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02.03.2016

09:38 Uhr

Interkulturelles Know-how

So vermeiden Sie peinliche Missverständnisse

VonCarina Kontio

Japanische Kollegen, US-Chefs, indische Zulieferer: Interkulturelle Erfahrungen können bereichernd, aber auch rätselhaft und frustrierend sein. Wie sie internationale Stolperfallen am besten umschiffen können.

Gegenseitiges Unverständnis kann Frustration, Unsicherheit und Kooperationsprobleme verursachen. Getty Images

Gegenseitiges Unverständnis kann Frustration, Unsicherheit und Kooperationsprobleme verursachen.

DüsseldorfHätten Sie gewusst, dass es die kulturellen Befindlichkeiten der US-Kollegen empfindlich verletzt, wenn Sie von unserer typischen Feiertagsfloskel „Frohe Weihnachten“ gebrauch machen? Die sollte man in den USA - wenn überhaupt – nur sehr sparsam verwenden. Angemessen und politisch korrekt ist es in diesem Fall, „Happy Holidays“ zu sagen, denn diese Wunschformel schließt auch andere Religionen mit ein, deren Anhänger das christliche Fest nicht feiern.

Falsch liegen Sie auch, wenn Sie davon ausgehen, dass Kopfnicken das internationale Zeichen für Zustimmung ist – in Griechenland und Bulgarien bewirken Sie damit nämlich das Gegenteil. Und in Asien, wo Verneinungen eher vermieden werden, kommt es darauf an, Tonlage und Körpersprache seines Gegenübers zu interpretieren. Andere Länder, andere Kulturen: Da kann es schnell zu Missverständnissen und internationalen Stolperfallen kommen.

Generell gilt; Selbstreflexion, Höflichkeit und eine kritische Haltung gegenüber dem eigenen kulturellen Standpunkt walten zu lassen. Damit kann man eigentlich nicht so wirklich falsch liegen. Wer weiß, wie man sich in verschiedenen Ländern angemessen verhält, kann dieses Wissen außerdem gewinnbringend nutzen. Gerade in der internationalen Zusammenarbeit ist interkulturelles Know-how wichtig; mangelnde Sensibilität führt nicht selten sogar zum Scheitern internationaler Joint Ventures.

Teure Städte für Expats

Wo Sie der Chef nicht hinschicken sollte

Ein Liter Milch für acht Dollar oder eine Kinokarte für 20 Dollar: Auslandsaufenthalte bringen vor allem finanzielle Umstellungen mit sich. Für Expats kann es teuer werden – durchaus auch in Afrika.

Platz 10: Sydney (Australien)

Am günstigsten der zehn teuersten Städte ist für Expats laut der Mercer-Studie „Cost of Living Survey 2013“ Sydney. Die größte Stadt des australischen Kontinents bietet Apartments bereits für monatlich 2.551 Dollar an. Kinokarten und auch ein Liter Wasser liegen hingegen preislich sehr weit oben: Erstes kostet rund 19,62 Dollar und zweites 2,15 Dollar.

Blue Jeans können Expats jedoch wiederum für 114 Dollar ersteigern. Eine internationale Zeitung gibt es dazu für 6,20 Dollar, eine Tasse Kaffee im Café für 5,16 Dollar, einen Liter Milch aus dem Supermarkt für 2,67 Dollar und betankt werden kann das Auto mit Benzin für 1,51 Dollar pro Liter.

Die Zahlen für die Mercer-Studie Cost of Living Survey 2013 wurden im März 2013 ermittelt. Die Devisenkurse und der Umfang von Waren und Dienstleistungen des Monats März bilden die Grundmesswerte dieser Studie. Das Beratungsunternehmen Mercer veröffentlicht jährlich ebenso Studien zur Lebensqualitität und Sicherheit in Weltmetropolen.

Platz 9: Bern (Schweiz)

Die Hauptstadt und das größte Verwaltungszentrum der Schweiz ist auf dem neunten Platz. Ein Doppelzimmer liegt bei 2.687 Dollar Miete im Monat, eine Kinokarte gibt es für 18,95 Dollar und einen Liter Wasser für 1,60 Dollar.

Für eine Blue Jeans müssen Expats 138 Dollar aufbringen, für eine internationale Zeitung 4,35 Dollar, für eine Tasse Kaffee im Café 4,68 Dollar, für einen Liter Benzin 2,02 Dollar und für einen Liter Milch 1,74.

Platz 8: Zürich (Schweiz)

Auf dem achten Platz liegt Zürich. Wegen der ansässigen Großbanken (wie UBS und Credit Suisse) gilt Zürich als ein internationaler Finanzplatz. Obwohl die Einwohnerzahl (circa 395.000) vergleichsweise gering ist, zählt sie daher zu den Weltstädten.

Das Leben für Expats ist hier nicht sonderlich günstig. Ein Apartment lässt sich für 3.915 Dollar im Monat auftreiben. Bei der Freizeitgestaltung müssen Expats besonders tief in die Tasche greifen: Eine Kinokarte hat den stolzen Preis von 20,66 Dollar. Der Preis für Wasser liegt hingegen im Mittelfeld bei 1,60 Dollar, eine Blue Jeans bei 141 Dollar und eine internationale Zeitung bei 4,35 Dollar.

Eine Tasse Kaffee kann man für 5,98 Dollar in einem Kaffee genießen, ein Liter Milch aus dem Supermarkt verlangt 1,74 Dollar und ein Liter Benzin 2,02 Dollar.

Platz 7: Genf (Schweiz)

Die Stadt Genf ist der südwestliche Zipfel der französischsprachigen Schweiz. Hier leben rund 1,2 Millionen Einwohner. Neben Zürich ist Genf eine der Städte mit den teuersten Lebenshaltungskosten und mit der höchsten Lebensqualität. Seit 2012 gilt sie als die drittteuerste Stadt der Welt, hinter Zürich und Tokio. Bei dem Ranking der teuersten Städte für Expats schafft sie es nur auf den siebten Platz.

Ein Apartment lässt sich für 4.350 Dollar im Monat mieten, wer gerne ins Kino geht, muss 18,48 Dollar aufbringen. Einen Liter Wasser gibt es für 1,60 Dollar, eine Blue Jeans für 141 Dollar, eine internationale Zeitung für 4,35 Dollar, eine Tasse Kaffee für 6,52 Dollar und einen Liter Milch für schlappe 1,74 Dollar.

Das Tanken gilt in Genf als besonders teuer: Ein Liter Benzin kostet 2,02 Dollar.

Platz 6: Hong Kong (China)

Die drittgrößte Metropolregion Chinas liegt auf dem sechsten Platz. Mit einem Preis von circa 7.092 Dollar für ein Apartment liegt die Stadt in dieser Kategorie ganz vorne. Eine Kinokarte ist für 11,60 Dollar erschwinglich, ein Liter Wasser sogar für 1,02 Dollar. Wasser ist von den zehn gelisteten Städten der Studie demnach in Hong Kong am günstigsten.

Eine Blue Jeans kann man bereits für 116 Dollar im Schnitt erwerben, eine Zeitung für 3,87 Dollar, eine Tasse Kaffee für 5,67 Dollar, einen Liter Milch für 3,12 Dollar. Am teuersten ist hingegen das Benzin. Es kostet pro Liter 2,23 Dollar.

Platz 5: Singapur (Republik Singapur)

Auf dem fünften Platz liegt der Stadtstaat Singapur. Für ein Apartment zahlen Expats 3.795 Dollar. Möchte man ins Kino gehen, ist das für circa 9,28 Dollar möglich.

Ein Liter Wasser ist verhältnismäßig günstig für 1,13 Dollar zu erwerben, eine Blue Jeans für 129 Dollar, eine internationale Zeitung für 3,63 Dollar (womit es die günstigste Zeitung der teuersten Städte ist), eine Tasse Kaffee für 4,84 Dollar, ein Liter Milch für 2,62 Dollar. Will man sein Auto tanken, so sind 1,76 Dollar je Liter gefordert.

Platz 4: N'Djamena (Tschad)

Auf dem vierten Platz der Mercer's 2013 Cost of Living-Studie liegt N'Djamena. Die Hauptstadt des Tschad liegt an der Grenze zu Kamerun. Das Land wurde während der Bürgerkriege in den 1970er und 1980er Jahren hart umkämpft. Mittlerweile ist die Bevölkerung auf circa eine Million gewachsen.

Für einen Liter Wasser müssen Expats circa 1,63 Dollar bezahlen, für eine internationale Zeitung 6,94 Dollar, für eine Tasse Kaffee 3,06 Dollar, für einen Liter Benzin 0,98 Dollar und für einen Liter Milch 2,75 Dollar.

Platz 3: Tokio (Japan)

Die Top drei eröffnet Tokio. Hier kostet ein Apartment 4.513 Dollar, eine Kinokarte stolze 19,34 Dollar.

Für das alltägliche Leben müssen Expats tief in die Tasche greifen. Grund-Lebensmittel wie Wasser und Milch kosten 1,92 Dollar und 3,05 Dollar. Für eine Blue Jeans bringen die Expats 135 Dollar auf, für eine Zeitung 5,37 Dollar, für eine Tasse Kaffee 6,98 Dollar und für einen Liter Benin 1,74 Dollar.

Platz 2: Moskau (Russland)

Moskau ist für Expats am zweitteuersten. Für ein unmöbliertes Aparment müssen sie monatlich im Schnitt 4.600 Dollar aufbringen, für einen Liter Wasser 1,77 Dollar, für eine Blue Jeans 169 Dollar. Eine internationale Zeitung und eine Tasse Kaffee in einem Café sind in Moskau am teuersten. Erstes kostet 9,95 Dollar, zweites 8,29 Dollar. Ein Liter Benzin hingegen ist bereits für 1,04 Dollar zu erwerben, ein Liter Milch wiederum für 7,59 Dollar.

Platz 1: Luanda (Angola)

Nicht London, nicht New York und auch nicht Tokyo. Auf dem ersten Platz der teuersten Städte für Expats befindet sich Luanda. Die Hauptstadt von Angola hat circa vier Millionen Einwohner und liegt an der Westküste Afrikas. Das Land gehört mit zu Afrikas größten Ölproduzenten.

Die Mehrheit in Angola ist arm. Trotzdem orientieren sich die Preise für das Wohnen an fremden Standards, sodass das Leben dort sehr teuer sein kann. Ein Aparment kostet rund 6.500 Dollar, ein größere Wohnung sogar 15.000 Dollar.

Das alltägliche Leben gestaltet sich ebenso nicht sehr günstig. Eine Blue Jeans in Luanda kostet 204 Dollar, ein Liter Wasser 2,14 Dollar, ein Liter Milch 3,18 Dollar, eine Kinokarte 10,42 Dollar, eine internationale Zeitung 5,42 Dollar, eine Tasse Kaffee 3,88 Dollar. Dahingegen ist das Tanken leicht erwerblich: Der Preis für einen Liter Benzin liegt bei nur 0,63 Dollar.

Quelle: Mercer-Studie Cost of living survey 2013 (http://www.mercer.com/costoflivingpr)

„Das Kennenlernen anderer Kulturen lehrt die Akzeptanz und den richtigen Umgang mit der unbekannten Kultur, bedeutet auch ein Auseinandersetzen mit den eigenen Werten und Selbstverständlichkeiten“, heißt es in einer Mitteilung der Carl Duisberg Centren, der ältesten deutschen Einrichtung für internationale Qualifikation. Ein mitunter holpriger Weg, weiß Katarina Lerch, die dort interkulturelle Trainerin ist. Sie hat die häufigsten Reaktionen ihrer Seminarteilnehmer zusammengefasst.

1) So wie die anderen das machen, ist doch unlogisch?!

Die „Logik” selbst ist ein westlicher Wert. Platon oder Sokrates etwa haben die europäische Kultur bereits seit der Antike geprägt. Außereuropäische Kulturen haben eine eigene Logik und andere Problemlösungsmethoden entwickelt. Unlogisch scheint uns dies vor allem, weil wir es mit unserem Wissen und unseren Denkmethoden nicht so einfach nachvollziehen können.

2) In fremden Kulturen finde ich manches eklig!

Die Scheu vor fremden Gebräuchen ist groß. Dabei wird das Angebot, etwas „Ekliges” zu tun oder zu essen, in der Regel aus reiner Gastfreundschaft gemacht. Wir essen Rind und Schwein, andere essen Katze und Hund. Einige küssen und umarmen sich häufig, andere vermeiden den Körperkontakt. Die Gründe dafür liegen weit in der Geschichte zurück und hängen oft auch mit der jeweiligen Umwelt zusammen. Keiner verlangt, dass einer etwas „Ekliges” mag, doch sollte dem Brauch zumindest Respekt entgegengebracht werden, nicht Denunziation oder offensichtlicher Ekel. In jeder Kultur gibt es sprachliche und nonverbale Methoden, etwas höflich und kulturgerecht abzulehnen.

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