Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.09.2016

15:45 Uhr

Slowakei

Goldene Zeiten dank Auto-Boom

VonHans-Peter Siebenhaar

Erfolgsfaktor Autobranche: Die Slowakei verzeichnet Wachstumsraten, die weit über dem EU-Durchschnitt liegen. Doch Arbeitskräftemangel und Korruption belasten ausländische Konzerne. Ein Boom mit Schattenseiten.

Neben dem Fachkräftemangel machen die weit verbreitete Korruption, Rechtsunsicherheit und Bürokratie den Unternehmen zu schaffen. Getty Images

Geschäfte mit Hindernissen

Neben dem Fachkräftemangel machen die weit verbreitete Korruption, Rechtsunsicherheit und Bürokratie den Unternehmen zu schaffen.

BratislavaDie beschauliche Provinzstadt Nitra, rund eine Autostunde von der slowakischen Hauptstadt Bratislava entfernt, hat die Goldgräberstimmung erfasst. Der Immobilienmarkt erlebt einen rasanten Boom. Auslöser dafür ist der britische Autokonzern Jaguar Land Rover. Denn die Tochter der indischen Tata Motors hat kürzlich den Grundstein für die neue Autofabrik in der sechstgrößten Stadt der Slowakei gelegt.

Vier Thesen zur globalen Machtwende

Der globale Südgürtel

Asien, Lateinamerika und Afrika formieren sich: Die Länder des globalen Südens bilden neue Allianzen und zeigen ungeahnte Stärke. Durch Digitalisierung und Globalisierung konnten diese Regionen in rasantem Tempo aufholen und befinden sich in etlichen Bereichen bereits vor den USA und Europa.

Afrika – Asien – Lateinamerika

Allen voran China, zeigen die bisher als Entwicklungsländer belächelten Nationen in Asien, Lateinamerika und Afrika eine Wirtschaftskraft, die den Westen überrascht. Zwischen China, Afrika und Lateinamerika ist ein Dreieck politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit entstanden. In Asien wird sich die „Seidenstraße“ China als neues Zentrum des Welthandels etablieren.

China, der »Game Changer«

China setzt die neuen Regeln fest. Ob in Asien, Afrika, Südamerika oder Europa und sogar der Antarktis: China baut seine Vormachtstellung aus und kontrolliert immer größere Bereiche des Welthandels und Finanzsystems. Auch in Forschung und Entwicklung erleben wir ein neues, innovatives China. Schon bald werden sich die Verhältnisse umkehren: in China entwickelt, in Europa produziert.

Städte – die globalen Akteure

Bald werden 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dieses Wachstum wird sich auf die heutigen Entwicklungsländer konzentrieren, allen voran Lateinamerika. In den Städten werden auch 80 Prozent des weltweiten BIP produziert werden. Städte werden schon bald eine Größe und Macht erreicht haben, dass sie wie Quasi-Staaten agieren und globale Bedeutung erlangen werden.

Doris Naisbitt

Doris Naisbitt ist Direktorin des Naisbitt China Institute, Kolumnistin, Autorin zweier Bestseller für Chinas Jugend, und mit John Naisbitt Koautorin des Bestsellers Chinas Megatrends, Innovation in China and China Model. Doris Naisbitt ist Ehrendoktorin der Pukyong National Universität, Korea, und Gastprofessorin an der Beijing Foreign Studies Universität.

John Naisbitt

John Naisbitt rangierte mit „Megatrends“ zwei Jahre an der Spitze der Bestsellerliste der New York Times, meist als Nummer Eins. Seine in viele Sprachen übersetzten Bücher erreichen ein Millionenpublikum. John Naisbitt wirkte als Topmanager in Weltkonzernen, war Berater Lyndon B. Johnsons und stellvertretender Erziehungsminister unter Kennedy. Er ist gefragter Redner und hält 21 Ehrendoktorate.

Quelle

„Machtwende - Wie die Länder des globalen Südgürtels unsere Welt verändern werden“, von John und Doris Naisbitt.
382 Seiten, Hardcover
Erschienen am 18. Juni 2016
Goldegg Verlag Berlin & Wien
ISBN 978-3-903090-12-5

Der slowakische Premier Robert Fico ließ es sich nicht nehmen, persönlich bei der Zeremonie dabei zu sein. Denn schließlich werden in die neue Fabrik knapp 1,2 Milliarden Euro investiert, um ab Ende 2018 jährlich 150.000 Auto zu produzieren. „Der Baubeginn in der Slowakei steht für den Beginn einer neuen Phase in unserem Plan, aus Jaguar Land Rover einen wahrhaft globalen Autohersteller zu machen“, sagte Ralf Speth, CEO von Jaguar Land Rover, in Nitra. Ende nächsten Jahres soll nach Unternehmensangaben mit der Einstellung der 2.800 Mitarbeiter begonnen werden. In der gesamten Region Nitra werden inklusive der Zulieferer 10.000 neue Jobs geschaffen. Premier Robert Fico ist stolz auf sein Autoland. „Die Investitionen von diesem Ausmaß werden sich nicht nur für die Zukunft der Region Nitra positiv auswirken, sondern auch für die gesamte Slowakei“, sagte der Linkspopulist zuletzt.

Ende einer Ära: Verschläft der Westen die Machtwende?

Ende einer Ära

Verschläft der Westen die Machtwende?

Die Schwellenländer des globalen Südgürtels, die noch Turbulenzen zu bewältigen haben, werden auf lange Sicht die wirtschaftliche Weltkarte verändern. Wird sich der Westen der neuen Ordnung stellen? Ein Gastbeitrag.

Tatsächlich ist der junge Staat, der erst 1993 durch die Abtrennung von Tschechien entstand und seit 2004 EU-Mitglied ist, zum boomenden Autostandort mutiert. Rund 40 Prozent der gesamten industriellen Exporte entfallen auf die Autobranche. Volkswagen ist mit einem Werk am Stadtrand von Bratislava einer der größten Arbeitgeber des kleinen Landes.

Die Wolfsburger haben in den letzten vier Jahren 1,5 Milliarden Euro in der Slowakei investiert. Allein im vergangenen Jahr wurden für die Produktion im Karosseriebau des Audi Q7 rund 600 Millionen Euro investiert. In Bratislava werden vor allem SUVs für Volkswagen, Audi und Porsche sowie Kleinwagen für VW, Skoda und Seat gefertigt. Ab Ende 2017 soll der Porsche Cayenne in Bratislava komplett vom Band laufen.

Der Boom des Autolandes Slowakei hat auch Schattenseiten. Facharbeiter werden überall zur Mangelware. „Der Fachkräftemangel wird jetzt natürlich noch zunehmen“, sagte Markus Halt, Vize-Geschäftsführer der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer in Bratislava dem Handelsblatt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×