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07.10.2016

17:02 Uhr

Mongolei

Warten auf den Wohlstand

VonStephan Scheuer

Die Mongolei galt als aufstrebende Rohstoffmacht. Der Staat verfügt über große Kupfer-, Kohle- und Goldvorkommen sowie Zink, Uran, Erdöl, Seltene Metalle und Erden. Doch der Boom ist vorbei. Ein Ortsbesuch.

Die Mongolei hat die fetten Rohstoffjahre nicht genug nutzen können. Diesen Fehler haben viele Schwellenländer gemacht. dpa

Dschingis Kahn

Die Mongolei hat die fetten Rohstoffjahre nicht genug nutzen können. Diesen Fehler haben viele Schwellenländer gemacht.

Ulan BatorIn grauen Schwaden zieht der dichte Rauch aus dem Energiekraftwerk Nummer vier in die Höhe. Es ist das größte Kohlekraftwerk der Mongolei und liefert rund zwei Drittel der Energie für die Hauptstadt Ulan Bator. Im Schatten der beiden Schlote breitet sich ein Geflecht umzäunter Fabriken aus. Matschige Wege schlängeln sich durch das Industriegebiet im Westen der mongolischen Hauptstadt. Vor allem Unternehmer aus China haben sich hier niedergelassen.

Denn die Volksrepublik ist der wichtigste Export- und Importpartner der Mongolei. Rund 90 Prozent der Ausfuhren gehen in das Milliardenreich und rund ein Drittel der Einfuhren kommt aus dem Nachbarland. China ist vor allem an den Rohstoffen der Mongolei interessiert. Der Binnenstaat zwischen China und Russland verfügt über große Kupfer-, Kohle- und Goldvorkommen sowie Zink, Uran, Erdöl, Seltene Metalle und Erden. Bodenschätze sind das wichtigste Exportgut des Landes. Das machte den Staat zu einem attraktiven Ziel für chinesische Unternehmen.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Eines davon führt Yang Hailong. Der 40-Jährige blickt von seinem Büro direkt auf die Kraftwerksschlote. Vorsichtig schlürft er heißes Wasser aus einer Tasse. Feiner Kohlestaub bedeckt seinen Schreibtisch, seinen Computer und die Zettelstapel vor ihm. "Die Chance auf das große Geld hat mich in die Mongolei gelockt", erzählt der Unternehmer. 2008 war das. China wurde von den Auswirkungen der globalen Finanzkrise gepackt.

Viele Chinesen drängten in die Rohstoffindustrie. Und Yang witterte eine Chance im Immobiliensektor. "Es gab eine Goldgräberstimmung. Überall wurde gebaut", beschreibt er die Stimmung in der Mongolei vor acht Jahren. Er gründete die Firma Jin Tan Sun Di, die sich auf die Herstellung von Glasfaserbeton spezialisierte. Das wichtige Produkt des Unternehmens sind Fertigwände, die aufgrund der eingebetteten Glasfasern besonders robust sind.

Für den Betrieb lief es hervorragend. Die Produkte waren gefragt. Getrieben vom Rohstoffboom strömten Investoren ins Land. Gleichzeitig stieg der Lebensstandard. Die Mongolei gehörte mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich real 14 Prozent von 2010 bis 2014 zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Welt. Im großen Stil wurden Immobilienprojekte auch für einkommensschwache Familien vorangetrieben. Sie sollten in Wohnungen in Hochhäusern umziehen. Das war zumindest die Vorstellung der Immobilieninvestoren.

Doch die Realität hält sich nicht an den Plan. Beflügelt vom Wirtschaftswachstum, verteilte die Regierung großzügige Steuergeschenke für ihre Wähler. 2012 nahm der Staat eine Rekordneuverschuldung von 7,7 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes auf. "Das Land hat sich als reich empfunden. Es wurde Geld ausgegeben, das noch gar nicht eingenommen worden war", sagt Laurenz Melchers, ein deutscher Pionierunternehmer in der Mongolei und Länderausschussvorsitzender beim Ostasiatischen Verein (OAV) in Hamburg. Im gleichen Jahr winkte das Parlament zudem ein neues Investitionsgesetz durch, das ausländische Unternehmen in Sektoren wie Bergbau und Finanzen mit strengen Regeln belegte. Politiker schürten Ängste vor einem Ausverkauf des Landes, besonders an China.

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