsident Jacob Zuma konnte bisher kein Skandal erschüttern. Die Wirtschaft in dem Land mit gut 50 Millionen Einwohnern schwächelt jedoch. Landesweite Stromausfälle würgen das geringe Wachstum ab und verhindern Neuinvestitionen. 2014 wuchs die Wirtschaft noch um 1,5 Prozent, was viel zu langsam ist. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 25 Prozent, bei Jugendlichen bei rund 35 Prozent. Der südafrikanische Rand hat stark an Wert verloren.

Der Vattanac-Turm prägt das Stadtbild von Phnom Penh. Ein 187 Meter hoher glänzender Palast aus Glas und Beton. Rund 120 Millionen Dollar (105 Millionen Euro) hat der Komplex gekostet, der einem den Rücken wölbenden Drachen nachempfunden ist. Die Ausstattung des Gebäudes, in dem rund 3.000 Menschen arbeiten, ist vom Feinsten.

Vattanac ist die Adresse in der kambodschanischen Hauptstadt für jeden, der Rang, Namen und Status hat oder haben will. Ein Jahr alt ist das Gebäude, und „wir genießen eine sehr gute Nachfrage“, berichtet Müller dem Handelsblatt. In einem Bericht des „Guardian“ vor zwei Monaten las sich das noch anders. Dort war die Rede von 30 Prozent Vermietungsquote. In Deutschland würde kein Investor ein solches Projekt anfassen, wenn er nicht mindestens die Hälfte der Fläche vorvermietet hat – auch weil die Banken nicht mitspielen würden.

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Fast wie eine Familie: Um gute Beschäftigte zu finden, brauchen Unternehmen in weniger entwickelten Volkswirtschaften eine spezielle Führungskultur. Dabei gelten ganz andere Regeln als in weiter entwickelten Ländern.

In Schwellenländern besteht keine Scheu, spekulativ zu bauen. Reiche Familien wie die Vattanacs, die selbst eine Bank betreiben, sind in der Lage, sich die nötigen Mittel zu beschaffen und Durststrecken durchzustehen.

Doch ohnehin ist Müller vom Erfolg des Gebäudes überzeugt. Für ihn gehören Boss und Rolex auch in ein Land, in dem Millionen Menschen von weniger als drei Dollar am Tag leben müssen. „Die Luxusläden waren schon nach acht Monaten in der Gewinnzone“, versichert er und erklärt das so: „Kambodschas Oberschicht schätzt es, dass sie nicht mehr nach Singapur oder Hongkong fliegen muss, um eine Luxusuhr zu kaufen.“

Die Rechnung ist einfach. Produktionsbetriebe, denen China inzwischen zu teuer ist, wandern in Länder wie Kambodscha ab. Das Land zieht immer mehr ausländische Direktinvestments an. Von 2013 auf 2014 nahmen sie nach Zahlen von Asean Statistics um 40 Prozent zu. Und mit ihnen kommen weitere Ausländer ins Land.

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