Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.06.2016

19:16 Uhr

Reformankündigung

Indien öffnet sich für Investoren

VonFrederic Spohr

Regierungschef Modi will verlorenes Vertrauen bei Unternehmern im Ausland zurückgewinnen. Bei seiner Ankündigung sparte er nicht mit großen Worten und twitterte: „Indien ist damit die offenste Volkswirtschaft der Welt.”

Narendra Modi: Indiens Regierungschef zelebriert den Yoga-Tag. dpa

Indian Prime Minister Narendra Modi attends second International

Narendra Modi: Indiens Regierungschef zelebriert den Yoga-Tag.

BangkokTief entspannt meditierte Indiens Regierungschef Narendra Modi am Dienstag inmitten tausender Freiwilliger im nordindischen Chandigarh. Im Schneidersitz legte er die Hände zusammen und schloss die Augen. Indien feierte den von Modi ins Leben gerufene Yoga-Tag – und der Politiker rief zur globalen Entspannung auf.

Mit einer gewaltigen Reformankündigung hatte Modi am Tag davor auch ein Beruhigungssignal an die Wirtschaft gesendet: Bereits zum zweiten Mal in seiner Amtszeit erleichtert der Regierungschef Direktinvestitionen. Künftig dürfen ausländische Firmen 100 Prozent von Rüstungsunternehmen, nationalen Fluggesellschaften und Nahrungsmittelherstellern übernehmen. Auch in anderen Branchen werden die Hürden für Investitionen gesenkt. So dürfte es für Unternehmen wie den amerikanischen Hersteller Apple bald leichter werden, eigene Shops auf dem Subkontinent zu eröffnen — ein Projekt, für das Apple-Chef Tim Cook kürzlich höchst persönlich bei Modi vorgesprochen hatte.

Wachstumsmarkt: Wird Indien das neue China?

Wachstumsmarkt

Wird Indien das neue China?

In Indien herrscht Wachstumseuphorie – zumindest auf Seiten der Inder. Neu-Delhi plant gewaltige Infrastrukturprojekte, deutsche Investoren bleiben jedoch skeptisch: Die Probleme des Landes sind nach wie vor riesig.

Bei seiner Ankündigung sparte der Regierungschef nicht mit großen Worten. „Indien ist damit die offenste Volkswirtschaft der Welt”, twitterte Modi. „Durch diesen Schritt wird es einen gewaltigen Schub für Beschäftigung und Infrastruktur geben.“ Die Beruhigungspille war allerdings bitter nötig: Am Wochenende hatte der bei Investoren und Managern extrem geschätzte Notenbankchef Raghuram Rajan verkündet, er werde im September zurück in die Wissenschaft wechseln und keine zweite Amtszeit übernehmen — auch, weil er für seine Politik nicht mehr die Rückendeckung der Regierung spürte.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Der als „Liebling der Investoren” und „Rockstar” gefeierte Geldpolitiker hatte wiederholt auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme des Subkontinents hingewiesen. Immer wieder drängte er auf Strukturreformen und eine strengere Haushaltspolitik. Während sich die Regierung gerne wegen eines Wachstums von 7,6 Prozent im vergangenen Jahr immer wieder als die dynamischste Volkswirtschaft lobt, blieb Rajan stets nüchtern. Indien sei nur „ein einäugiger König im Reich der Blinden“, sagte er einmal trocken. Den Gefallen, das Wachstum mit niedrigen Zinsen weiter anzukurbeln, machte der Notenbanker seiner Regierung freilig nicht. „Rajan gab der indischen Notenbank Glaubwürdigkeit und es gibt keinen Nachfolger von seiner Statur in Sichtweite”, urteilt beispielsweise das japanische Bankhaus Nomura.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×