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31.08.2015

10:14 Uhr

Umschwung

Wirtschaft der Schwellenländer im Abwärtssog

Eben noch auf Erfolgsspur, haben Entwicklungsländer wirtschaftlich zunehmend zu kämpfen. Auslöser der Probleme sind unter anderem sinkende Rohstoffpreise. Vor allem China wird für den Umschwung verantwortlich gemacht.

Die chinesische Wirtschaft kühlt sich radikaler ab als es die meisten Beobachter nach den zweistelligen Zuwachsraten Mitte der 2000er Jahre erwartet hatten. dpa

Börse in China

Die chinesische Wirtschaft kühlt sich radikaler ab als es die meisten Beobachter nach den zweistelligen Zuwachsraten Mitte der 2000er Jahre erwartet hatten.

WashingtonDie Einbußen sind global. Es trifft den thailändischen Baht ebenso wie den kasachischen Tenge, den südafrikanischen Rand wie den peruanischen Nuevo Sol: In Schwellenländern sind die Währungen auf Talfahrt. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die sich entwickelnden Volkswirtschaften am Rand eines Absturzes stehen. Bis vor kurzem noch erfolgsverwöhnt, gelten sie nun als Opfer langsameren Wachstums in China, sinkender Rohstoffpreise und der Aussicht auf steigende Zinsen in den USA.

Auch die Börsen in New York, Tokio und Europa sind in Unruhe. Die Investoren dort befürchten, dass China und andere wichtige Schwellenländer ihre Importe drosseln. Und sie befürchten einen Währungskrieg mit Auswirkungen auf den Handel. Denn einige Länder, beispielsweise China, werteten bereits ihre Währung ab, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Ihre Waren werden dann im Ausland günstiger. An der New Yorker Börse fiel der Dow-Jones-Index im vergangenen Monat um mehr als 6,5 Prozent.

Viele Experten halten die US-Wirtschaft für widerstandsfähig genug, einem Abschwung in den Entwicklungsländern standzuhalten. Auch Europa scheint kaum gefährdet. Dennoch sind die Probleme in den Schwellenländern ein überraschender und beunruhigender Umschwung. „Es ist bemerkenswert, wie schnell die Wende kam“, sagt Neil Shearing, Ökonom bei Capital Economics und früherer Mitarbeiter des britischen Finanzministeriums.

Zum Beispiel Peru: Erst vor drei Jahren wurde die peruanische Hauptstadt Lima als Gastgeber eines Treffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) auserkoren. Dies wurde als Würdigung der Tatsache gewertet, dass Lateinamerika in der Spitzenliga der Weltwirtschaft angekommen ist. Doch nun, da die Veranstaltung in sechs Wochen bevorsteht, sieht die Perspektive für Lateinamerika düster aus. Die Wirtschaft Perus schwächte sich zuletzt stetig ab, der Kurs des Nuevo Sol fiel gegenüber dem Dollar im vergangenen Monat um 2,5 Prozent.

Dabei zählt die peruanische Wirtschaft zu den gesündesten der Region. In Brasilien dürfte die Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr schrumpfen. Der Real fiel im vergangenen Monat um sieben Prozent und in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 30 Prozent. Und es trifft nicht nur Lateinamerika: Die kasachische Währung stürzte in der vergangenen Woche ab, nachdem die Regierung die Freigabe des Wechselkurses beschlossen hatte. Der südafrikanische Rand fiel vergangene Woche auf ein 14-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar, die türkische Lira erreichte ein Rekordtief zum Dollar.

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