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13.04.2015

09:33 Uhr

Risikomanagement

Ins Abseits gestellt

VonMalte Laub

Ukraine-Krise, niedriger Ölpreis, fallender Rubel: Die Zweifel an Russland wachsen. Kreditversicherer erwarten Insolvenzen und Zahlungsausfälle.

Es ist ein hohes Risiko, in Russland aktiv zu sein, meinen Experten. dpa

Es ist ein hohes Risiko, in Russland aktiv zu sein, meinen Experten.

KölnDer saudische König fand lobende Worte: Das Rahmenabkommen mit dem Iran über dessen Atomprogramm sorge für „Stabilität und Sicherheit in der Region“. Mit diesen Worten wird Salman ibn Abd al-Aziz aus einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama zitiert. Die Vereinbarung mit dem Iran, wenngleich von Israel kritisiert, erscheint als seltener Lichtblick in einer Zeit, da politische und wirtschaftliche Krisen die Nachrichtenlage beherrschen, wie es zuvor lange nicht mehr der Fall war.

In Irans Nachbarschaft treibt der sogenannte Islamische Staat sein Unwesen, aus Nigeria kommen immer wieder Meldungen über Verbrechen der Terrorgruppe Boko Haram, in Syrien herrscht weiter Bürgerkrieg, und Europa wird ganz unmittelbar vom Konflikt in der Ostukraine in Atem gehalten. Die Krisenherde nehmen tendenziell zu: Zwölf Länder hat der Versicherungsmakler Aon Risk Solutions in seiner aktuellen Weltkarte der politischen Risiken schlechter bewertet als noch 2014. Nur acht Länder konnten ihr Ranking verbessern.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

„Wenn Krisen auftreten, werden Unternehmen vorsichtig, das merken wir sofort“, sagt Jochen Böhm, Chef der Risikoprüfung für Nordeuropa und Russland der Kreditversicherung Coface. Auch Nils Retkowski, bei der Risikomanagementberatung Result Group für das operative Geschäft zuständig, spürt die Auswirkungen: „Die mediale Aufmerksamkeit, die die Krisen derzeit erregen, bringt das Thema Sicherheit jetzt auf den Tisch.“ Unternehmen würden nicht zuletzt auf Druck ihrer Mitarbeiter vermehrt Wert auf Sicherheitsvorkehrungen legen, bevor sie Auslandsgeschäfte oder Reisen planten. Besonders die Situation in der Ukraine und ganz aktuell im Jemen habe die Unternehmen verunsichert.
„Die Ukraine-Krise gehört zu den größten Krisen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben“, sagt Coface-Experte Böhm. Längst habe sie durch die Sanktionen des Westens, aber auch durch das undurchsichtige Vorgehen des Kremls wirtschaftliche Auswirkungen auf Russland – und dort tätige Unternehmen. „Es ist ein hohes Risiko, in Russland aktiv zu sein. Wir haben bereits eine hohe Anzahl an Zahlungsausfällen und Schadensfällen“, sagt Böhm. Besserung sieht er kurzfristig nicht.
Für dieses Jahr erwartet Böhm sogar, dass zehn Prozent mehr Unternehmen in Russland zahlungsunfähig werden als noch 2014. Entsprechend hat Coface Russland in seiner aktuellen Erhebung des Wirtschaftsumfelds auf die zweitschlechteste Note C abgewertet. Auch Aon bescheinigt dem Land ein gestiegenes Risiko für Unternehmenspleiten, nicht zuletzt auch durch den sinkenden Ölpreis und den Verfall des Rubels.
Das weckt grundsätzliche Überlegungen: Russland sei derzeit ein vieldiskutiertes Thema bei Coface, erläutert Böhm. Zwar habe das Land langfristig ein hohes wirtschaftliches Potenzial. Beim Kreditversicherer stelle man sich derzeit aber die Frage, inwieweit das politische Risiko kalkulierbar bleibe – und wie lange man Unternehmen weiter in der bisherigen Form absichern könne, sagt Experte Böhm.

Kommentare (1)

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Herr peter Spirat

13.04.2015, 09:49 Uhr

Der saudische König fand lobende Worte: Das Rahmenabkommen mit dem Iran über dessen Atomprogramm sorge für „Stabilität und Sicherheit in der Region“.
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Nur dadurch, dass sich die Saudis gut mit dem IRAN sicher stellen, können sie iwi überleben. IRAN wird wieder zu Persien werden und wer sich dem in den weg stellt, wird bald nicht mehr da sein. Das hat ja selbst schon ISrael begriffen.

Besonders erfreulich finde ich aber, dass iranische Kampf-Jäger verstärkt ISraelisches Gebiet überfliegen. Offiziell ja, um einsätze gegen IS zu fliegen. Aber die Wahrheit ist oft erst auf der 2. ebene zu finden.

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