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29.08.2016

12:43 Uhr

Internations.org-Umfrage

Warum Taiwan beliebt bei Auslandsmitarbeitern ist

VonClaudia Obmann

Wo lebt und arbeitet es sich am besten fern der Heimat? 14.000 Mitarbeiter, die sich dauerhaft im Ausland aufhalten, haben ihr Gastland beurteilt. Die exklusive Umfrage kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Taiwan ist das Lieblingsland bei Auslandsmitarbeitern dpa

Skyline von Taipei

Taiwan ist das Lieblingsland bei Auslandsmitarbeitern

MünchenTaiwan, Malta und Ecuador sind die beliebtesten Länder für ein Leben im Ausland. Das hat eine Studie ergeben, die die Online-Plattform Internations.org unter ihren Mitgliedern durchgeführt hat. Rund 14.000 Teilnehmer, die außerhalb ihres Heimatlandes leben und vielfach auch arbeiten, haben sich an der Umfrage beteiligt.

Demzufolge landet Deutschland nur auf Platz 17 im Gesamtranking von 67 Ländern. Schlusslichter sind Nigeria, Griechenland und Kuwait. Bewertet wurden fünf Faktoren wie die Lebensqualität im Gastland, die finanzielle Situation der Befragten vor Ort sowie das Arbeitsleben, das Familienleben und wie gut es sich im jeweiligen Land eingewöhnen lässt.

Speziell die Willkommenskultur für Arbeitnehmer mit ausländischem Pass lässt in Deutschland offenbar so stark zu wünschen übrig, dass die Bundesrepublik inzwischen in diesem Unterpunkt auf Platz 57 abgerutscht ist. Dieses negative Ergebnis können das dagegen als sehr gut bewertete Jobangebot und die hohe Jobsicherheit in Deutschland aber insofern ausgleichen, dass es in der Kategorie „Arbeitsleben“ immerhin für Platz 3 der attraktivsten Länder für ausländische Berufstätige reicht.

Sicherheitsrisiken steigen: Expats und der Lockruf der Heimat

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Premium Expats und der Lockruf der Heimat

Putsch, Terror, Viren – die Welt ist unsicherer geworden, Konzerne tun sich schwer, Mitarbeiter für Auslandseinsätze zu finden. Erhöhte Schutzvorkehrungen sollen helfen. Trotzdem wächst immer häufiger der Rückkehrwunsch.

Vor der Bundesrepublik rangieren in dieser Disziplin noch Taiwan und Luxemburg auf dem Treppchen. Sieger Luxemburg, bei dem besonders viele Internations-Mitglieder aus dem Finanzsektor und den EU-Institutionen stammen, bekommt vor allem gute Noten in Sachen „Job-Zufriedenheit“ und „Karriere-Chancen“.

Taiwan dagegen hat es das erste Mal überhaupt ins Länder-Ranking geschafft und quasi aus dem Stand den Gesamtsieg erobert. Auch, weil es in der Unterkategorie „Arbeiten im Ausland“ so gut abgeschnitten hat und den zweiten Platz belegen konnte. „Im Inselstaat stimmt aus Sicht der Auslandsmitarbeiter offenbar das Verhältnis zwischen Jobsicherheit, freundlichem Empfang durch die Einheimischen und sonstigen wichtigen Rahmenbedingungen damit sich Arbeitnehmer und ihre Familie wohlfühlen“, sagt Malte Zeeck, Chef von Internations.

85 Prozent der dort lebenden Expats sind mit ihrer finanziellen Lage zufrieden, im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt von 64 Prozent. Mit 94 beziehungsweise 95 Prozent der Teilnehmer lobt ein noch höherer Prozentsatz der Expats in Taiwan die Qualität und erschwinglichen Kosten der medizinischen Versorgung.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Zu den größten Verlierern im Gesamtranking der bei Ausländern beliebtesten Länder zählt Brasilien. Vor allem die Sorgen um die persönliche Sicherheit, das löchrige Gesundheitssystem und die marode Wirtschaftslage, die auch die Beschäftigung der Expats bedroht, sorgen für einen Abstieg auf Platz 64 in diesem Jahr.

„Sorgenkind sind aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate“, sagt Malte Zeeck. Die Scheichtümer am Persischen Golf (VAE) haben stark verloren in allen fünf Kategorien und besonders große Punktverluste im Bereich „Arbeitsleben“ eingefahren. „Offenbar lässt aufgrund des gefallenen Ölpreises und einiger Entlassungen im Öffentlichen Sektor“ auch das Vertrauen in die Stabilität der VAE-Wirtschaft nach.“ Dazu komme, dass die persönliche Finanzsituation für Expats in Dubai, Katar und Abu Dhabi auch nicht mehr so komfortabel sei wie sie früher einmal war.

Das Füllhorn wird generell nicht mehr über ins Ausland entsendete Mitarbeiter ausgeschüttet, wissen Experten. Gab es früher zum Beispiel für Auslandsmitarbeiter in China reichlich Personal, vom Chauffeur über die Nanny für die Kinder bis zum Koch, um den Einsatz fern der Heimat zu versüßen, seien persönliche Fahrer heute eher aus Sicherheitsgründen in Ländern wie Mexiko oder Nigeria üblich, wo die Entführungsgefahr hoch ist. Hier geht´s zum Ranking.

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