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09.09.2015

13:34 Uhr

Indien im Aufbruch

„Unser Boom ist Eure Chance“

VonTorsten Riecke

Indien hat das jüngste Finanzbeben besser als andere Schwellenländer überstanden – und Deutschland könnte daran verdienen. Doch auf dem Weg nach oben gibt es auch große Rückschläge.

Der Subkontinent Indien mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen hat einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung hingelegt. dpa

Der Subkontinent Indien mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen hat einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung hingelegt.

BerlinWer erwartet hat, Jyotsna Suri und Anurag Singh Thakur würden nach dem Finanzbeben der vergangenen Tage in vielen Schwellenländern mit gesenktem Haupt durch Berlin laufen, wird positiv überrascht. Die Chefin des indischen Industrieverbandes FICCI und der führende Politiker der Regierungspartei BJP sprühen geradezu vor Optimismus. „Das ganze Land ist im Aufbruch“, sagt Suri. Indien werde auch die jüngsten Turbulenzen überstehen und seinen Aufstieg fortsetzen. Suri und Thakur führen eine Gruppe von indischen Politikern und Wirtschaftsvertretern an, die für ihre Gesprächspartner in der deutschen Hauptstadt vor allem eine Botschaft haben: „Indien boomt und Deutschland kann daran verdienen.“

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Ganz so reibungslos, wie die beiden "Botschafter" des indischen Subkontinents behaupten, läuft es natürlich nicht. Auch Indien hat unter der jüngsten Finanzkrise gelitten. So ist die Landeswährung Rupie in den von China ausgelösten Abwertungssog geraten und im Vergleich zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Auch das Wirtschaftswachstum erhielt mit einem Plus von „nur“ sieben Prozent im zweiten Quartal einen kleinen Dämpfer, hatte doch die Regierung in Delhi mit 7,5 Prozent gerechnet. „Das Fundament der Wirtschaft ist sehr stark“, sagt Thakur, „die Probleme kommen von außen.“

Tatsächlich hat der Subkontinent mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi im Mai 2014 einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg hingelegt. Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Indien im Moment die einzige Wachstumsstory der Weltwirtschaft. Zwei Zahlen aus der Finanzbranche machen die Wachstumsdynamik deutlich: Innerhalb eines halben Jahres hätten 170 Millionen Inder erstmals ein Bankkonto eröffnet, berichtet Thakur. Die Versicherungsbranche habe in nur einem Monat 120 Millionen neue Policen abgeschlossen.

Der Charismatiker Modi aus dem Bundesstaat Gujarat hat mit seinem Reformprogramm im Inland eine Euphorie erzeugt und im Ausland hohe Erwartungen geweckt. „Die Inflation ist unter Kontrolle, die Wirtschaft wächst kräftig“, sagt der BJP-Politiker Thakur. Notenbank-Chef Raghuram Rajan, ehemaliger Chefökonom des IWF, ist es gelungen, die Preissteigerungen auf unter sechs Prozent zu drücken. Allerdings haben die Preise für einige Grundnahrungsmittel in den vergangenen Wochen stark angezogen.

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