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22.05.2014

11:31 Uhr

Tool der Woche

Indien als neuer Börsenstar

VonJürgen Röder

Die Wahl des neuen Premierministers in Indien hat den Aktienmarkt auf dem Subkontinent kräftig durcheinandergewirbelt. Experten erwarten weitere Kursgewinne. Wie Anleger vom Boom profitieren können.

Aufbruchstimmung: Wird die neue Regierung in Indien das Land mit Reformen wieder auf einen Wachstumskurs trimmen? Für Investoren beginnt jetzt nach der Wahl die spannende Phase. Getty Images

Aufbruchstimmung: Wird die neue Regierung in Indien das Land mit Reformen wieder auf einen Wachstumskurs trimmen? Für Investoren beginnt jetzt nach der Wahl die spannende Phase.

DüsseldorfWährend die europäischen Aktienmärkte seit Jahresanfang mehr oder weniger seitwärts tendieren, herrscht in Indien Aufbruchstimmung. Der älteste und wichtigste Aktienindex auf dem Subkontinent, der Bombay Stock Exchange (BSE) Sensex, ist seit Anfang Januar dieses Jahres um mehr als 15 Prozent gestiegen – davon mehr als zehn Prozent allein im Mai. Der Dollarkurs der Rupie kletterte auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr.

Hintergrund dafür ist die Politik. Denn Indien hat einen neuen Premierminister gewählt. Mit dem Politiker Narendra Modi kommt ein zwar nicht unumstrittener, aber dafür äußerst reformwilliger Mann an die Spitze. Die Hoffnung der Wirtschaft ist enorm: Seit Modi im September 2013 seine Spitzenkandidatur verkündete, stieg der Wert indischer Aktien um mehr als 300 Milliarden US-Dollar. Als sich am Freitag sein Sieg abzeichnete, gewann der Leitindex Sensex zwischenzeitlich mehr als sechs Prozent an Wert und erreichte ein neues Allzeithoch von mehr als 25.300 Punkten.

„Der deutliche Sieg von Modi ermöglicht Indien für mindestens fünf Jahre eine stabile Regierung mit wirtschaftsfreundlicher Politik, die Wachstum und Arbeitsplätze schaffen“, jubelt Aditya Narain, Stratege bei der Citi. Seines Erachtens dürfte die Indien-Rally noch nicht zu Ende sein. Er hat das Kursziel für den Sensex auf 26.300 Punkte angehoben. Damit stellt er den Anlegern bis Jahresende weitere neun Prozent Wertentwicklung in Aussicht.

Die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen

Wachstum

Indien ist die zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2013 bei 1,3 Billionen Dollar, das von Deutschland bei 3,1 Billionen Dollar. Das nach China bevölkerungsreichste Land der Welt dürfte in diesem Jahr nach einer Prognose der Weltbank um gut sechs Prozent und damit mehr als drei Mal so schnell wachsen wie die deutsche Wirtschaft.

Exporte

Indien steht in der Rangliste der wichtigsten deutschen Exportkunden auf Rang 25. Die Unternehmen lieferten 2013 Waren im Wert von 9,2 Milliarden Euro dorthin, was einem Rückgang um 11,5 Prozent entsprach. Exportschlager sind Maschinen, die ein Drittel der Gesamtausfuhren ausmachen. Auf Platz zwei folgen chemische Produkte mit einem Anteil von 16,6 Prozent und Elektrotechnik (8,5).

Importe

Indien lieferte voriges Jahr Waren im Wert von 6,9 Milliarden Euro nach Deutschland – 1,4 Prozent weniger als 2012. Knapp ein Viertel davon waren Textilien und Bekleidung, gefolgt von chemischen Produkten mit einem Anteil von 19,2 Prozent.

Arbeitsplätze

Rund 1000 deutsche Firmen sind mit Niederlassungen in Indien vertreten und betreiben dort Büros oder Produktionsstätten. Ihr Kapitalstock – von Produktionsanlagen bis Lizenzen – summiert sich auf zehn Milliarden Euro. Allein die 120 größten deutschen Gesellschaften beschäftigen zusammen etwa 200.000 Mitarbeiter. In Deutschland sind nur rund 300 indische Unternehmen aktiv, die einen Kapitalstock von 500 Millionen Euro aufgebaut haben.

Probleme

Deutsche Unternehmen klagen über eine schlechte Infrastruktur, überbordende Bürokratie und weit verbreitete Korruption. Aus diesen Gründen landet Indien in der Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften auch nur auf Platz 60 von 148 Ländern. „Indien ist ein potenzieller Riese, der aber immer wieder mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen hat“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Die Deutsche Bank ist sogar noch optimistischer: Euphorie sei die wahrscheinlichste Reaktion auf die neue Regierung, heißt es in einem Kommentar vom vergangenen Freitag. Bis Jahresende werde der Leitindex weiter auf 28.000 Punkte steigen.

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