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10.10.2016

08:36 Uhr

Nigeria

Vom Star zum Notfallpatienten

VonWolfgang Drechsler

Die Staatseinnahmen Nigerias hängen zu 75 Prozent vom Öl ab. Die Halbierung des Ölpreises trifft das Land ins Mark. Zudem sind Raffinerien so marode, dass der Ölproduzent selbst auf teure Benzineinfuhren angewiesen ist.

Nigerianische Arbeiter der Akon Oil Company gehen an einer lodernden Flamme an einer Öl-Leitung im Niger-Delta in der Nähe von Port Harcourt vorbei. dpa

Öl-Industrie in Nigeria

Nigerianische Arbeiter der Akon Oil Company gehen an einer lodernden Flamme an einer Öl-Leitung im Niger-Delta in der Nähe von Port Harcourt vorbei.

AbujaNirgendwo in Afrika klaffen Anspruch und Realität weiter auseinander als in Nigeria, dem mit rund 175 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents. Spätestens seitdem das Land Südafrika vor drei Jahren als größte Volkswirtschaft in Afrika überholt hat, war der Ölstaat Liebling von Unternehmensberatern. Doch mit dem Absturz des Ölpreises und dem damit verbundenen Niedergang wird klar, dass das Land es seit Jahrzehnten versäumt hat, seine vom Öl abhängige Wirtschaft zu diversifizieren.

Die Staatseinnahmen hängen zu 75 Prozent vom Öl ab. Da trifft die Halbierung des Ölpreises seit Mitte 2014 das Land ins Mark. Zumal die Ölproduktion auf derzeit nur noch 1,4 Millionen Barrel am Tag und damit um fast ein Drittel gesunken ist. Ein Grund sind die Sabotageakte militanter Gruppen im Nigerdelta, der Schatzkammer des Landes.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Der Zustand seiner Raffinerien ist symptomatisch für die Lage des Landes. Sie sind seit langem derart marode, dass der weltweit achtgrößte Ölproduzent paradoxerweise auf teure Benzineinfuhren angewiesen ist. Schätzungen gehen zudem davon aus, dass bis vor kurzem rund die Hälfte der Erdöleinnahmen in privaten Taschen versickert ist - mutmaßlich Hunderte von Milliarden Dollar seit Entdeckung der Ölfelder im Nigerdelta in den frühen 1970er-Jahren.
Die Folgen der einseitigen Ausrichtung sind verheerend: Nach einem Wachstum von fast sieben Prozent 2014 prognostiziert der Internationale Währungsfonds nun für dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaft um bis zu zwei Prozent. "Die gesamte Wirtschaft ist von der Ölindustrie nach unten gezogen worden", sagt John Ashbourne von Capital Economics in London. "Jeder Motor stottert."

Anders als Russland, Angola oder Kasachstan hatte sich die nigerianische Zentralbank bis Ende Juni mit Macht an den Dollar geklammert. Als sie die Bindung im Juni dann doch kappte, rauschte die Landeswährung Naira postwendend um 30 Prozent in die Tiefe - und hat sich seitdem kaum erholt.

Angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs hat die im vergangenen Jahr neu gewählte Regierung von Ex-General Muhammadu Buhari erneut eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft versprochen. Mehr Geld soll in Landwirtschaft und Infrastruktur fließen. Das nötige Kapital will seine Regierung an den derzeit kaum interessierten Finanzmärkten aufnehmen.

Vor der angestrebten Emanzipation von der Ölabhängigkeit stehe dem Land aber ein langer, schmerzhafter Anpassungsprozess mit Inflationsraten von mehr als 20 Prozent und politischer Unruhe ins Haus, glaubt Chris Becker von der südafrikanischen Investec-Bank. Nach den verschenkten Jahren seit der Unabhängigkeit sei der Aufholbedarf enorm, vor allem bei der Stromversorgung.  Obwohl Nigeria inzwischen fast ebenso viele Einwohner wie Brasilien hat, produziert es weniger als fünf Prozent des Stroms.

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