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25.10.2016

08:12 Uhr

Müll in Indonesien

Jenseits der Abfallberge

VonUrs Wälterlin

Die rasante Wirtschaftsentwicklung vieler Schwellenländer schafft ein neues Problem: Wohlstandsmüll. Die Ärmsten versuchen, als Müllsammler vom toxischen Unrat zu profitieren. Ein Ortsbesuch in Indonesien.

Die Ärmsten versuchen, vom Unrat zu profitieren. Anadolu Agency/Getty Images

Müllsammler auf Java

Die Ärmsten versuchen, vom Unrat zu profitieren.

YogyakartaMaja hasst Wegwerfwindeln. „Immer wenn ich eine Tüte aufreiße und eine drin ist, wird mir übel“, sagt die junge Frau. Zwischen Bergen von Plastikbeuteln, Blechdosen, Ananasschalen und Hühnerknochen sortiert sie von Hand, was für andere wertlos ist: Tonnen von Abfall. Alle paar Stunden lädt ein Laster eine Ladung ab im Hof der „Material-Wiederverwertungsstelle“ der Gemeinde Bayen-Kalasan in der indonesischen Stadt Yogyakarta.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Die Plastiktüten werden mit Haken zerrissen, Frauen wühlen durch den Inhalt mit dem Eifer von Schatzsucherinnen. Alles ist wertvoll. Trotz der Ansammlung von Müll und der tropischen Hitze riecht es kaum in der Halle. „Wir sind sehr sauber“, sagt Direktor Budi Isro'l stolz. Sein Projekt wurde von der deutschen Hilfsorganisation Borda ins Leben gerufen. Budi und seine fünf Mitarbeiterinnen haben dadurch nicht nur ein Einkommen gefunden - jede Angestellte verdient etwa 120 Euro pro Monat. Die sechs Müllsortierer stehen an der Front einer Bewegung, die für die Wegwerfgesellschaft Indonesiens geradezu revolutionär ist: Abfallverwertung als Geschäft.

Ob Plastik oder Blech: Alle Stoffe werden an kommerzielle Verarbeiter verkauft, organischer Abfall wird in hochwertigen Kompost umgewandelt. „Der Verkauf von Wertstoffen ist für unsere Mitarbeiter zu einer wichtigen Einkommensquelle geworden“, sagt Mila Noviana Dhari von Borda. Und eine Ausnahme. Gerade einmal 1,9 Prozent des Mülls in Indonesien werden sortiert und wiederverwertet. Der Rest landet auf der Deponie. Oder im Wasser.

Mit Wohlstand kommt Müll 30 Meter hinter dem Müllzentrum, auf der Brücke über einem Bach, stinkt es extrem. Wasser ist vor lauter Plastiktüten, gefüllt mit Haushaltsabfällen, an denen sich Maden und Ratten satt fressen, kaum zu sehen. „50 bis 60 Prozent des Abfalls in Indonesien sind organisch“, sagt Budi Isro'l, „er könnte also kompostiert werden.“ Doch das größte Problem sei Plastik. Es dauert Hunderte von Jahren, bis eine Tüte abgebaut ist. „Für unsere Umwelt eine Katastrophe. Aber den Leuten ist das egal“, erzählt der Manager. „Die fahren auf die Brücke und werfen ihre Abfalltüten in den Bach, ohne aus dem Wagen zu steigen.“

Kommentare (1)

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25.10.2016, 10:01 Uhr

Der Müll ist nicht Schuld an der Armut. Der Müll gibt den Armen eine Aufgabe und etwas Einkommen für das Überleben in Indonesien oder auch wo anders auf dieser Welt. Wie bei uns die Pfandflaschen - Schrott- oder sonst welche Sammler und Verwerter auch.
Das Problem in Indonesien ist die Poltiik. Eine Politik die zu wenig Bildung und Ausbildung vermittelt. Die mehr Unternehmen und den Mittelstand fördern muss um genügend gut bezahlte Arbeitsplätze für das Volk zu generieren.
Es ist immer die Politk die am Mangel und der Armut einer Gesellschaft Schuld trägt.

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