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09.06.2014

14:50 Uhr

Schwache Währungen im Ausland

Banger Blick auf Wechselkurse

VonMathias Peer

Exporteure leiden in vielen Schwellenländern unter Währungsabwertung. Dann müssen sie ihre Preise erhöhen oder auf einen Teil ihres Gewinns verzichten. Die Absicherung über Finanzprodukte wird zunehmend komplexer.

Die indische Rupie verlor im vergangenen Jahr zeitweise über 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar. dpa

Die indische Rupie verlor im vergangenen Jahr zeitweise über 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar.

BangkokWechselkurse begleiten Kai Bentz Tag für Tag: Alle paar Stunden wischt der Finanzvorstand des Maschinenbauers LPKF mit Sitz in Garbsen bei Hannover über sein Smartphone. Eine Finanz-App zeigt ihm, wo der Euro gerade steht. Nicht nur der Vergleich zu Dollar und Yen ist für Bentz interessant: Vom chinesischen Yuan bis zum brasilianischen Real stehen auch Währungen der Schwellenländer im Fokus des Finanzfachmanns. Denn deren Entwicklungen haben großen Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens.

Über 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet der TecDax-Konzern im Ausland. Ein großer Teil der Exporte verlässt den Euro-Raum: Weltweit vertreiben Distributoren Laser-Technik der Niedersachsen rund um den Globus - von Brasilien und Venezuela über Indien und Südafrika bis China, Thailand und Malaysia. „Wenn es relevante Kursbewegungen gibt, reagieren wir innerhalb weniger Stunden“, sagt Bentz.

LPKF rechnet zwar meist in Euro ab. Die Nachfrage wird aber entscheidend von den Kursen beeinflusst. Diese waren zuletzt in zahlreichen Schwellenländern unter Druck: Die indische Rupie verlor im vergangenen Jahr zeitweise über 20 Prozent ihres Werts gegenüber dem US-Dollar. Der brasilianische Real brach 2013 um über 13 Prozent ein. Anfang dieses Jahres fiel die türkische Lira auf ein neues Rekordtief. Auch der südafrikanische Rand war im Januar so schwach wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Währungsturbulenzen in Schwellenländern

Türkei

Mit einer drastischen Zinserhöhung hat sich die türkische Notenbank gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Der Satz, zu dem sich die Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, wurde am Dienstagabend von 7,75 auf 12,0 Prozent angehoben. Der eigentliche Leitzins wurde auf 10 Prozent angehoben von zuvor 4,5 Prozent. Damit soll der Abfluss an ausländischem Kapital gestoppt werden, der die Lira auf ein Rekordtief zum Dollar gedrückt hatte.

Südafrika

Die Zentralbank hob ihren Leitzins wenige Stunden nach der türkischen Entscheidung überraschend auf 5,50 Prozent an, nachdem er lange Zeit auf dem 40-Jahres-Tief von 5,0 Prozent verharrt hatte. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass er in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und nicht zögern zu handeln, sollte dies erforderlich sein", sagte Notenbankchefin Gill Marcus. Der Rand war zuletzt so billig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Höhere Zinsen könnten aber der erlahmenden Konjunktur weiter zusetzen.

Brasilien

Die Notenbank hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Indonesien

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Das macht Importe teurer, was die Inflation ebenso nach oben zu treiben droht wie das Handelsdefizit. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, "wachsam" zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Indien

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Eine weitere Erhöhung ist vorerst nicht geplant. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Vom Inflationsziel sei Indien derzeit "sehr weit entfernt", sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Thailand

In dem von politischen Unruhen erschütterten Land hat die Zentralbank im November die Zinsen gesenkt. Sie schreckte im Januar aber vor einer weiteren Kappung zurück. Als Grund für die Zurückhaltung gilt die Furcht, dass die politische Instabilität die Kapitalflucht verstärken könnte.

Ungarn

Notenbankchef György Matolcsy und sein Team haben den Leitzins im Januar auf das Rekordtief von 2,85 Prozent gesenkt. Obwohl die Währungshüter Spielraum für eine weitere Kappung signalisierten, dürften sie laut Experten vom Schwächeanfall des Forint zu einer Zinswende gezwungen werden.

Russland

Der Außenwert der Landeswährung hat dieses Jahr bereits fünf Prozent eingebüßt. Die Notenbank musste schätzungsweise zehn Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufwenden. Notenbankchefin Elvira Nabiullina ist gewillt, den Kurs notfalls mit allen Mitteln zu stabilisieren. Denn Russland gilt als gebranntes Kind: In der durch massive Kapitalflucht ausgelösten Rubel-Krise von 1998 hatten die Bürger ihre Konten massenweise geräumt.

Die Währungsabwertung bedeutet für deutsche Exporteure: Sie müssen in den jeweiligen Märkten entweder ihre Preise erhöhen und drohen dadurch im Wettbewerb mit lokalen Konkurrenten ins Hintertreffen zu geraten. Oder sie verzichten auf einen Teil ihres Gewinns, der nach der Umrechnung in Euro übrig bleibt. Eine Vielzahl heimischer Unternehmen war von den Schwierigkeiten betroffen: Für den Motorsägenhersteller Stihl ist Brasilien einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Doch obwohl das Unternehmen seine Verkäufe steigern konnte, wuchsen die Umsätze aufgrund der schwachen brasilianischen Währung deutlich langsamer, wie das Unternehmen Ende April mitteilte. Weltweit machten negative Währungseffekte zu schaffen: Zwar wuchs der Stihl-Umsatz um 1,4 Prozent. Zu den Wechselkursen des Vorjahres wäre er jedoch um fünf Prozent gestiegen.

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