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23.03.2016

15:21 Uhr

Internationale Wirtschaft

Chinas neue Seidenstraße nach Athen

VonGerd Höhler, Stephan Scheuer

Peking sieht Griechenland als Tor zu Europa und will den eurasischen Raum mit Milliardeninvestitionen in Wachstumsbranchen wie Logistik und Tourismus vernetzen. Auf dem Einkaufszettel: Häfen und Bahnstrecken.

„Ein Gürtel, eine Straße“ ist der sperrige Regierungsslogan für das wohl größte außenpolitische Projekt Chinas. Entlang der alten Seidenstraße auf dem Land und über eine neue „maritime Seidenstraße“ sollen neue Märkte erschlossen werden. Insgesamt will China 100 Milliarden Dollar bereitstellen, über einen Fonds, die AIIB-Bank und die BRICS-Bank. picture alliance / AA

Hafen von Piräus

„Ein Gürtel, eine Straße“ ist der sperrige Regierungsslogan für das wohl größte außenpolitische Projekt Chinas. Entlang der alten Seidenstraße auf dem Land und über eine neue „maritime Seidenstraße“ sollen neue Märkte erschlossen werden. Insgesamt will China 100 Milliarden Dollar bereitstellen, über einen Fonds, die AIIB-Bank und die BRICS-Bank.

Peking, AthenChina will einen Mythos wiederbeleben: die legendäre Seidenstraße. Sie steht Pate für ein Großvorhaben des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping. Mit einem Milliardenprojekt soll der alte Traum von einer Verbindung zwischen Pazifik und Mittelmeer Realität werden, mit Milliardeninvestitionen will Peking den eurasischen Raum vernetzen. Eine Eisenbahnstrecke von China bis Duisburg existiert bereits. Jetzt könnte Griechenland zum wichtigen Drehkreuz für Chinas Pläne ausgebaut werden.

Die Lehren der Hidden Champions

1. Führung und Ziele

Hidden Champions wissen nicht nur, was sie wollen, sondern haben auch die Willensstärke und Energie, manchmal die Besessenheit, ihre Ziele in Taten umzusetzen. Führung bedeutet, dass sie dieses Feuer in vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen entzünden.

(Quelle: Hermann Simon, „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts“)

2. Hochleistungsmitarbeiter

Hidden Champions schaffen – und profitieren von – Bedingungen, die eine extrem geringe Fluktuation erzeugen. Hochleistung erreicht man nur mit einer Mannschaft, die eine starke Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen aufweist. Grundlage hierfür ist die Selektion der richtigen Mitarbeiter.

3. Dezentralisierung

Manche Hidden Champions stoßen mit engen Märkten und hohen Marktanteilen an Wachstumsgrenzen. Sie gehen den Schritt in die Diversifikation. Um ihre traditionellen Stärken nicht zu gefährden, wählen sie die konsequente Dezentralisierung – in der Regel bis hin zu rechtlich eigenständigen Firmen.

4. Fokus

Fokussierung bietet normalerweise die einzige Chance, Weltklasse zu werden. Hidden Champions fokussieren ihre beschränkten Ressourcen besser als andere und bleiben bei dieser Richtung, bis sie die Spitzenposition erreicht haben. Dabei ist die Definition des Spielfelds selbst Bestandteil der Fokussierung.

5. Globalisierung

Nichts verändert die Welt in den nächsten Jahrzehnten stärker als die Globalisierung. Für Unternehmen, die diesen Wandel nutzen, eröffnen sich ungeheure Wachstumschancen. Der Aufbau weltweiter Produktions- und Vertriebssysteme dauert jedoch oft genug mehrere Generationen. Zunächst internationalisieren sich die Umsätze, dann folgt das Personal und als Letztes das Management. Die meisten Hidden Champions stecken mit ihren Strategien und dem Umsetzen in der Praxis mitten in diesem Prozess. Simon: „Um die Chancen zu nutzen, muss man seine nationalen Beschränkungen ablegen und große Ausdauer mitbringen.“

6. Innovation

Die meisten Hidden Champions planen massive Innovationsaktivitäten. Sie integrieren dabei Markt und Technik als gleichwertige Antriebskräfte. Diese Ausgewogenheit gelingt nur wenigen Großunternehmen. Innovation ist in erster Linie eine Frage von Kreativität und Qualität – keineswegs nur eine Sache des Geldes.

7. Kundennähe

Kundenorientierung ist für den Erfolg der Hidden Champions wichtiger als Wettbewerbsorientierung. Die langjährige Kundenbeziehung ist ihre größte Stärke. Denn es gilt: Hochleistung für Kunden führt automatisch zu Wettbewerbsvorteilen. Simon: „Topkunden ähnlich wie Topkonkurrenten als Leistungstreiber einsetzen.“

Denn neben einem Landweg von der alten Kaiserstadt Xi'an in China über Zentralasien, die Türkei bis nach Deutschland gehört ein neuer Seeweg zur Seidenstraßen-Initiative. Die "maritime Seidenstraße" soll von Venedig über Athen durch den Suezkanal und den Indischen Ozean nach Südchina reichen. Häfen spielen für den Seeweg eine Schlüsselrolle. Und deshalb könnte Griechenland in Chinas Masterplan genau diese Rolle zukommen.

Das Handelsministerium in Peking hat im Oktober ein 73 Seiten umfassendes Strategiepapier zu Griechenland aufgelegt. Detailliert schildert die Behörde darin die Entwicklung der griechischen Wirtschaft, beschreibt aber auch Risiken durch die Schuldenkrise. "Immer mehr chinesische Firmen investieren in Griechenland", heißt es in dem Papier. Das Ministerium lobt Investitionschancen im Rahmen der Seidenstraßen-Initiativen und hebt etwa den Schiffsbausektor, die Logistik und den Tourismus als potenzielle Wachstumsbranchen hervor.

Vorreiter aus China ist der Mischkonzern Cosco. In zwei Schritten übernimmt das Unternehmen zunächst 51 und nach fünf Jahren weitere 16 Prozent an der Hafengesellschaft von Piräus (OLP), die hinter Griechenlands größtem Hafen steht. Die Übernahme lässt sich Cosco 437,5 Millionen Euro kosten, mindestens weitere 300 Millionen verspricht der Konzern in den nächsten fünf Jahren zu investieren.

Erst im Dezember war Cosco durch die Fusion mit der China Shipping Group zur weltweiten Nummer vier in der Containerschifffahrt aufgestiegen. Aber die Macht des neuen Konzerns hängt an staatlichen Garantien. Denn beide Staatsreedereien waren vor der Fusion hochverschuldet und hatten zuletzt keine Gewinne erwirtschaftet.

Den Chinesen ist ein guter Deal gelungen, glaubt Sun Lijian, Vizedekan der Wirtschaftsfakultät an der Fudan Universität in Schanghai. "Das war ein guter Preis. Natürlich greifen Firmen zu, wenn sie günstig lukrative Investments tätigen können", sagte Sun dem Handelsblatt. Cosco will den Hafen zur Drehscheibe für den Containerverkehr zwischen Asien und Europa ausbauen. Schon jetzt schlagen Konzerne wie Hewlett Packard, Sony, Huawei und ZTE einen Großteil ihrer aus Asien kommenden und für Mitteleuropa bestimmten Lieferungen in Piräus um.

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