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22.05.2014

16:31 Uhr

Pause im Reich der Mitte

Der Beutezug wird vertragt

Chinesische Firmen planen aufgrund der zurückgehenden Konjunktur derzeit deutlich weniger Übernahmen in Europa – sie haben derzeit ganz andere Sorgen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Montage bei Sany in China: Das Unternehmen ist durch die Übernahme der deutschen Firma Putzmeister bekannt geworden. Reuters

Montage bei Sany in China: Das Unternehmen ist durch die Übernahme der deutschen Firma Putzmeister bekannt geworden.

PekingChinesische Unternehmen verlieren derzeit überraschend schnell die Lust auf Zukäufe in Europa. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Warth & Klein Grant-Thornton zufolge ist die Zahl der Firmen, die in diesem Jahr durch Zukäufe wachsen wollen, um 18 Prozent gesunken. „Die aktuell zurückgehende Konjunktur sorgt dafür, dass Unternehmen solche Investitionen aufschieben“, erläutert Hanno Hepke, der die Studie geleitet hat.

In den vergangenen Jahren hatte eine Reihe von hochkarätigen Übernahmen aus Fernost den Eindruck erweckt, dass die chinesische Industrie mit ihren vollen Kassen zu einem regelrechten Beutezug durch den deutschen Mittelstand ansetzt. Der traditionsreiche Betonpumpenhersteller Putzmeister fiel an das Baumaschinen-Konglomerat Sany aus Zentralchina. Wichtige Teile des Hydraulik-Spezialisten Linde gingen an Weichai Power aus der Provinz Shandong.

Doch in diesem Jahr muss das Reich der Mitte offenbar Pause machen. Das Interesse an direkten Zukäufen ist deutlich zurückgegangen, das spüren auch Anwaltskanzleien und Investment-Fördergesellschaften in Peking, die chinesische Firmen bei solchen Transaktionen beraten. Ein wesentlicher Grund für die rückläufigen Anfragen sind aus Sicht eines Investment-Beraters die Verschiebungen im Verhältnis der Wechselkurse. Der Euro hat sich etwas erholt, während der chinesische Yuan gefallen ist. Übernahmen werden dadurch schlicht teurer.

Brics - die wichtigsten Fakten

Wirtschaftsmacht

Die fünf führenden Schwellenländer, das sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, stehen für 21 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Dynamik ist enorm: Sie haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht.

Bevölkerung

43 Prozent der Weltbevölkerung leben in den Brics-Staaten. Allein in China und Indien leben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

Währungsreserven

Zusammen kommen die Staaten auf die gigantische Summe von 4,4 Billionen Dollar. China sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt.

Handel

Der Handel zwischen den Brics-Staaten erreichte 2012 einen Wert von 282 Milliarden Dollar. Bis 2015 dürfte er auf 500 Milliarden Dollar steigen, sagen Experten voraus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 27,3 Milliarden Dollar.

Wohlstandsgefälle

Obwohl alle Brics-Staaten kräftig wachsen, sind die Unterschiede sehr groß. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr in China 6094 Dollar, in Brasilien 12.340 Dollar, in Russland 13.765, in Indien 1592 Dollar und in Südafrika 7.636 Dollar.

Die chinesischen Unternehmen sind vor allem an Schnäppchen in Europa interessiert. Die Regierung drängt die Wirtschaft des Landes einerseits dazu, ins Ausland zu gehen: Die Firmen sollen internationaler werden und raffiniertere Produkte anbieten. Die Firmen können sich das aber nicht zu jedem Preis leisten. In China bröckelt derzeit die Konjunktur. Die neuen Wachstumszahlen, die am Mittwoch bekannt werden, werden vermutlich ein sehr schwaches erstes Quartal zeigen. In unsicheren Zeiten will sich keiner zusätzlich eine teure, langwierige und mühsame Übernahme ans Bein hängen.

Problematisch ist aber auch die Finanzierung. Denn Kredite sind in China nun schwerer zu bekommen - die Banken des Landes haben bereits viel zu viel Geld verliehen und werden derzeit vorsichtig bei der Finanzierung neuer Kredite. Auch Provinzregierungen, die Zukäufe bisher konsequent unterstützt haben, haben weniger Spielraum, um große Geschäfte einzufädeln. Hintergrund ist in beiden Fällen die Politik der Regierung in Peking. Sie will die Risiken im Finanzsystem verringern und den Schuldenstand der Wirtschaft verringern.

Der Trend habe umgekehrt auch Auswirkungen auf Deutschland, sagt Berater Hepke von Warth & Klein Grant-Thornton. "Firmen, die darauf hoffen, ihr Know-how zu einem guten Preis an solvente Wettbewerber aus China zu verkaufen, müssen sich daher noch gedulden." Gerade für Mittelständler mit Nachfolgeproblemen ist die Option eines Verkaufs nach Fernost zu einer immer attraktiveren Option geworden. Das Unternehmen lässt sich so in liquide Mittel überführen und bekommt zudem eine neue Wachstumsperspektive auf dem chinesischen Markt.

Von

fmk

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