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29.05.2015

16:43 Uhr

Viel Kapital

Indien will den Schatz der Götter heben

VonFrederic Spohr

Gold ist auf dem Subkontinent traditionell beliebt – rund 20.000 Tonnen lagern in indischen Tempeln und Haushalten. Jetzt will die Regierung Modi die gigantischen Bestände produktiv nutzen.

In indischen Tempeln und Haushalten lagern 20.000 Tonnen Gold. dpa

In indischen Tempeln und Haushalten lagern 20.000 Tonnen Gold.

BangkokDer Schatz ist groß, da kann schon mal was verloren gehen. Hunderte Kilogramm Gold im Wert von rund zehn Millionen Euro seien aus dem Padmanabhaswamy-Tempel hinausgetragen worden, bemerkte jüngst ein von der indischen Regierung eingesetzter Sonderkontrolleur. Wohin, konnte er nicht sagen. Eventuell wurde es bei Reinigungsarbeiten entwendet.

Das Gold der Inder weckt Begehrlichkeiten. Jetzt hat es auch der Premierminister Narendra Modi darauf abgesehen. Diese Woche hat die Regierung Pläne vorgestellt, wie die gigantischen Goldvorräte im Land monetarisiert und produktiv genutzt werden können.

Allein in den heiligen Stätten des Landes lagern schätzungsweise rund 3.000 Tonnen Gold. Hinzu kommen noch einmal gewaltige Reserven der privaten Haushalte: In Indien wird die immer noch weitverbreitete Mitgift größtenteils in Gold bezahlt, außerdem ist es ein beliebter Inflationsschutz und natürlich Statussymbol. Der World Gold Council, eine Lobby-Organisation der Goldindustrie, schätzt die Goldvorräte des Subkontinents auf mehr als 20.000 Tonnen.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Viel Kapital, das weder für Investitionen noch für den Konsum verwendet wird. Es steht im Wohnzimmer oder wird an Feiertagen aus dem Tempel geholt und im Kreis herumgetragen. Jetzt sollen Tempel und Haushalte mit steuerfreien Zinszahlungen überzeugt werden, das Gold bei Banken zu deponieren, teilte die indische Regierung mit. Die Banken sollen das Gold dann Schmieden für die Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen oder es möglicherweise auch als Sicherheit bei der Zentralbank angeben können.

Die Regierung will so unter anderem die teuren Goldimporte des Landes verringern. Kein anderer Staat importiert so viel Gold wie Indien. Das Edelmetall treibt das indische Handelsdefizit in die Höhe, das die Regierung seit Jahren unter anderem mit Einfuhrrestriktionen bekämpft.

In diesem Haushaltsjahr soll es nun endlich auf weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Medienberichten zufolge hofft die Regierung, dass durch das Programm die Importe von derzeit bis zu 1.000 Tonnen um ein Viertel sinken könnten.

In der Goldwirtschaft stoßen die Pläne auf Zustimmung: „Warum sollte Indien diese Goldvorräte nicht produktiv nutzen?“, sagt Sribash Dasmohapatra, Direktor des Verbandes der Edelstein- und Schmuckindustrie, dem Handelsblatt. „Ich hoffe, dass auch Tempel das Angebot annehmen.“

Der Goldrausch der Inder stört die Regierung schon lange. Bisherige Programme scheiterten aber aufgrund geringer Anreize. Ärmere Haushalte waren außerdem wegen zu hoher Mindestmengen ausgeschlossen. Wie hoch das Gold nun aber verzinst werden soll, diese Entscheidung obliegt den Banken. Analysten rechnen mit bis zu drei Prozent. Frühere Programme haben nur ein Prozent eingebracht. Trotzdem hat eine Stiftung, die im Bundesstaat Kerala das Vermögen Tausender Tempel verwaltet, schon abgewinkt: Das Gold sei für die Götter bestimmt, und nicht für Banken.

Kommentare (1)

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G. Nampf

29.05.2015, 17:29 Uhr

Inder, versteckt Euer Gold, denn Euer Staat ist am Ende !!!

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