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21.05.2015

11:20 Uhr

Schwellenländer im Anlagecheck

Indien hui, Brasilien pfui

VonKatharina Schneider

Sie sollten die Industriestaaten in den Schatten stellen, doch nur zwei der verheißungsvollen „Bric“-Staaten können wirklich begeistern. Wie Anleger an ihrem Wachstum teilhaben – und was sie meiden sollten.

... doch das Land ist nicht mehr Anlegers Liebling. ap

Brasilien im Blick ...

... doch das Land ist nicht mehr Anlegers Liebling.

FrankfurtWenn Finanzprofis über die Erfolgsaussichten einer Anlagestrategie diskutieren, scheint ein hitziges Wortgefecht schon programmiert. Schließlich basieren solche Bewertungen nicht nur auf allgemein verfügbaren Daten, sondern auch auf persönlichen Hochrechnungen und Interpretationen. Bei der Frage, ob sich ein Investment in die Bric-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – noch lohnt, fallen die Meinungen von Vermögensverwalter Andreas Grünewald, Alexander Mast von der Deutschen Asset und Wealth Management und Klaus Schrüfer von der Santander Asset Management jedoch sehr ähnlich aus. Bloß bei der Frage der Umsetzung zeigen sich Unterschiede.

Geprägt wurde der Begriff der Bric-Staaten durch Jim O’Neill, den ehemaligen Chefvolkswirt der US-Großbank Goldman Sachs. Er verwendete ihn bereits vor mehr als 13 Jahren und setze darauf, dass die Wirtschaftsleistung dieser vier Länder jährlich um fünf bis zehn Prozent wachsen würde. Schon bald sollten sie die Bedeutung der USA und Europas übertreffen. Diesem Wachstumsanspruch wurden jedoch nicht alle Länder gerecht. Nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist das reale Bruttoinlandsprodukt in Brasilien zwischen 2001 und 2014 um 54 Prozent gewachsen, in Russland um 68 Prozent, in Indien um 153 Prozent und in China um 241 Prozent.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Auch die Kurse der jeweiligen Aktien-Leitindizes spiegeln das wider. So hat der brasilianische Leitindex Bovespa auf Sicht der vergangenen fünf Jahre einen Verlust von etwa elf Prozent verzeichnet, der russische RTS-Index büßte sogar nahezu 30 Prozent ein. Ganz anders dagegen das Bild in Indien: Der Sensex legte mehr als 55 Prozent zu. Und auch der chinesische Hang Seng hatte einen Zuwachs von deutlich mehr als 30 Prozent. Schon dieser einfache Vergleich zeigt: Die Bric-Staaten haben kein gemeinsames Tempo mehr und sie haben sich deutlich auseinanderentwickelt. Zum Vergleich: Der Dax hat im selben Zeitraum mehr als 80 Prozent zugelegt, der Dow Jones mehr als 65 Prozent.

Als besonders vielversprechend gelten aktuell bloß noch Indien und China – und das hat kürzlich sogar Jim O’Neill eingestanden: Es sei gut vorstellbar, dass von Bric nur noch ein „IC“ übrig bleibe. Brasilien konnte die Anleger zuletzt nicht mehr überzeugen, auch wenn sich die Aktienkurse im April deutlich erholt haben.

„Das Land befindet sich momentan im Umbruch“, sagt Klaus Schrüfer, Chef-Marktstratege der Santander Asset Management. „In den vergangenen Jahren wurde versucht, den Konsum im Inland über Kredite anzutreiben, doch das funktioniert gegenwärtig nicht mehr.“ Hinzu kamen Probleme wie der Korruptionsskandal um den Ölkonzern Petrobras, der auch das Ansehen der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff belastet.

Wenig positive Meldungen kommen für Anleger auch aus Russland. „Das Land hat ähnliche – aber gravierendere – strukturelle Probleme wie Brasilien: starke Abhängigkeit vom Ölpreis und zu wenig Investitionen aufgrund von staatlicher Regulierung und politischen Risiken. Das hemmt ausländische Direktinvestitionen.“, sagt Alexander Mast, Leiter Württemberg bei der Deutsche Bank Asset und Wealth Management. Hinzu komme die enorme Belastung durch die Ukraine-Krise und die daraus resultierenden Wirtschaftssanktionen. „Im laufenden Jahr 2015 rechnen wir in Russland mit einem negativen Wirtschaftswachstum von 5,2 Prozent“, so Mast.

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