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15.10.2015

10:48 Uhr

Investments in den Emerging Markets

Schwellenländer haben das Schlimmste hinter sich

VonJessica Schwarzer

Aus den Schwellenländern fließen Milliarden Dollar ab, die Aktienkurse sind auf Talfahrt. Doch wie lange noch? Wo lohnt der Einstieg? Wie viele Papiere aus den Emerging Markets gehören ins Depot. Anlageprofis geben Tipps.

Indien ist ein interessantes Land für Investoren, glauben Vermögensverwalter. ap

Eine Markthalle in Bangalore

Indien ist ein interessantes Land für Investoren, glauben Vermögensverwalter.

DüsseldorfDer Aderlass ist extrem. Die Börsen in den aufstrebenden Schwellenländern stehen massiv unter Druck. Der internationale Bankenverband IIF fürchtet, dass sich die Abflüsse aus den sogenannten Emerging Markets in diesem Jahr auf 540 Milliarden Dollar summieren werden. Keine guten Nachrichten für Anleger, die bereits jetzt auf hohen Verlusten sitzen.

Im laufenden Jahr hat der MSCI Emerging Markets gut zehn Prozent verloren und sich damit deutlich schlechter entwickelt als die meisten Indizes der Industrieländer. Auch auf Sicht von fünf oder zehn Jahren hinken die einstigen Börsenstars den Weltbörsen hinterher. Der jahrelange Börsenaufschwung ging an ihnen weitestgehend vorbei. Vor allem das schwächelnde Wirtschaftswachstum einiger Länder, vor allem Chinas und die Angst vor den Auswirkungen auf die Weltkonjunktur belasten.

Die vier größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

Stabile Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft hat ihr Wachstum im zweiten Quartal leicht beschleunigt – vor allem dank boomender Exporte und kauffreudiger Verbraucher. Während Rekordbeschäftigung, steigende Löhne und niedrige Inflation den Konsum auch künftig ankurbeln dürften, steht eine Fortsetzung des Exportaufschwungs auf wackligeren Beinen. Das sind die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft. (Quelle: Reuters)

China

Erst der Börsencrash, dann ein Exporteinbruch, jetzt eine Währungsabwertung: In China läuft es nicht mehr rund. In diesem Jahr droht das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert. Das sind schlechte Nachrichten für die deutsche Wirtschaft, hat sich die Volksrepublik doch zu einem ihrer wichtigsten Kunden entwickelt. Waren im Wert von 75 Milliarden Euro verkaufte sie 2014 dort – nur in Frankreich, den USA und Großbritannien setzte sie noch mehr um.

Schwellenländer

Auch in anderen großen Schwellenländern ist nach Jahren des Booms Ernüchterung eingetreten. Russland steckt auch durch die westlichen Sanktionen wegen des Vorgehens in der Ukraine in einer schweren Rezession. Brasilien macht der Preisrückgang bei vielen Rohstoffen zu schaffen, während Korruptionsskandale die Wirtschaft lähmen. Auch in der Türkei ist die Hoch-Zeit erst einmal vorbei. Etwa 40 Prozent der deutschen Exporte gehen inzwischen in die großen Schwellenländer. Die Flaute dort dämpft die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“.

Griechenland

Der klamme Staat ringt derzeit mit seinen internationalen Geldgebern um ein drittes Hilfspaket von rund 92 Milliarden Euro. Die dafür geforderten Sparmaßnahmen und Reformen drohen allerdings die Regierungspartei Syriza zu zerreißen, weshalb es noch in diesem Jahr zu Neuwahlen kommen könnte. Zwar gehen nicht einmal 0,5 Prozent der deutschen Exporte nach Griechenland. Doch eine verschärfte Debatte um einen Euro-Abschied könnte deutsche Unternehmen wegen der dann drohenden Marktturbulenzen verunsichern und zurückhaltender investieren lassen.

US-Zinswende

Im September wird wohl die US-Notenbank Fed erstmals seit Jahren ihren Leitzins anheben, erwarten die meisten Ökonomen. Weil Anlagen in der weltgrößten Volkswirtschaft damit attraktiver würden, könnten Investoren Geld aus vielen anderen Ländern abziehen – von Lateinamerika bis Asien. Dadurch drohen Turbulenzen an den Aktien- und Devisenmärkten, die Gift für Investitionen und Konsum sind. Zumal einige rohstoffreiche Länder wie Brasilien wegen der gefallenen Weltmarktpreise ohnehin unter Druck stehen. Die ohnehin lahmende Weltkonjunktur könnte dadurch weiter geschwächt werden – auch zum Schaden Deutschlands.

Doch Vermögensverwalter wollen die Region noch nicht abschreiben, im Gegenteil. „Generell sind fast alle Emerging Markets in Gruppenhaft genommen worden“, sagt Burkhard Wagner, Vorstand von Partners Vermögensmanagement. „Auch Märkte wie Mexico und Singapur, die über positive Rahmenbedingungen verfügen, werden mittlerweile abgestraft.“ Trotz aller konjunkturellen Sorgen bezweifelt er, dass es zu weiteren dramatischen Abflüssen aus der Region kommen wird. Und Thomas Retzlaff von Hallertauer Vermögensmanagement ist überzeugt, dass die Emerging Markets das Schlimmste bereits hinter sich haben.

Bernd Linke von der Hoppe Vermögensbetreuung erwartet in den kommenden Wochen ebenfalls keinen weiteren deutlichen Kursrückgang. „Sollte es dennoch dazu kommen, dürften sich die Auswirkungen auf die Aktienmärkte in Europa und den USA in Grenzen halten“, sagt er. „In diesen Märkten sind die jüngsten Turbulenzen der Schwellenländer, allen voran China, meines Erachtens bereits eingepreist beziehungsweise sogar übertrieben eingepreist.“ Ernst Heeman von der Heemann Vermögensverwaltung sieht ebenfalls keine großen Gefahren für die Emerging Markets, auch nicht trotz teils erheblicher Abflüsse. Die vier Vermögensverwalter messen sich mit ihren Portfolios beim Depot-Contest der Münchener DAB Bank.

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